Zurück zu Mein Weg ins Medizinstudium
  • Artikel
  • |
  • Anna Boecker
  • |
  • 17.01.2008

Deutschland, ein Auslandsabenteuer

Studieren im Ausland. Einen Studienabschluss im Ausland machen. Davon träumen nicht nur deutsche Studenten, sondern auch viele junge Menschen aus anderen Ländern. Doch was bedeutet es eigentlich für einen Ausländer in Deutschland zu studieren?

Julio hatte den Traum von einem Studium im Ausland und verwirklichte ihn. Er kam im März 2003 nach Deutschland und studiert seit Oktober desselben Jahres in Bonn Medizin. Julio kommt aus Peru, wo er bereits ein Pflegestudium und zwei Jahre Medizinstudium absolviert hat. Er möchte Chirurg werden, und da ihm die Weiterbildung in seinem Land zu theoretisch ist und die Kapazitäten in der Chirurgie begrenzt sind, war für Julio klar, dass ihn sein Weg ins Ausland führen würde. Weil Julios älterer Bruder bereits in Deutschland lebte, fiel die Wahl schnell auf die Bundesrepublik.

Im März 2003 erhielt Julio vom Goethe Institut ein einmonatiges Auslandsstipendium, wodurch er seine Deutschkenntnisse vertiefen konnte. Während dieser Zeit bemühte er sich um eine längere Aufenthaltsgenehmigung, um in Deutschland weiter Medizin studieren zu können. Von behördlicher Seite kam schließlich der ersehnte positive Bescheid unter der Bedingung, dass Julio die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang absolvieren und bestehen musste. Außerdem wurden ihm die ersten zwei Studienjahre in Peru nicht angerechnet, sodass er noch einmal mit dem ersten Semester beginnen musste.

 

Studiengebühren für Ausländer und kaum Infos zu Hilfsangeboten

Ausländische Studierende müssen an der Uni Bonn zusätzlich zu den Studiengebühren 170 € für Betreuung und Beratung zahlen. Der AStA der Universität Bonn bietet Veranstaltungen und Seminare an, die von sozialen Unternehmungen, über Informationen zum Studienablauf, bis zu psychologischer Hilfe bei Heimweh und Einsamkeit reichen.

Nur leider fühlen sich die Studenten schlecht über dieses Angebot informiert. Erst dieses Semester erhielt Julio eine Übersicht über das vorhandene Programm. Außerdem hat er nach über vier Jahren in Deutschland nicht mehr das Bedürfnis sich zu informieren und fände es gut, wenn zumindest für höhere Semester die Abgabe von 170 € freiwillig wäre, und man nur dann zahlen müsste, wenn man an den Veranstaltungen teilnehmen möchten.

Alle zwei Jahre muss die Aufenthaltserlaubnis ausländischer Studierender beim Ausländeramt verlängern lassen. Dazu muss immer der voraussichtliche Studienabschluss angegeben werden und nachgewiesen werden, dass es im Studium voran geht.

 

Studienfinanzierung - ein großes Problem

Um sein Studium zu finanzieren hat Julio vier Jobs: In der Radiologie digitalisiert er Röntgenbilder, in der Anatomie steht er als Vorpräpper am Tisch, in einem kleinen Hotel sitzt er vier Nächte im Monat an der Rezeption; außerdem hilft er bei Umzügen.

Ausländische Studierende stehen unter einem hohen Druck: Zum einen müssen sie im Studium gute Leistungen erbringen, aber um das Studium zu finanzieren, müssen sie oft hart arbeiten. Dann wiederum fehlt ihnen die Zeit und Energie ausreichend zu lernen. Julio sagt, er habe in der Vergangenheit den Fehler gemacht hat, dass er zu viel gearbeitet und nicht genügend Energie in das Studium investiert habe. "Aber was soll ich machen?" Julio steckt in einer Zwickmühle.

 

Geduld und Ungeduld seitens der Lehrenden

Julio hat in Deutschland erlebt, dass viele Dozenten Zeit für ihn haben. Gelegentlich werden sogar Vorlesungsinhalte noch einmal mit ihm besprochen. Bei mündlichen Prüfungen konnte er erleben, dass die Prüfer Rücksicht darauf nahmen, dass Deutsch für ihn eine Fremdsprache ist. So durfte er bei sprachlichen Problemen ins Englische ausweichen oder Sachverhalte anhand von Schemazeichnungen verdeutlichen.

Aber er hat auch ungeduldige Professoren kennen gelernt, denen es zu mühsam war, auf seine Fragen einzugehen und die kein Verständnis für seine sprachlichen Probleme hatten.

 

Deutschland ein zweites Zuhause?

Julio sagt, dass er sich in Deutschland wohl fühle. Er habe, so sagt er, seine „Zweite Hälfte“ gefunden - seit einiger Zeit wohnt er mit seiner Freundin zusammen. Auch wenn die Deutschen, seiner Ansicht nach, etwas kühl wirken, hat er schnell gute Freunde gefunden.

Nach dem Studium möchte Julio in Deutschland bleiben und seine Weiterbildung zum Chirurgen beginnen. Zurzeit arbeitet er an seiner Dissertation in der Neurochirurgie, wo er Hormonstörungen bei Patienten nach einer Subarachnoidalblutung untersucht.

Anderen ausländischen Studierenden will er mit auf den Weg geben, dass sie mutig sein müssen und aktiv auf andere zugehen. Nur im Kontakt mit Menschen verbessere man seine Sprachkenntnisse, lerne man andere Menschen kennen. Außerdem verstehe man auf diese Weise immer besser, wie die Deutschen „ticken“.

 

Links

Beratung des ASta für AusländerInnen

Studium in Bonn für internationale Studierende

Informationen des DAAD zu Deutschkursen

Uniklinik Bonn, Dekanat der medizinischen Fakultät

Stipendiendatenbank des DAAD für ausländische Studierende

Schlagworte

Mehr zum Thema

Bericht: Follow your dreams (of becoming a doctor!)

Artikel: Eine von 43.000

Bericht: Das Warten ist vorbei ... für die Uni ist es nie zu spät