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  • Catharina Nitsche
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  • 02.01.2014

Goedendag! Medizin studieren in Oldenburg und Groningen

In ganz Deutschland ist das Medizinstudium im Wandel. Viele Universitäten haben den Medizinstudiengang umstrukturiert und einen Modellstudiengang eingeführt, um die Inhalte praxisorientierter zu gestalten. Im Jahr 2012 wurde die Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften in Oldenburg gegründet und das Studium in Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden praxisorientiert strukturiert. Catharina Nitsche erzählt euch, wie das Studium im ersten Jahr aufgebaut ist.

An der Fakultät in Oldenburg ist ein Semester in zwei Module aufgeteilt, die jeweils nach einem großen Thema ausgerichtet sind. Das erste Modul im ersten Semester behandelt den Bewegungsapparat. Jede Woche startet mit einem Patientenfall im Patientenkolleg am Mittwoch, zu der ein Arzt seinen (echten) Patienten mitnimmt und dieser sich allen Fragen der Studenten stellt.

Danach stehen Vorlesungen der Fächer Physiologie, Chemie, Physik, Anatomie, Histologie, Psychologie, auch klinische Fächer wie Pathologie und Allgemeinmedizin und Untersuchungskurse auf dem Stundenplan. Alle Themen sind auf das Modulthema abgestimmt und werden in den sogenannten POL-Kursen am Ende der Woche vertieft.  

POL bedeutet problemorientiertes Lernen, das Problem stellt ein konstruierter Patientenfall dar. Anhand dieses Falls entwickeln die Studenten selbstständig Lernziele, die sie sich gegenseitig an einem weiteren Treffen präsentieren. Die Lernziele gehen über den Pflichtstoff für die Prüfungen hinaus und ermöglichen den Einblick in weiterführende Themengebiete wie z.B. Naturheilverfahren. Jeden zweiten Freitag geht es dann für die Studenten in einem von der Uni organisierten Bus nach Groningen. Dort wird der Lernstoff im Fach Anatomie im anatomischen Institut der Universität in Groningen an Präparaten wiederholt und vertieft.

Das Fach Allgemeinmedizin, die Untersuchungskurse und fachübergreifende Themen wie das Gesundheitssystem und Schweigepflicht bereiten auf das Allgemeinmedizinpraktikum am Ende des ersten Moduls vor. Währenddessen durften die Studenten den Lehrarzt in seiner Praxis begleiten, eigenständig Patienten befragen und untersuchen. Bei der Besprechung der Ergebnisse mit dem Lehrarzt können die Studenten ihre praktischen Fertigkeiten überprüfen und verbessern. Ein niedergelassener Hausarzt kann sich als Lehrarzt bewerben und nach Vorbereitung durch die Universität von den Studenten als Praktikumsort ausgesucht werden.  

Ein Praktikum findet immer am Ende eines Moduls über eine Woche statt. Ein Teil dieser Praktika darf von den Studenten selbst gewählt werden. So kann jeder seine Berufsvorstellung in der Realität testen – egal ob als Kinderarzt, Medizinjournalist oder Gutachter. Die Einbindung von praktischen Teilen ist damit bereits am Anfang des Studiums sichtbar. Es sind Themen im Curriculum verankert, die die Studenten auf die Berufsrolle vorbereiten sollen. Dazu finden mehrmals im Semester Treffen unter Anleitung von Coaches statt, bei denen ethische Themen diskutiert und medizinische Artikel aus den Medien besprochen werden.  

Die Größe von etwa 40 Studenten in einem Semester ermöglicht eine persönliche Lernatmosphäre. Was es heißt, an einer großen Uni mit deutlich mehr Kommilitonen zu lernen, werden die Studierenden in mindestens einem Jahr an der Partneruniversität in Groningen erleben. Denn laut Studienordnung muss ein Jahr in der Partnerstadt studiert werden. Die Veranstaltungen finden dort auf Englisch oder auf Niederländisch statt. Studieren in Oldenburg bedeutet also praktisches, reflektiertes und internationales Lernen.  

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