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  • Renate Fett
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  • 03.03.2014

IBAM – Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin an der Uni Witten/Herdecke

Seit 2004 haben Studenten der Universität Witten/Herdecke die Möglichkeit ein Begleitstudium zu belegen. Dieses kombiniert anthroposophische Medizin mit der Schulmedizin und fördert so die eigenen Kompetenzen und den Umgang mit sich selbst und anderen Menschen.

Foto: Thieme / M. Zimmermann

 

Das integrierte Begleitstudium Anthroposophische Medizin wird auch IBAM abgekürzt. Die Buchstaben I,B,A und M stehen dabei auch für die folgenden Grundsätze des Begleitstudiums:

Integriert (I) – angepasst an das Kerncurriculum des Medizinstudiums – also parallel zu den aktuellen POL-Fällen und anschließend dem aktuellen Kenntnisstand angemessen

Begleitstudium (B) - zu dem „normalen“ Medizinstudium begleitenden,  also „zusätzlichen“, nicht wie von vielen behauptet „statt dessen“

Anthroposophisch (A) – den „Geist“, der den Menschen ausmacht, mitbetrachten, nicht nur dessen Physis. Den Menschen ganzheitlich – mit seiner Biographie und Geschichte –erkennen und verstehen

Medizin (M) – das gewisse „Plus“, dass sich zur Schulmedizin wunderbar hinzufügen lässt

 

Für manch einen Studenten ist das Begleitstudium der Hauptgrund, die Universität Witten / Herdecke zu wählen. Andere Studenten beäugen den Unterricht in den ersten Semestern eher kritisch und finden manchmal erst nach ein bis zwei Jahren den Zugang dazu.  Es ist jedoch absolut kein Muss und manche Studenten durchlaufen das Studium an der UWH auch, ohne jemals eine Veranstaltung des IBAMs besucht zu haben.

 

Das Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (GKH) wurde 1969 als erstes anthroposophische Krankenhaus Deutschlands gegründet.

Bereits in der Vorklinik gibt es die Möglichkeit, einige semesterübergreifende Wahlveranstaltungen oder kompakte Seminare im GKH zu belegen, wie beispielsweise  das „Wahrnehmungspraktikum“ oder „die Hausapotheke“. Besonders interessant wird das GKH allerdings in der Klinik-Phase, wenn man seine Blockpraktika dort absolviert und – neben dem schulmedizinischen – auch seinen ganzheitlichen und biographischen Blick schult. Sehr beliebt und sinnvoll ist die Ausbildungsstation, bei der man fest zugewiesene Patienten hat und sich, natürlich mit Unterstützung eines Arztes, um sie kümmern darf.

 

Die Phase in der Vorklinik

In der Vorklinik gibt es die Gelegenheit, zwei POL-Begleitseminare pro Woche (Organologie + Anthroposophische Anthropologie) zu belegen, das entspricht drei Wochenstunden zusätzlich. Dazu gibt es weitere Seminare im Kerncurriculum, wie beispielsweise  Biochemie mit Prof. Zeeck und Heilpflanzen-Exkursionen.

 

Dann in der Klinik wird’s praktisch

Hier wird gefordert, dass man mindestens vier Blockpraktika am Gemeinschafts-krankenhaus absolviert und sich neben dem Seminar um „Biographie und Krankheits-entstehung“ mit „Pharmazie“ und „Typischen Heilmitteln“ beschäftigt. Auch die eigene Entwicklung soll nicht zu kurz kommen, dafür das Seminar „Meditation & Schulungsweg“.

 

PJ  

Im PJ muss zumindest ein Tertial an einem anthroposophischen Haus mit Lehrauftrag gemacht worden sein – so zum Beispiel neben dem Krankenhaus in Herdecke die Parcelsusklinik in der Schweiz oder das Krankenhaus in Berlin-Havelhöhe.

 

Die Vorurteile

Hierzu ist es vorteilhaft sich die Begriffe „Komplementärmedizin“ und „Alternativmedizin“ auf der Zunge zergehen zu lassen. Schon verstanden? Anthroposophische Medizin lässt in keinem Fall die Erkenntnisse der aktuellen Forschung außer Acht. Es gibt eine Notaufnahme, es wird operiert, es gibt Antibiotika und auch Chemotherapie. ABER: es gibt etwas zusätzlich – komplementär eben! Altes Wissen aus der Naturheilkunde oder neuere Erkenntnisse aus der Homöopathie oder TCM werden bei der Wahl der Arzneimittel zusätzlich in Betracht gezogen. So gibt es neben einer Tablette gegen Verstopfung auch eine Kümmelöl-Massage des Bauches, oder, statt einer Voltarensalbe, eben Arnika in den Verband.  Ergänzend zur Chemotherapie wird eine Misteltherapie vorgeschlagen und zusätzlich sind viele Therapeuten darum bemüht, den Erkrankten bei der psychischen Bewältigung seiner Krankheit zu unterstützen (Maltherapie, Eurythmie, Sprachtherapie etc.). Klingt doch gar nicht so verkehrt. Noch nie war die Anthroposophische Medizin als eine Alternative zur Schulmedizin gedacht!

 

Als Externer

Viele Seminare des IBAMs sind für interessierte Lehrlinge aus Heilberufen oder Studierende von anderen Unis frei zugänglich. Solltest du Interesse an einem bestimmten Kurs haben, ruf doch einfach mal im IBAM-Büro an oder schreib eine E-Mail. Fragen kostet nichts und die IBAMler sind auch sehr nette und zuvorkommende Menschen. Schau außerdem mal hier.

Theresa, eine IBAM-Studentin aus dem sechsten Semester beschreibt ihre Motivation für uns: „Das eigentlich Wichtige ist für mich die ganzheitliche Betrachtung des Menschen in Bezug auf ein ganzheitliches Menschenbild, in dem auch die seelisch-geistige Ebene ihren Raum und ihre Wertschätzung bekommt. Darüber hinaus fällt mir noch das Stichwort Salutogenese ein. In diesem Sinn ist das IBAM vielleicht das, was mich gesund hält im Studium.“

 

Die Ausbildungsstation

Wer mehr zu dem Thema Ausbildungsstation lesen möchte, findet hier einen Artikel.

 

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