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  • Catharina Nitsche
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  • 10.10.2014

Medizin studieren in Deutschland – Regel oder Modell? Das ist hier die Frage.

Modell- oder Regelstudiengang? Diese Frage stellt sich sicher jeder potenzielle Medizinstudent bei der Bewerbung. Hier ein Leitfaden durch den Dschungel der Hochschullandschaft.

 

Fragezeichen - Foto. Stauke - Fotolia

Wer Medizin studieren will, muss sich zwischen Regel- und Modellstudiengang entscheiden. Foto: Stauke/Fotolia

 

Die Frage, ob Regel- oder Modellstudiengang, ist für angehende Studenten häufig Kriterium für die Wunschuni. Heute gibt es nicht nur diese Unterscheidung, sondern auch Unterschiede zwischen den einzelnen medizinischen Fakultäten, wie sie den Studiengang Medizin gestalten. So ist der Modellstudiengang in Aachen anders aufgebaut, als zum Beispiel in Oldenburg. Um bei dieser Vielfalt trotzdem den Durchblick zu behalten, helfen ein paar wichtige Informationen.

 

Der Regelstudiengang

Den klassischen Aufbau des Studiengangs Medizin beschreibt man als Regelstudiengang. Hier wird konform nach der Approbationsordnung geprüft und das Studium teilt sich klar in Vorklinik (Semester 1-4) und Klinik (Semester 5-12). Der Vorklinische Teil wird mit dem Physikum abgeschlossen.

 

Der Modellstudiengang

Um 1990 forderten immer mehr Studenten mehr Praxisbezug im Studium. Medizinstudenten sollen neben naturwissenschaftlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten die Möglichkeit bekommen, auch soziale Verantwortung und Persönlichkeit zu entwickeln. 1988/89 fand dazu ein Streik an der Freien Universität Berlin statt. Im Laufe der Entwicklung wurden besonders für die Zeit bis zum Physikum (zum ersten Staatsexamen) Änderungen gefordert. Das ging an manchen Universitäten bis hin zur Abschaffung des Physikums und zur Einführung einer äquivalenten Leistungserhebung. Das Hammerexamen (das zweite Staatsexamen) müssen alle Medizinstudenten in Deutschland am Ende ihres Studiums ablegen.

Die erste Uni mit einer Umstellung war die Charité Berlin. Dort wurde im Wintersemester 1999/2000 der Reformstudiengang Medizin Charité Berlin angeboten. „Reform“ steht hier für Umgestaltung. In Berlin wurde aus dem Reformstudiengang später der Modellstudiengang entwickelt.

Die zwei Begriffe sind nicht scharf zu trennen. In den Anfängen konnten Studenten an einigen Unis zwischen Reform- und Regelstudiengang wählen. Der Begriff Reformstudiengang steht lediglich für die Veränderung des Curriculums. Häufig meint man mit der Bezeichnung Modellstudiengang ein Curriculum, das reformiert ist und nur in dieser Weise an der Universität für Studienanfänger angeboten wird. Jeder Modellstudiengang ist demnach ein Reformstudiengang.

 

Richtlinien für die Universitäten

Bietet eine Universität einen Modellstudiengang an, so ist sie zur Evaluation und zu festgelegter Laufzeit verpflichtet. Es handelt sich schließlich um ein Modell. Anhand der Evaluation kann eine Verlängerung der Laufzeit genehmigt werden. Es muss feststehen, in wie weit die erreichten Leistungen mit Studienleistungen im Regelstudiengang vergleichbar sind. Jeder Student muss sich zu Studienbeginn eines Modellstudiengangs mit der Modellstellung einverstanden erklären. Wie ein Modellstudiengang heute verwirklicht werden darf, wird in der Approbationsordnung für Ärzte in § 41 genau vorgeschrieben.

 

Der Modellstudiengang in Oldenburg

Im Oldenburger Modellstudiengang gibt es keine zwei oder drei Jahre, die auf eine erste große Prüfung wie auf das Physikum oder auf eine ärztliche Basisprüfung wie an der RWTH University Aachen vorbereiten. Über drei Jahre werden stattdessen Fragen in Klausuren gesammelt, die zusammen dem Physikum entsprechen. Klinische Themen, Forschung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen sind ab dem ersten Semester Teil des Studiums. Man spricht daher nicht von einem vorklinischen und klinischen Teil.

 

Kleines Lexikon: Klinik und Vorklinik

Was bedeutet eigentlich Klinik? Mit dem Begriff Klinik meint man den Teil, in dem man sich mit Krankheiten beschäftigt. Klinisch nennt man in der Medizin grob gesagt einen von der Norm abweichenden Zustand. Klinik heißt also nicht, dass man bereits in einem Krankenhaus als Arzt tätig ist. Vorklinik beschreibt in einem Regelstudiengang die Vorbereitung auf den klinischen Teil. Man lernt Grundlagen, die gebraucht werden, um Krankheiten und klinische Themen zu verstehen. In der Regel wird jedes grundlegende Fach separat durchgenommen. Dazu gehören unter anderem Anatomie, Physiologie, aber auch Chemie und Physik.
Das bedeutet nicht, dass diese Grundlagen in einem Modellstudiengang fehlen. Hier ist der Lehransatz vergleichbar mit einer Lernspirale. Man arbeitet sich immer tiefer in den Stoff ein und verknüpft von Beginn an verschiedene Fächer. Zur Vertiefung finden in Oldenburg ab dem ersten Semester regelmäßig Hospitationen bei Ärzten statt, damit du das Gelernte direkt anwenden kannst.

 

Die Antwort auf die Frage

Veränderungen im Medizinstudium findet man überall in Deutschland.
Welche Art zu Lernen dir am besten liegt und wo du gute Zugangsvoraussetzungen hast, kannst nur du selbst herausfinden. Nicht unwichtig ist zu wissen, dass ein Studienortswechsel zu oder von einem Modellstudiengang weg in der Regel durch die Unterschiede zu Zeitverlust führt.

Für interessierte Medizinstudenten, die sich bei dieser Fragestellung engagieren wollen, gibt es die Möglichkeit, bei der lokalen Fachschaft nachzufragen oder bei einer Mitgliederversammlung (MV) der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) die AG Medizinische Ausbildung zu besuchen. Die Gesellschaft für medizinische Ausbildung (GMA) beschäftigt sich mit Aus-, Weiter- und Fortbildung in der Medizin. Studierende können die jährliche Tagung besuchen und eine Mitgliedschaft abschließen.

Hier geht's zur bvmd

Hier geht's zur GMA

 

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