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  • Romeo Rieker
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  • 04.03.2021

Promovieren in Ulm

Einer der großen "Philosophen" unserer Zeit sang einst „Wer, wie, was, warum – tausend Fragezeichen“. Selten fand ich mich in einem Songzitat so wieder wie in diesem - auf der Suche nach einer passenden Doktorarbeit. Letztendlich hatte ich Glück und fand eine tolle Stelle. Vorab musste ich mich aber auch mit all diesen Fragen herumschlagen. Damit es dir leichter fällt, habe ich hier meine Erfahrungen zusammengefasst.

 

Ob

Ab dem Beginn des klinischen Studienabschnitts hast du die Möglichkeit, deine Promotion zu starten. Zunächst solltest du dich fragen, ob du überhaupt Lust hast, einerseits „Wissenschaftsluft“ zu schnuppern, andererseits aber auch Freizeit zu investieren (wie viel hängt ein bisschen von der Art der Doktorarbeit ab, aber dazu später). In meinem Freundeskreis haben wir gerade zu Anfang der Klinik viel über das Thema gesprochen. Spätestens als die Ersten ihre Plätze hatten, baute sich ein leichter Peer-Pressure auf, jetzt auch endlich loszulegen bzw. sich überhaupt für eine Dokorarbeit zu entscheiden. Hier mein erster Tipp: Lass dich nicht von anderen unter druck setzen und einfach in eine Doktorarbeit reintreiben, um eine zu haben, damit machst du dir keine Freude.

 

Wie

Der Dr. med. hat bekanntlich nicht den besten wissenschaftllichen Ruf und auch mit allem tralala ist er, was den Aufwand angeht, meist nicht mit einem Dr. rer. nat. zu vergleichen. Eine wichtige Überlegung vorab ist daher sicherlich, ob du eine experimentelle Doktorarbeit machen willst oder nicht.

Eine experimentelle Doktorarbeit (manchmal etwas hochnäsig auch als „richtige“ Doktorarbeit bezeichnet) spielt sich, wie der Name bereits vermuten lässt, im Labor ab und ist deutlich intensiver als eine nicht-experimentelle Doktorarbeit.

Die nicht-experimentellen Doktorarbeiten (unfairerweise oft als „Schmalspur“ Doktorarbeiten betitelt) waren früher der absolute Klassiker.  Eine kleine Literaturrecherche und retroperspektiv einen sehr überschaubaren Datensatz auswerten, um den prestigeträchtigen Titel Dr. med. mit minimalem Aufwand abzugreifen. Diese Zeiten sind größtenteils vorbei, zum einen werden weniger nicht-experimentelle Doktorarbeiten angeboten, zum anderen werden sie umfangreicher.

 

Wo

Schon in der Vorklinik hatt ich mich dazu entschlossen, eine experimentelle Doktorarbeit zu machen. Damit wollte ich unter anderem ausloten, ob ein Facharzt mit Labortätigkeit etwas für mich ist oder eher nicht. Vor allem aber wollte ich mal so richtig in die Wissenschaft eintauchen. Wenn du deine Entscheidung getroffen hast, „ob“ und „wie“ du promovieren möchtest, stellt sich als nächstes die große Frage „wo“, also die Suche nach der entsprechenden Fachrichtung. Interessierst du dich für ein Fach besonders – warum nicht dort promovieren? Soll es ein Krankheitsspektrum oder eine besondere Methode sein, kommen meist mehrere Fachgebiete überlappend in Frage. Du kannst eine Email mit einer Anfrage an die verantwortlichen Dozierenden schreiben, erfahrungsgemäß bleiben diese aber öfters mal unbeantwortet. Ich war eher alte Schule und bin einfach nach Seminaren, in denen mich Themen interessiert haben oder nach Vorlesungen auf die Dozierenden zugegangen und hab ganz banal nachgefragt, ob denn gerade Doktorarbeiten vergeben werden. Wenn ja, vereinbare am besten gleich einen Termin – zwischen Tür und Angel ist meist nicht genügend Zeit, das ausführlich zu besprechen. So kannst du auch ausloten, ob dir eine Arbeit zusagt und falls nicht: Halb so wild, böse ist dir bei einer Absage niemand (solange sie höflich und rechtzeitig ist ;-) )

 

Was

Die Suche kannst du auch umgekehrt angehen: Wenn du ein bevorzugtes Thema hast, beispielsweise Krebs, kannst du natürlich auch gleich damit zu den Dozierenden gehen. An anderen Unis gibt es Promotionsportale, auf denen du in aller Ruhe durch die verfügbaren Doktorarbeitsthemen stöbern kannst, sowas suchst du in Ulm leider vergebens. Nur die wenigsten Institute machen aktiv Werbung.

 

Wann

Eine experimentelle Doktorarbeit ist in aller Regel mit einem Freisemester verbunden, für mich war auch das genau der Reiz und rückblickend war es eine der besten Entscheidungen meines Studiums! Hast du deinen Platz gefunden (alles bürokratisch Notwendige findest du übrigens auf der Seite des Promotionssekretariats), kannst du dich auch noch für den Studientrack Experimentelle Medizin bewerben. Ich kann dir das nur wärmstens empfehlen. Es gibt ein Stipendium und du hast Zugang zu Seminaren und kannst deine Ergebnisse präsentieren. Das hilft dir auch dabei, deine Arbeit zu strukturieren und nicht den Überblick zu verlieren. Im Studientrack Experimentelle Medizin wirst du für insgesamt 10 Monate gefördert und hast so Zeit, dich intensiv deiner Arbeit zu widmen. Ich habe nach dem 6. Semester mein Freisemester genommen, würde dir aber raten, bis nach dem 7. Semester zu warten. Machst du dein Freisemester früher, wirst du zum „Springer“ und ich musste dann Kurse aus dem 7. (weil es die nur einmal im Jahr gibt) im 8. Semester nachholen. Das war ein bisschen stressig.

 

Tausend Fragezeichen

Wenn du eine Doktorarbeit machst, egal ob experimentell oder nicht, solltest du wissen: Brauche ich ein Ethikvotum und falls ja, gibt es schon eins? Wenn du das verbummelst, kann dir das im schlimmsten Fall das Genick brechen, also frage lieber rechtzeitig nach. Außerdem immens wichtig: Wie ist die Betreuung? Im schlimmsten Fall hast du ein Thema, mit dem sich keiner in der Arbeitsgruppe wirklich auskennt und das eher stiefmütterlich behandelt wird - perfekte Grundvoraussetzungen für eine frustrierende Arbeit und zusätzliche Freisemester.

Hast du hingegen eine direkte Ansprechperson, die sich regelmäßig und engmaschig mit dir bespricht, sich auskennt und deine Fragen beantworten kann, sind das optimale Startbedingungen für deine Promotion.

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