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  • Sabreen Mkalaluh
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  • 15.06.2009

Pflegepraktikum auf der Thoraxchirurgie des Klinikum Bremen-Ost

Am Abend vor meinem ersten Praktikumstag ging die Europäische Fußballmeisterschaft zu Ende. Natürlich hat mein Favorit Spanien gewonnen, und das auch noch hochverdient… Im Anschluss an das Spiel fiel mir dann plötzlich ein, dass ich am nächsten Morgen um 5:30 aufstehen muss: mein erster Praktikumstag.

Um 7:00 Uhr sollte ich auf meiner Station erscheinen. So bin auf die Station 51 gegangen und hatte auf einmal ein komisches Gefühl im Magen. Wird alles klappen, wie ich es mir vorgestellt habe? Werde ich mich in das Team integrieren? Du bist ja nur eine ahnungslose Praktikantin, und träumst vom Medizinstudium. Wirst du die Aufgaben des Pflegepersonals erledigen können? Diese zahlreichen Fragen und viele anderen fast quälende Gedanken gingen in meinem Kopf herum.

Nun klopfte ich an die Tür des Stationszimmers. Die Tür öffnete sich langsam, ohne dass ich sehen konnte, wer sie öffnete. Ich blickte in ein Zimmer voller Pflegerinnen und Pfleger, die ich natürlich nicht kannte. Dementsprechend war ich ziemlich aufgeregt.

Das Pflegepersonal schaute mich fragend, aber auch sehr freundlich an. Ich tastete mit den Augen ihre Gesichter ab, um zu sehen, ob ich mit diesen Menschen drei Monate durchhalten würde. Ich hatte von einigen Medizinstudenten leider auch Schlechtes über die Beziehung zwischen Studenten und Pflegepersonal gehört.

Ein netter Pfleger kam direkt auf mich zu und fragte, was er für mich tun könne. Ich habe mich ihm als die neue Pflegepraktikantin vorgestellt und er war sofort im Bilde. Nun stellte er mich seinen Kolleginnen und Kollegen vor und schon ging es zum Einkleiden. Der Pfleger begleitete mich in die Näherei und organisierte für mich noch einen eigenen Schlüssel, damit ich auf Station meine persönlichen Dinge wegschließen konnte.

Mit Pflegekleidung ausgestattet ging es schließlich zurück auf die Station 51.

Mein erster Einsatz

Uli, wie der Pfleger hieß, zeigte mir die Station inklusive all ihrer Ecken und Geheimplätze. Dabei erklärte er, wieso man bestimmte Sachen so macht und nicht anders, und er erzählte viel über die typischen Krankheitsbilder auf der Station.

Dann zeigte er mir den OP-Bereich, die Radiologie, die Reha-Klinik, das Lager, die Bettenzentrale, die Ambulanz, die Zentralküche und die unterschiedlichen Behandlungsräume. Ehrlich gesagt: Das war fast viel zu viel für mich.

Uli merkte, dass er mich mit so vielen neuen Eindrücken leicht überfordert hatte. Schließlich sagte er: "Jetzt hast eine Pause verdient". So gingen wir zurück auf Station und frühstückten mit den anderen.

Meine Station war in ihrem Teamgeist vorbildlich. Es wurde gemeinsam gefrühstückt und nie schlecht über abwesenden Kollegen geredet, was allgemein wohl gar nicht so unüblich ist.

Nach dem Frühstück durfte ich gleich mit auf die Visite, die von den beiden Oberärzten durchgeführt wurde. Ich stand daneben, und kam mir so doof vor: Noch zwei Tage zuvor war ich als Jahrgangsbeste ausgezeichnet worden, und nun stand ich da und verstand so gut wie gar nichts.

Da ich auf der Thoraxchirurgie war, hieß es gleich nach der Visite: Drainagen ziehen. Das war also der erste Eingriff, den ich auf Station zu sehen bekam. Doch das war nur der Anfang, es wurde mit der Zeit immer interessanter.

Der junge Stationsarzt Dr. Schmidt war Schweizer mit einem sehr angenehmen Akzent. Ich war zurückhaltend und habe nur zugeschaut ohne etwas zu sagen.

Überhaupt lief ich am ersten Tag nur mit und musste nichts wirklich Verantwortungsvolles machen. Um 13:30 Uhr fing dann die Übergabe an, und kurz danach, um 14:15 Uhr, wurde ich nach Hause entlassen.

Meine erste OP

Am nächsten Tag fuhr ich mit einer Kollegin einen Patienten in den OP-Saal. Auf dem Weg fragte sie mich, ob ich Lust dazu hätte, bei der Operation zuzuschauen.

Ich freute mich sehr, dachte: Das ist mein Glückstag. Meistens müssen die Praktikanten mehrmals darum bitten, bis sie in den OP dürfen. Bei mir kam es unangekündigt und ganz unerwartet schon am zweiten Tag. Die Pflegerin hat dann im OP um Erlaubnis gebeten, und so durfte ich herein.

Die OP-Pflegerin nahm mich mit zur Umkleidekabine und gab mir die passende OP-Kleidung. Schließlich nahm sie mich in den Einleitungsraum, wo zwei Anästhesisten bereits am Patienten arbeiteten.

Ich verhielt mich eigentlich nicht so normgerecht. Ich kam herein, habe sie gegrüßt ohne mich irgendwie vorzustellen, aber auch nur, weil ich so wahnsinnig aufgeregt war.

Nachdem die Anästhesisten mit der Einleitung fertig waren, nahmen sie sich Zeit für die schüchterne Praktikantin, die ganz still in der Ecke stand, ohne ein Wort zu sagen. Nun hatte ich doch noch die Gelegenheit mich vernünftig vorzustellen, und mit den Ärzten ins Gespräch zu kommen.

Die vierstündige Operation war eine Pneumonektomie eines 60-jährigen Patienten. Natürlich war ich total beeindruckt, da ich zum ersten Mal in den menschlichen Körper hineinschauen und ein pumpendes Herz sehen konnte. Schließlich durfte ich die Lungenlappen in die Hand nehmen, bevor sie in die Pathologie gebracht wurden.

Im Anschluss an die OP ging ich nach Hause und hatte solche Schmerzen, schließlich hatte ich ungefähr 5 Stunden am Stück gestanden.

Mein erster Assistent

Einmal hatte ich Dienst am Wochenende und die Stationsärzte hatten frei; der Chefarzt Dr. Albert Linder erschien aber zur Visite. Mein Chefarzt ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie und einer der zehn besten Lungenkrebsspezialisten in Deutschland. Dennoch beeindruckte er mich insbesondere durch seine Bescheidenheit.

Wie immer mussten nach der Visite Drainagen entfernt werden. Dann fragte mich der Chefarzt, ob ich schon mal Drainagen herausgezogen habe. Ich antwortete mit ein wenig Verzögerung "Ja", da ich es ja schon mit dem Stationsarzt gemacht hatte.
Dann wollte er wissen, welche Art Praktikantin ich bin. Nachdem wir uns kurz übers Medizinstudium unterhalten hatten, überraschte er mich, indem er zu mir sagte: "So Frau Doktor, ich bin Ihr Assistent und heute möchte ich, dass Sie mir zeigen, wie man professionell Drainagen entfernt".

Zum Glück beherrschte ich das Ganze ganz gut. Als es geschafft war, bedankte sich "mein Assistent" und wünschte augenzwinkernd, dass ich mich bei ihm irgendwann als Ärztin vorstellen würde.

Während meines Praktikums war ich noch bei mehreren Bronchoskopien, videoassistierten Thorakoskopien, Punktionen und Pleurapunktionen als Zuschauerin anwesend.

Tipps für das Pflegepraktikum

Am Ende möchte ich zukünftigen Pflegepraktikanten noch ein paar Tipps geben:

Natürlich musste ich auch mir persönlich recht unangenehme Tätigkeiten erledigen, aber auch solche Tätigkeiten gehören einfach zum Pflegepraktikum.

In diesem Sinne wünsche ich meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen viel Spaß, und dass Ihr den erwarteten Lernerfolg erreicht.

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