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  • Ines Elsenhans
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  • 22.08.2011

HAM-Nat: Auswahlverfahren Uni Hamburg

Es ist ein außergewöhnlicher Weg, den die Uni Hamburg gewählt hat, um ihre Studienplätze für Medizin an die beste Frau oder den besten Mann zu bringen: Der HAM-Nat-Test und das HAM-Int-Gespräch. Jedes Jahr im August versuchen rund 1000 Bewerber in den Hallen der Hamburger Universität einen der heißbegehrten Studienplätze zu ergattern.

 

Mit dem Kuli in der einen und die Einladung zum Ham-Nat in der anderen Hand, betreten sie die Universität, um zu beweisen, dass sie die Richtigen für das anspruchsvolle Studium und den Arztberuf sind - auch ohne die Traumnote 1,0 im Abitur.

In 120 Minuten gilt es 80 Fragen über medizinisch relevante Aspekte der naturwissenschaftlichen Fächer Mathematik, Physik, Biologie und Chemie zu beantworten. Wie auch bei den Staatsexamina sind die Fragen im "Multiple-Choice-Modus" gestellt, der von Studenten gerne als "Kreuzen" bezeichnet wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass Studienanfänger, die mit Naturwissenschaften vertraut sind, deutlich weniger Probleme im Studium haben und es seltener abbrechen. "In der Medizin gibt es sehr viel mehr Bewerber als Studienplätze. Durch das Hamburger Auswahlverfahren für medizinische Studiengänge wollen wir Bewerber herausfinden, die zum einen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das Studium erfolgreich abschließen und zum anderen anschließend kompetent mit Patienten umgehen werden", so Prof. Dr. Wolfgang Hampe, Koordinator des Ham-Nat und Professor für Biochemie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

 

Neue Zulassungsverfahren - mehr Chancen für Bewerber

Die Gesetzesreformen der letzten Jahre eröffneten den Hochschulen mehr Freiheiten ihre Studenten auf innovativen Wegen auszuwählen, anstelle des klassischen NC-Wertes, als einziges Auswahlkriterium anzuwenden.

Infolgedessen führte die Universität Hamburg im Wintersemester 2008/2009 den Ham-Nat-Test ein, um das naturwissenschaftliche Kow-how der Bewerber zu prüfen. Die Abiturnote spielt weiterhin eine Rolle, denn das Interesse am Medizinstudium ist groß und die Plätze begrenzt. In Hamburg können nur die 1000 Abitur-Besten am Test teilnehmen, die bei ihrer Bewerbung in der Ortspräferenz bei Hochschulstart.de, vormals ZVS, die Universität Hamburg auf Platz 1 gesetzt haben. In diesem Jahr wurden alle Bewerber mit einer Abiturnote bis 1,8 sowie viele mit 1,9 oder Losglück zum Ham-Nat eingeladen. 2010 lag die Grenze bei einer Durchschnittsnote von 1,9, also Abi-Noten, mit denen im klassischen NC-Verfahren jede Chance vertan wäre.

 

Zweite Stufe: Ham-Int-Gespräch

Abiturnote und Testergebnis werden nahezu gleichwertig summiert und eine Rangliste in absteigender Reihenfolge erstellt. Bewerber, die zuvor einen kurzen Fragebogen ausgefüllt haben, erhalten das Testergebnis schon wenige Tage nach dem Test und wissen so mehr als drei Wochen vor dem regulären Bescheid von Hochschulstart.de, ob sie es geschafft haben. Wer unter den ersten 125 der Rangliste ist, hat seinen Studienplatz im Fach Humanmedizin in Hamburg sicher. Für Test-Teilnehmer mit einem Rangplatz bis 325 geht es weiter: Das Ham-Int-Auswahlgespräch wartet, die zweite Stufe des Hamburger Auswahlverfahrens. Verschiedene Kurzinterviews, gespickt mit Situationen aus dem Arztalltag und Fragen nach der Motivation zum Studium müssen die Bewerber bewältigen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass sie sich wie ausgebildete Ärzte verhalten, sondern zeigen wie sie mit Konfliktsituationen umgehen und flexibel auf Situationen reagieren können. "Die Juroren waren alle sehr freundlich und auch die Schauspieler haben die Situation glaubwürdig rübergebracht, sodass die anfängliche Nervosität schnell verflogen war", berichtet Marie erleichtert, als sie aus ihrer letzten Ham-Int-Station kommt. Die Erfahrungen der Bewerber mit dem Hamburger Auswahlverfahren sind überwiegend positiv, auch aufgrund der großen Chance eines Studienplatzes, die sich ihnen bietet. Fast die Hälfte der Teilnehmer erhalten nach dem Ham-Int einen Studienplatz. 2010 hatten über 35% der Zugelassenen eine Abi-Note von 1,7 und schlechter und wären beim klassischen NC-Verfahren chancenlos geblieben.

Wenige Tage später ist es soweit, die langersehnte Mail mit den Ergebnissen ist endlich angekommen. Marie strahlt, Rangplatz 132 im Auswahlverfahren der Hochschule. Sie hat es geschafft und den ersten großen Schritt in Richtung ihres Traumberufes Ärztin gemacht.

 

Links

Alle Infos zur Bewerbung für Humanmedizin unter hochschulSTART.de

Infos zum Hamburger Auaswahlverfahren

Podcast zum Ham-Nat 2010

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