Zurück zu Tübingen
  • Artikel
  • |
  • Laura Trif
  • |
  • 13.11.2020

Die erste Woche im Medizinstudium – mein Tagebuch

Die Erstiwoch wird wohl kein Medizinstudierender je vergessen. Auch bei Laura war sie voller spannender Momente. Hier erzählt sie, wie es war, das Studium digital zu starten.

 

Montag, 02.11.2020


Hochmotiviert begebe ich mich Montagmorgen an den Schreibtisch, denn schließlich ist heute der erste Tag eines neuen Abschnittes – aufgrund der Covid-19-Pandemie gestaltet sich der Start jedoch leider unspektakulärer als erwartet. In einer Online-Begrüßung werden wir von der medizinischen Fakultät zum neuen Semester begrüßt – und wie geht es danach weiter? Ich suche erst einmal das Online-Lernportal auf, melde mich zu den mir noch fehlenden Kursen an und begebe mich anschließend auf die Suche nach bereits hochgeladenen Inhalten. Viel ist da allerdings noch nicht zu finden. Die Ersti-Whatsapp-Gruppe explodiert förmlich vor lauter organisatorischer Fragen und scheinbar scheint sich jeder zu fragen, mit was man denn jetzt starten solle. Ich beschließe, mir zunächst einen Überblick über die ganzen Fächer zu verschaffen. Und dann beginne ich einfach mit den ersten Inhalten, die online sind – die Physik-Vorlesung in meinem Fall. Es gibt viele Materialien und einen genauen Ablauf der Stunde, dazu noch einige Materialien – sehr gut, um einfach loszulegen (glücklicherweise startet Physik ganz sanft mit den ersten Basics). Nachmittags werden schließlich auch die heiß ersehnten Anatomie-Vorlesungen hochgeladen. Und auch hier wird langsam gestartet. Ich schreibe nicht besonders viel mit, höre aber gespannt zu. Danach beschließe ich, nachdem ich meine Physik-Mitschriften noch kurz ergänzt habe, den ersten Tag gegen 17:15 Uhr ausklingen zu lassen. Ganz ehrlich? Ich habe mir den ersten Tag aufregender vorgestellt Aber umso mehr freue ich mich auf die nächsten Tage, bei denen es wahrscheinlich schon mehr zu tun geben wird.

 

Dienstag, 03.11.2020


Auch am zweiten Morgen bin ich voller Energie und mache mich als erstes an die Anatomievorlesung. Dort geht es hauptsächlich um die Grundbegriffe der Anatomie, Vokabeln lernen ist folglich angesagt. Gut, dass sollte ja machbar sein. Weiter geht es mit der Einführung zu Chemie, was – wie so vieles in diesem Semester – online in Form eines Zoom-Meetings stattfindet. Ich merke, wie viel Mühe sich der Professor gibt und bin erleichtert, denn vor den Naturwissenschaften habe ich ehrlicherweise schon ein wenig Respekt. Als Letztes steht dann die Biologie Vorlesung an. Es sind bereits einige Videos hochgeladen worden, was bis wann bearbeitet werden muss, ist noch unklar, wird sich aber bestimmt in den nächsten Tagen ergeben, also fange ich einfach mal an. Es freut mich, dass in Bio noch etwas aus der Schule hängen geblieben ist, es kommen jedoch noch so einige Details dazu. Ob man die alle für die Prüfung wissen muss? Ich fürchte schon. Abends dann noch ein spannendes Ereignis: In Tübingen gibt es seit einigen Jahren ein Projekt der Klinischen Anatomie, die „Sectio chirurgica“, eine Lehrveranstaltung, bei der (meist) operative Eingriffe demonstriert werden. Wurde uns Erstis empfohlen, also schaue ich mir das natürlich an. Das Thema heute: die Intensivbehandlung von Covid-19-Patienten, was unglaublich interessant war. Abends falle ich dann mit der Gewissheit ins Bett: Langweilig wird mir in nächster Zeit auf jeden Fall nicht mehr werden. 

 

Mittwoch, 04.11.2020


Es ist zwar erst der dritte Tag, doch bereits jetzt ist Einiges zu tun. Vorlesungen wollen angeschaut und nachbereitet werden und das in mehreren Fächern. Und natürlich möchte ich auf keinen Fall in der ersten Woche hinterherhängen! Noch bin ich motiviert und konzentriert, dennoch sitze ich fast den gesamten Tag (mit ausreichenden Pausen natürlich) am Schreibtisch. Tatsächlich schleicht sich sogar manchmal das Gefühl ein, dass manche Kommilitonen bereits noch weiter sind. Egal, bloß nicht mit anderen vergleichen, schließlich sitzen jetzt alle im selben Boot. Ein bisschen macht mir das aber schon ein mulmiges Gefühl, denn diese Woche haben wir noch gar keine Praktika oder Seminare. Ob ich diese Menge an Lernstoff wirklich packen werde?

 

Donnerstag, 05.11.2020


Auch der heutige Tag war gut gefüllt, doch so langsam gewöhne ich mich an die Abläufe. Es ist doch immer erstaunlich, wie schnell man sich an eine Situation gewöhnt. Ein Jahr war ich quasi aus dem Lernen raus und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Und sonderlich schwer fällt es mir auch nicht. Ob das daran liegt, dass ich endlich etwas lerne, wofür ich richtig brenne?
Eine Situation gab es jedoch heute, die kurz für Unsicherheit meinerseits gesorgt hat: das erste Bio-Tutorium. „Bestimmt werden wir nicht alle bereits hochgeladenen Videos angeschaut haben müssen, das wäre dann doch etwas viel an Information“, dachte ich mir. Es stellte sich aber heraus, dass das doch der Fall hätte sein müssen. Puh. Dann habe ich wohl noch Einiges nachzuholen. Aber eins nach dem anderen. 

 

Freitag, 06.11.2020


Und schon ist die erste Woche vorbei. Heute lief es doch wirklich ganz gut und es scheint so, als ob ich die vorherigen Tage doch ganz ordentlich gearbeitet habe. Natürlich werde ich auch das Wochenende nutzen, um noch Einiges zu wiederholen, doch für heute mache ich mir erst einmal einen schönen freien Abend und stoße darauf an, die erste Woche gut überstanden zu haben. Und am Ende der Woche lautet das Fazit: Klar ist es viel und anspruchsvoll, doch wenn man mit Spaß bei der Sache ist und sich nicht allzu sehr stressen lässt, kann man alles irgendwie schaffen. Somit lege ich für heute zwar die Beine hoch, freue mich aber bereits auf alles, was in nächster Zeit kommen wird.

Mehr zum Thema

Artikel: So meisterst du die Naturwissenschaften

Artikel: Tipps für die erste mündliche Anatomieprüfung

Artikel: Das erste Semester – Ein Rückblick

Schlagworte