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  • Pressemitteilung der Uni Hohenheim
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  • 01.08.2011

Schulnoten sind bestes Auswahlkriterium

Schulnoten sind das beste Kriterium, um später einmal erfolgreiche Studierende auszuwählen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Hohenheim in einer Studie, für die sie auf über 1000 Einzelstudien aus aller Welt zurückgriffen. "Unsere Meta-Analyse macht deutlich, dass Schulnoten ein bedeutend zuverlässigereres Auswahlkriterium sind als Interviews, Interessentests oder Essays", erklärt Projektleiter Dr. Benedikt Hell von der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Heinz Schuler vom Hohenheimer Lehrstuhl für Psychologie.

Nur unter bestimmten Umständen lässt sich der Auswahlerfolg durch zusätzliche Studierfähigkeitstests noch steigern. Aufgrund der hohen Kosten empfehlen die Forscher dies allerdings nur für besonders kostenintensive Studiengänge mit hoher Bewerberzahl wie einige Ingenieurwissenschaften, Veterinär- oder Humanmedizin.

Gut zehn verschiedene Auswahlverfahren hatte die Forschungsgruppe um Eignungsdiagnostiker Prof. Dr. Schuler vom Hohenheimer Lehrstuhl für Psychologie untersucht, um späteren Studienerfolg vorherzusagen. Als besonders unzuverlässig erwiesen sich Interviews: Die Aussagekraft liegt deutlich unter der von Schulnoten und Fähigkeitstests, schlimmer noch: bei einem gemeinsamen Einsatz von Interviews und Schulnoten wird die gute Prognosekraft der Schulnoten durch das Interview verwässert.

Ähnlich zuverlässig wie Schulnoten sind nur fachspezifische oder allgemeine Studierfähigkeitstests. Letztere setzte zum Beispiel die Studienstiftung des deutschen Volkes ein, um Stipendien an besonders talentierte Studienbewerber zu vergeben. Das bekannteste Beispiel für einen fachspezifischen Test war der Test für medizinische Studiengänge, der bis Ende der 90er Jahre eingesetzt wurde.

Rein ökonomisch lohnt der kombinierte Einsatz von Schulnoten und Tests jedoch nur bei kostenintensiven Studiengängen und hohen Bewerberzahlen. In einer Modellrechnung verglichen die Wissenschaftler Kosten, die je Student und Studiengang entstehen, mit dem „Gewinn“, den eine Hochschule durch kürzere Studienzeiten dank guter Studierender einspart. „Bei Wirtschaftswissenschaften oder Philologie würde sich die Kombination demnach nicht rechnen“, urteilt Dr. Hell. Ökonomisch wird das kombinierte Verfahren erst bei teuren Studiengängen: Dazu gehören ein Teil der Ingenieurwissenschaften, Veterinär- und insbesondere Humanmedizin. Anders stellt sich die Lage dar, wenn die Kosten für die Testverfahren von den Bewerbern getragen werden. "Ideal wäre ein ähnliches Vorgehen wie in den USA: die Bewerber absolvieren einen einzigen Test, mit dem Sie sich bei verschiedenen Hochschulen bewerben können. Auf diese Weise", so Hell weiter, "könnten die einmal entstehenden Kosten, die im zweistelligen Euro-Bereich je Bewerber liegen, von den Bewerbern getragen werden."

Auch die anderen Verfahren sind in bestimmten Auswahlsituationen nicht völlig wertlos. "Interviews sind beispielsweise hilfreich, wenn es um den Erfolg im späteren Berufsleben geht", so Dr. Hell. Grund dafür sei, dass sich durch Interviews auch Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder Führungsqualitäten beurteilen lassen. "Wir empfehlen Interviews deshalb für Studiengänge mit klar umrissenen Berufsbildern wie zum Beispiel Lehramtsstudiengänge. In Wirtschaftswissenschaften hingegen, in denen die Studierenden in so völlig konträren Berufszweigen wie Marketing und Controlling enden, sind Interviews wenig sinnvoll." Bedingung sei allerdings, dass die Interviews strukturiert durchgeführt und ausgewertet werden: "Wenn ein Professor mit einem Bewerber nur plaudert, hat das wenig Aussagekraft – auch wenn beide danach den subjektiven Eindruck haben, ein sinnvolles Gespräch geführt zu haben."

Interessentests hätten vor allem bei der Wahl eines Studienfachs ihre Daseinsberechtigung: "Nach unserer Analyse sind diese Tests in der Lage, die Zufriedenheit der Studierenden mit ihrer Studienfachwahl vorauszusagen. Wenn wir davon ausgehen, dass zufriedene Menschen ihr Studium seltener abbrechen, können wir den Interessentest vor dem Studium nur empfehlen", sagt Dr. Hell.

Für die eigene Hochschule entwickeln Dr. Hell, Prof. Dr. Schuler und ihre Mitarbeiterin Sabrina Trapmann deshalb ein integriertes Auswahlverfahren: "Als erste Hochschule der Bundesrepublik bieten wir zum Jahreswechsel einen kostenlosen Interessentest für sämtliche Studiengänge in Deutschland an, die jeder Studieninteressierte selbstständig und unkompliziert auf unserer Homepage durchführen kann." Die Auswahl an der Universität Hohenheim erfolgt dann studiengangspezifisch mittels eines Verfahrensmixes aus Abiturnoten, Interviews, Sprachtests und der Berücksichtigung von besonderen Erfahrungen wie Berufsausbildungen oder einschlägige Preise.

Das Projekt "Eignungsdiagnostische Auswahl von Studierenden" wird im Rahmen des Aktionsprogramms "StudierendenAuswahl" des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Landesstiftung Baden-Württemberg durchgeführt.

www.uni-hohenheim.de

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