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  • Interview
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  • Anahita Amini
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  • 15.06.2021

Ersti mit 28

Die meisten Medizinstudierenden sind direkt nach dem Abi mit 18 oder 19 Jahren ins Studium gestartet. Anna* hat zunächst BWL studiert und erst mit 28 das Medizinstudium begonnen. Im Interview erzählt sie, ob ihr die Uni Spaß macht, sie Freunde gefunden hat und ob ihr das Lernen schwer fällt.

 

 

 

>Wann hast du denn dein Abitur gemacht und hast du schon immer vom Medizinstudium geträumt?
Ich habe 2011 Abi geschrieben und war Teil des ersten G8 Jahrgangs in der Nähe von München. Damals war der Gedanke Medizin studieren gar nicht wirklich präsent bei mir.

>Woran lag das denn?
Das lag mitunter an meinem 2,0 Abi-Schnitt, aber auch an meinen anderen Interessen damals. Ich entschied mich dann für einen BWL-Studiengang in Südtirol.

>Hat dir dein Studium damals Spaß gemacht?
Ja, sehr! Besonders nach einem Auslandssemester und einem Pflichtpraktikum im kulturellen Bereich, wusste ich, dass ich das Richtige gewählt hatte. Nach meiner letzten Prüfung erhielt ich auch ein Jobangebot im Kulturbereich, den ich dann auch annahm.

>Wie sahen dort deine Aufgaben aus und wann fingen deine Zweifel an deinem Job an?
Ich hatte den klassischen nine to five Job, der mir anfänglich auch Spaß machte. Die Aufgaben erstreckten sich von Projektarbeit über Sponsoren kontaktieren bis hin zum täglichen E-Mail-Verkehr. Nach und nach merkte ich dann, dass mir der soziale Aspekt stark fehlte. War das wirklich das, was ich die nächsten 45 Jahre machen wollte? Ich wollte mit Menschen arbeiten, Abwechslung und etwas zurückgeben.

>Dann kamst du auf die Idee Medizin zu studieren?
Eigentlich interessierte Medizin mich schon immer. Doch zu Schulzeiten, war der Wunsch irgendwie fast ungreifbar und viel zu fern. Aber mein Interesse war letztendlich doch zu stark und ich dachte, ich werde es einfach mal probieren. Ich hatte mich an verschiedenen Unis beworben, ohne einen wirklichen Favoriten, und dann hatte ich auch eine Zulassung.

>Wie war das dann wieder als Ersti anzufangen? Du hattest das alles ja schon einmal erlebt und warst auch schon im Berufsleben.
In den ersten Wochen merkte ich, dass der größte Teil meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen jünger war, aber das war mir eigentlich egal. Man findet ja schnell eine Gruppe, zu der man passt.

>Waren das dann eher auch ältere Studierende?
Ja, tatsächlich war meine erste Gruppe eher in meinem Alter. Als ich dann im Präpkurs in Kontakt mit jüngeren Studierenden kam, merkte ich, dass es deutliche Unterschiede gibt zwischen uns.

>Was genau meinst du damit? Eher vom Verhalten oder allgemeine Unerfahrenheit?
Ich hatte bereits in meinem ersten Studium Veranstaltungen, Partys etc. miterlebt und hatte so keinen Drang mehr, diese Dinge als erneute Studienanfängerin so stark wiederzuerleben. Generell habe ich durch meine Studiums- und Berufserfahrung andere Sichten auf manche Themen. Trotzdem finde ich es aber spannend, interessant und auch sehr bereichernd mit jüngeren Studierenden zusammenzuarbeiten. Dadurch haben sich auch einige sehr gute Freundschaften entwickelt.

>Findest du, dass du als eher ältere Studentin in der Minderheit bist in Erlangen?
Generell empfinde ich die Uni Erlangen als eine „gute Mischung“ von Alt und Jung. Hier kann eigentlich jeder eine Freundesgruppe finden und sich in ihr wohl fühlen.

>Also sozial gesehen, findet man hier immer einen Platz. Wie ist das Studieren an sich? Fällt dir das Studium eher leicht oder hat es seine Herausforderungen?  
Man sollte ein Zweitstudium nicht unterschätzen. Medizin hat nicht nur den Ruf als schwerer Studiengang. Außerdem hat man im Zweitstudium weitere Herausforderungen zu meistern. Man kann tatsächlich das Lernen etwas verlernen!

>Aber zusammenfassend: Bereust du deine Entscheidung?
Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich immer wieder diesen Weg gehen. Ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Trotz des massiven Lernpensums habe ich mein Ziel nicht aus den Augen verloren. Neben der Lernerei arbeite ich im Krankenhaus in der Pflege. Da kann man wirklich die Medizin in der Realität erleben.

 

* Name von der Redaktion geändert

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