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  • Thomas Krimmer
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  • 06.04.2018

Arzt ohne Abi: Medizin studieren ohne Abitur

Medizin studieren ohne Abitur? Unmöglich, werden viele denken. Doch inzwischen gibt es eine neue Regelung, die auch Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung dem Traum in Weiß näher bringt. Und das ganz ohne je auf dem Gymnasium die Schulbank gedrückt zu haben.

Im Jahr 2016 haben 146 Personen ohne Abitur das Medizinstudium aufgenommen. Es besteht also durchaus die Chance, auch ohne Abi Medizin studieren zu können. Um einen Platz zu ergattern, gilt es jedoch sich intensiv zu informieren und vorzubereiten. 

 

Bewerbung für einen Medizinstudienplatz ohne Abitur

Es ist also möglich, ein Medizinstudium ohne Hochschulreife zu absolvieren. Dazu muss man neben Mut und Engagement bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Da die Anforderungen recht heterogen sind, sollten sich Studieninteressierte an den jeweiligen Wunschhochschulen über benötigte Termine und Unterlagen informieren. Am besten so früh wie möglich, damit man zu Bewerbungsschluss alle nötigen Unterlagen beisammen hat.

Es gibt drei Bewerbergruppen.

Bewerbergruppe 1: Beruflich Qualifizierte mit Aufstiegsfortbildung (z.B. Fachwirt oder Meisterprüfung)

Sie können für das Bewerbungsverfahren in den meisten Bundesländern eine leicht verkürzte Vorbereitungsphase nutzen, da ihr beruflicher Abschluss dem Abitur gleichgestellt ist. Doch auch für diese Bewerbergruppe gibt es in einigen Bundesländern Bewerbungsgespräche an den Unis. Tipp: Recherchiere die Bedingungen der Bundesländer so früh wie möglich, um dich frühzeitig vorbereiten zu können.

Bewerbergruppe 2: Beruflich Qualifizierte mit fachnaher Berufsausbildung und -erfahrung

In der Regel ist der Hochschulzugang für diese Personen auf berufsnahe Studiengänge beschränkt. Zudem gibt es meist obligatorisch erforderliche Beratungstermine an den Unis, in denen in Gesprächen über die Studieninhalte aufgeklärt wird und geprüft wird, ob der Bewerber die Eignung für das Fach Medizin besitzt. Auch wird das Ausbildungszeugnis auf fachliche Nähe geprüft. Verläuft das Eingangsgespräch positiv und wird die fachliche Nähe bestätigt, wird man - je nach Bundesland - zur Zugangsprüfung zugelassen. Die Zugangsprüfung unterscheidet sich zudem von Bundesland zu Bundesland und kann bis zu 200 Eur kosten. In seltenen Fällen ist es auch möglich, einen Antrag auf Anerkennung der Zugangsprüfung für andere Bundesländer zu stellen.

Bewerbergruppe 3: Bewerber für Medizin ohne berufliche Nähe zum Fach

Diese Bewerber erhalten meist keinen Zugang zum Studienplatz. Nur in Ausnahmefällen ist es in manchen Bundesländern möglich, durch ein Beratungsgespräch und eine Zugangsprüfung die Zulassung zu erhalten. Hier hat man natürlich bessere Chancen, wenn man Praktika im Krankenhaus oder einen entsprechenden Zivildienst vorweisen kann.

 

Hat man die Eingangsgespräche und die Zugangsprüfungen bestanden, bewirbt man sich bei der Stiftung für Hochschulzulassung (www.hochschulstart.de). Bewerber der Bewerbergruppe 2 haben die Möglichkeit, sich die Berufsausbildung von der Wunschuni anerkennen zu lassen, um so ihre Zugangschancen zu erhöhen. Ist die fachliche Nähe der Ausbildung zur Medizin bestätigt, kann dies an manchen Unis die Note des Berufsabschlusszeugnisses um 0,5 Notenpunkte  verbessern. Auch hier ist ein Antrag an die Wunschuni zu stellen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, am Test für medizinische Studiengänge teilzunehmen und seine Note auf diese Weise zu verbessern.

Liegen alle Formulare vor (Bescheinigungen über Eignungsgespräche und Zugangsprüfungen, berufliches Abschlusszeugnis mit Durchschnittsnote, ggf. Ergebnis des TMS) durchläuft man das Bewerbungsverfahren auf hochschulstart.de und nimmt am Vergabeverfahren teil.

Chancen verbessern 

Neben dem schon erwähnten TMS Test (dieser kann die Durchschnittsnote um bis zu 0,8 Notenpunkte verbessern) gibt es noch den HAM-Nat (Hamburger-Naturwissenschaftsteil). Der HAM-Nat wird an folgenden Unis berücksichtigt: Berlin Charité, Uni Magdeburg, Uni Hamburg. Teilnehmen können nur Bewerber mit einer Abschlussnote bis 1,8. Er kann im Gegensatz zum TMS beliebig oft wiederholt werden. Für den TMS wie auch für den HAM-Nat gibt es Vorbereitungsseminare, die jedoch kostenintensiv sind.

Auch mit Freiwilligendiensten oder Auszeichnungen bei Forschungswettbewerben können Bewerber ihre Note um bis zu 0,4 Notenpunkte verbessern. Es lohnt sich also, sich zu informieren, welche Unis wie auswählen.

Die Nähe der Berufsausbildung zum Studienfach Medizin ist an manchen Unis bis zu 0,5 Notenpunkte wert.

Letztendlich ist auch noch darauf zu achten, welche Uni man in seinen Ortspräferenzen wählt. Manche Unis nehmen die Bewerber nur auf, wenn sie als erste oder zweite Ortspräferenz angegeben wurden.

 

 

Quelle:

Infobroschüre "Studieren ohne Abitur" vom CHE Hochschulranking

 

 

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