Zurück zu Mein Weg ins Medizinstudium
  • Bericht
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  • Judith Lieberich
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  • 23.07.2013

Wie ein 6er im Lotto

Für das kommende Wintersemester haben sich wieder zahlreiche Abiturientinnen und Abiturienten um einen Studienplatz für Medizin beworben. Für viele beginnt damit das bange Warten. Eine Zusage wäre für die meisten wie ein Lottogewinn. Auch ich zähle dieses Mal zu den Ungeduldigen.

Nach dem Abitur: Politikwissenschaften 

Studentin der Humanmedizin - diese Bezeichnung ist für mich in den letzten Monaten zu einer beinahe magischen Formel geworden. Wie es soweit kommen konnte, dass meine Gedanken nur noch um dieses Mantra kreisen - dazu jetzt mehr:

Aufgewachsen in einer Familie aus Ärzten, Krankenschwestern und Krankengymnasten, werde ich seit frühester Kindheit mit medizinischen Themen geradezu überschwemmt. Was liegt daher näher als sich ebenfalls in diese berufliche Richtung zu orientieren? Schon früh dachte ich darüber nach, selbst eines Tages Ärztin zu werden. Doch im Laufe meiner Schulzeit wechselten die Traumberufe dann jährlich von Pilotin über Tierärztin, Konditorin und Köchin. Obwohl der Gedanke Ärztin zu werden immer noch präsent war und ich einige Praktika im medizinischen Bereich mit viel Freude absolvierte, stoppte das Zukunfts-Roulette nach meinem Abitur letztlich bei einem Studium der Politikwissenschaften, mit dem Ziel Journalismus.

 

"Du brichst dein Studium ab?" 

Doch die Politikwissenschaften erwiesen sich als zu abstrakt und theoretisch für mich und gleichzeitig ließ die Medizin mich nicht los. Also, was nun? Viele Familienkonferenzen, Gespräche mit Freunden und Professoren später, fiel die Entscheidung: Ich beende meinen Ausflug in die Geisteswissenschaften, um mich in Zukunft mit Physik, Chemie und menschlichen Erkrankungen in all ihren Facetten zu beschäftigen. Diesen Entschluss muss ich nun meinen Kommilitonen und meinen Freunden aus Schulzeiten, die mittlerweile alle kurz vor dem Bachelor-Abschluss stehen "beichten". Ich, die Zielstrebige, die üblicherweise alles bis ins kleinste Detail und alternativlos vorausplant, orientiere mich, wie ich es nenne, um. Die ungläubige Gegenfrage "Du brichst dein Studium ab?" folgt stets. Unwillig muss ich mir dann eingestehen, dass man es natürlich auch so bezeichnen kann.

Während also meine Freunde die nächsten Semester im Ausland oder im Endspurt auf die Bachelor-Arbeit verbringen werden, beginnt für mich als "Ersti" alles noch einmal von vorn. Trotz aller Begeisterung und Vorfreude, eine sonderbare Vorstellung.

 

Norden, Süden, Osten oder Westen 

Die allseits beliebte und nett gemeinte Frage kommt meist direkt im Anschluss: "Und wo wirst du dann studieren?" Am Anfang wies ich noch ausschweifend auf die Tücken des Bewerbungsverfahrens hin. Mittlerweile rutscht mir häufig ein knurriges und gereiztes "Weiß ich nicht! Und ich werde es auch frühestens im August erfahren." heraus. Die inständige Hoffnung mein Gegenüber würde daraufhin davon absehen, seine Überraschung mit einem "Ach, dann weißt du jetzt noch überhaupt nicht wie es weiter geht?!" auszudrücken wird leider in den allermeisten Fällen enttäuscht.

Diese Frage ist mittlerweile zur Gretchenfrage geworden: Nachdem ich akribisch die verschiedensten Bewerbungskriterien der einzelnen Unis analysiert und mich letztlich für eine Auswahl entschieden habe, sitze ich nun auf glühenden Kohlen. Wie alle Bewerber kann ich es kaum erwarten zu erfahren, ob ich mich für die richtigen Universitäten entschieden habe und einen Platz bekommen werde. Zu gern wüsste ich bereits welche Stadt für die nächsten Jahre mein Lebensmittelpunkt sein wird. Norden, Süden, Osten, Westen - alles ist möglich.

 

Das bange Warten auf die Zusage 

Die Wartezeit führt mittlerweile schon zu einem leicht debilen Zustand. Mittlerweile führt jede Erwähnung von Themen rund um das Medizinstudium ausnahmslos zu augenblicklicher Verzückung und euphorischen Zuständen. Die Begeisterung findet jedoch meist ein jähes Ende, wenn ich mich daran erinnern muss, dass auch die Möglichkeit besteht keinen der begehrten Plätze zu erhalten.Um der Untätigkeit des Wartens zu entfliehen und endlich meiner Planungspassion nachkommen zu können, denke ich in schlaflosen Nächten darüber nach, wie ich die Stoffmengen, die auf mich warten, bewältigen werde, wäge Vor- und Nachteile aller in Frage kommenden Städte ab und plane bereits Praktikums- und Famulaturzeiten für die kommenden sechs Jahre.

Klingt ein bisschen verrückt? - Ja, ich muss zugeben, man könnte es von Zeit zu Zeit so bezeichnen.

Ab nächsten Monat werde ich wieder ein Pflegepraktikum im Krankenhaus machen. Hoffentlich beendet diese Ablenkung meinen Gedankenstrudel. Bis es soweit ist, habe ich schon einmal entsprechende Lektüre für die nächsten schlaflosen Nächte neben meinem Bett platziert: "Basiswissen Physik und Chemie". Nun hoffe ich auf ein schnelles Ende des Wartens und die Bestätigung des heiß ersehnten "6er im Lotto".

Allen "Leidensgenossen" wünsche ich gutes Durchhalten, viel Glück und vielleicht trifft man sich ja ab Oktober im Hörsaal.

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