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  • Bericht
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  • Romana Mikes
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  • 13.05.2008

Mein erstes Mal: eine Platzwunde versorgen

Zu Beginn meines Studiums konnte ich mich für jede Blutabnahme begeistern, mittlerweile sind meine Ansprüche - wenn auch nur wenig - gestiegen. Eine Wunde zu nähen ist für mich (noch) mindestens so spannend wie für andere eine mehrstündige Operation. Am letzten Tag meines Unfallchirurgiepraktikums war es soweit: ich durfte meine erste Rissquetschwunde nähen.

Im sechswöchigen Chirurgiepraktikum im vierten Jahr kommt man öfters in Situationen, in denen es von Vorteil ist, die wichtigsten Naht- und Knüpftechniken bereits im Groben zu beherrschen. Viele Chirurgen sind sehr geduldig und lassen uns gerne während der Operationen nähen, anderen wiederum dauert es zu lange wenn wir noch unbeholfen werken, und übernehmen die Arbeit lieber selbst. In einem kurzen Nähkurs- und Knüpfkurs recht früh im Studium wurden uns die wichtigsten Handgriffe gezeigt, doch bis zum Praktikum im vierten Jahr hat man leider viel vergessen. Trotzdem kommt man manchmal in Situationen, in denen man selbst Hand anlegen muss!

Schockraumalarm

Freitag 13.15 Uhr kurz nach der Mittagspause. Meine Studienkollegin und ich machten uns nach einem anstrengenden Vormittag im OP auf den Weg in die Ambulanz. Dort sollte unser Tutorium stattfinden. Zur Theorie kamen wir erst gar nicht, wir wurden sofort in den Schockraum gerufen wo bereits Hochbetrieb war. Um niemandem im Weg zu stehen und geschützt zu sein, falls Röntgenaufnahmen gemacht wurden, beobachteten wir das Geschehen hinter einer Stahlwand.
Schnell stellte sich heraus, dass der Patient - Beifahrer bei einem Autounfall - noch gut davongekommen war. Außer einigen Schürfwunden und Rissquetschwunden im Gesicht und an der Hand konnten keine weiteren Verletzungen festgestellt werden. Einige dieser Verletzungen mussten allerdings genäht werden.
An dieser Stelle kamen wir ins Geschehen: der Assistenzarzt fragte uns, ob wir gemeinsam mit ihm den Patienten versorgen wollen. Das taten wir natürlich gerne. Der anfängliche Aufruhr im Schockraum hatte sich mittlerweile gelegt. Ich wurde hingegen immer nervöser.

 

Die Theorie ist leichter als die Praxis

In ruhigeren Minuten hatte ich zwar am Modell geübt zu nähen, doch einen Patienten zu versorgen ist doch etwas ganz anderes. Schnell setzte ich mir eine OP-Haube und Maske auf und zog mir sterile Handschuhe an. In der Zwischenzeit hatte uns die Krankenschwester bereits das Instrumentarium vorbereitet. Wir erklärten dem Patienten, dass einige Wunden genäht werden mussten und der Assistenzarzt unterspritzte diese gründlich mit Lokalanästhetikum. Während wir warteten, dass die Wirkung des Anästhetikums einsetzte, deckten wir die entsprechenden Areale mit sterilen Lochtüchern ab.

 

Jetzt wird es ernst

Die Schwester reichte mir die in Isozid-Lösung getränkten Tupfer und ich wusch die Wunde gründlich. Beim ersten Stich schaute mir der Assistenzarzt über die Schulter - er schien zufrieden zu sein und so verschloss ich die Wunde mit einer lockeren Einzelknopfnaht. Meine Nervosität war einer ruhigen Konzentration gewichen. Ich bemühte mich, in gleichen Abständen vom Wundrand einzustechen um die Verletzung ebenmäßig zu verschließen. Während ich die Wunde am Kopf nähte, versorgte meine Studienkollegin die Verletzungen an der Hand. Die kleineren Abschürfungen wurden mit Steristrips geklebt.

 

Zufrieden ins Wochenende

Abschließend wurden die Wunden mit trockenen Tupfern verbunden und wir konnten ins Wochenende gehen. Das Tutorium entfiel, wir hatten die Wundversorgung in der Praxis gelernt.

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