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  • Friederike-Marie Hagenbucher
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  • 25.08.2022

Mein etwas anderer Weg zum Medizinstudium

Friederike ist unsere neue Lokalredakteurin für den Studienort Ulm. Hier berichtet sie euch von ihrer Reise ins Medizinstudium – und warum sich kleine Umwege oft lohnen.

 

 

Abischnitt 2,0. Da stand ich, mit einem Abi in der Tasche, über welches sich jeder andere gefreut hätte, aber ich wusste sofort, das wird niemals ausreichen. Nicht für mein Traumstudium – Medizin. Die Enttäuschung war riesig, aber es musste ein Plan B her. Das Auswahlverfahren für Medizin war damals noch ein anderes und so beschloss ich, zu warten. Mit genügend Wartesemestern würde es schon irgendwann funktionieren. 


Um die Zeit zu überbrücken, entschloss ich mich spontan für ein Au Pair Jahr. So saß ich 3 Wochen nach dem Abi im Flugzeug auf dem Weg in die USA. Niemals hätte ich gedacht, dass es ausgerechnet mich ins Ausland verschlagen würde. Ich, die alle Fremdsprachen abgewählt und nur noch Latein, eine tote Sprache, die in der Medizin dennoch Gebrauch findet, bis zum Abi durchgezogen hat. Letztendlich hat sich die Entscheidung  fürs Ausland als das beste Abenteuer meines Lebens herausgestellt. Ich habe nicht nur viele unvergessliche Momente erlebt, sondern auch Dinge fürs Leben gelernt. Mittlerweile spreche ich fließend Englisch, liebe es, neue Leute kennenzulernen und weiß, wie ich auf Menschen zugehen muss, um mich immer weiter zu connecten. Aus einem geplanten Jahr wurden ganz schnell eineinhalb Jahre, denn ich hatte schließlich keinen Zeitdruck, da ich so viele Wartesemester wie nötig sammeln wollte.


Als ich meinen Reverse-Culture-Schock in Deutschland überwunden hatte, war mir das Medizinstudium nicht mehr so wichtig wie noch vor dem Auslandsjahr und so begann ich eine Ausbildung im medizinischen Bereich. Ich entschied mich für die Ausbildung zur Physiotherapeutin, für mich zu diesem Zeitpunkt nahe genug am Arztberuf.
Bereits nach den ersten Wochen zurück auf der Schulbank merkte ich aber sehr schnell, das mein Wunsch, Medizin zu studieren, viel größer war als ich dachte. 


Ich fing also erneut an, mich zu informieren, wie ich trotz eines „schlechten Abis“ einen Medizinstudienplatz bekomme. Nach ein bisschen Recherche fand ich heraus, dass sich das Vergabeverfahren seit meinem Abi 2017 grundlegend verändert hatte. Für mich war das im ersten Moment ein Schock, denn die Wartesemester sollten bis 2022 abgeschafft werden. Im neuen Vergabeverfahren werden nun Plätze in der Abiturbestenquote, im Auswahlverfahren der Hochschule (AdH) und in der zusätzlichen Eignungsquote (ZEQ) vergeben. Kurzum, ich sah meine Chancen in der ZEQ und wusste, dass ich dafür sowohl die Ausbildung abschließen als auch den Test für medizinische Studiengänge (TMS) schreiben muss. So begann ich im Sommer 2020 mit der Vorbereitung für den TMS. 


Um Ausbildung und TMS-Training gleichzeitig zu managen, hatte ich einen genauen Zeitplan erstellt. Nach langen Ausbildungstagen lernte ich teilweise noch bis spät in die Nacht für den TMS. Ich wusste, ich müsste 50% erreichen, d.h. besser als 50% aller TMS-Mitschreiber*innen sein, um einen Studienplatz zu bekommen. Dann, am 09.05.2021 war es so weit, der Testtag stand an. Ich kannte meine Stärken, meine Schwächen, aber einschätzen, wie der Tag für mich gelaufen war, konnte ich nicht. Es herrschte eine große Ungewissheit, bis Anfang Juli endlich die Testergebnisse veröffentlicht wurden. Mit unglaublichen 92% hatte ich meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. 


Im März 2022 habe ich die Ausbildung zur Physiotherapeutin abgeschlossen und mich für Humanmedizin zum Wintersemester 2022/23 beworben. Mein einziges Problem, ein absolutes Luxusproblem: Ich wusste nicht, an welche Uni ich wollte. Mir war immer egal wohin, Hauptsache ich schaffe es irgendwie ins Studium. Mit der abgeschlossenen Berufsausbildung und dem super TMS Ergebnis hätte ich aber fast an jede Uni Deutschlands gehen können. Nach vielen Wochen Recherche, einigen Gesprächen, netten Mail-Kontakten und Überlegungen stand für mich fest, dass Ulm die richtige Uni für mich ist. Als ich dann vor ein paar Wochen die Zulassung der Uni Ulm tatsächlich in den Händen hielt, war meine Freude riesig. Mittlerweile bin ich immatrikuliert und damit offiziell Medizinstudentin an der Universität Ulm. Damit habe ich mir meinen größten Traum erfüllt und freue mich, dass ich meine Erfahrungen im Studium ab jetzt mit euch als Lokalredakteurin für Ulm teilen darf.
 

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