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  • Julia Hadala
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  • 09.04.2019

Wiederholen? Halb so wild!

Julia hat einige Prüfungen vermasselt. Warum sie sich nicht unterkriegen lässt und was ihr in der Zeit geholfen hat, schildert sie hier.

 

 

Wie beginnt man einen Artikel, der voller Ehrlichkeit triefen soll und mir schwer von der Feder geht? Am besten mit den Fakten: Aus meinen ursprünglichen 2-monatigen Semesterferien wurden 5 Tage. Die Semesterferien zwischen dem 3. und dem 4.Semester waren voll von Wiederholungen in den Fächern Anatomie, Physiologie und Biochemie. Fühle ich mich für das kommende 4.Semester gewappnet? Wohl kaum. Ausgeruht? Noch weniger. Habe ich wenigstens alle Wiederholungen bestanden?
Auch nicht. Die Anatomie und Biochemie konnte ich abhaken, die Physiologie ist jedoch immer noch ein Begleiter für mich. Und um es damit auf den Punkt zu bringen: Die angstvolle Vorstellung, das 3. Semester wiederholen zu müssen, ist eingetreten. Ich muss nun nochmal die gesamte allgemeine Neurophysiologie aufarbeiten, wieder Punkte sammeln, auf Testat-Ergebnisse warten. Muss ich mich dafür schämen? Nein. Es gibt absolut keinen Grund, dieses Gefühl aufkommen zu lassen  – und trotzdem trug ich es eine Zeit mit mir herum.

Es gab mir ein mulmiges Gefühl zu wissen, dass ich eine Ehrenrunde drehen muss und ich verfiel in Gedanke wie: Bin ich damit ein Versager? Wieso schaffe ich es nicht - wieso schaffen es andere? Ist mein Resultat ein Ausdruck dessen, dass ich vielleicht für dieses Studium einfach nicht gemacht bin?

Gedanken, die ich nicht so leicht wegschieben konnte. Gedanken, die dazu führten, dass ich mich grauenvoll fühlte, mich von meinen Liebsten abgrenzte und mich keinerlei Motivation für das nächste Semester finden ließen.

Mein liebster Freund hat mir diese Gedanken ziemlich leicht entzogen (und falls du das hier liest, ist das mein herzlichster Dank dafür) und zwar mit ein paar wahren Sätzen, die mir sehr geholfen haben:
„Bevor ich studiert habe, dachte ich immer, Repetenten sind faul oder lernen einfach zu wenig. Aber seitdem ich Medizin studiere, habe ich etwas anderes herausgefunden: Ich habe verstanden, dass es wirklich unglaublich wenig braucht, um Repetent zu werden - und eine Menge Glück, um keiner zu werden. Dass es Menschen gibt, die unglaublich viel lernen - und trotzdem Repetenten werden. Menschen, die kaum etwas lernen und sich irgendwie durch jede Prüfung durchzwängen. Repetent oder Nicht-Repetent, das sagt nichts über den Studenten aus und interessiert später eh keinen.“
Vielleicht liegt es also nicht am Mangel an Studiumstauglichkeit, dass ich eine bestimmte Punktzahl nicht erreichen konnte, so wie knapp 30% des Jahrgangs. Vielleicht liegt es einfach an den Umständen, die Art, mit Stress nicht so gut umgehen zu können, auf das falsche Bauchgefühl gehört zu haben und einfach Pech gehabt zu haben.

Gerade durch das Durchfallen in Prüfungen, habe ich gelernt, mich auf mich selbst zu konzentrieren und nicht darauf, was andere von mir denken könnten. Denn um ehrlich zu sein: 90% der Menschen machen sich über einen sowieso keine Gedanken und auf die anderen 10% kann man verzichten, wenn sie schlechtes über einen denken.

Repetent zu sein heißt nicht, versagt zu haben. Es ist keine Blamage, sondern einfach nur menschlich.
Für mich eine Erfahrung, aus der ich gelernt habe: Leistungen definieren nicht meine Person. Es ist wichtig, dass ich mir meine Schwächen eingestehe und meine Gesundheit der Nachtschicht vorziehe. Familie, Freunde und Gesundheit sind viel wichtiger im Leben – Prüfungen können wiederholt werden.

 

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