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  • Bericht
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  • Catharina Nitsche
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  • 19.07.2016

Medizin studieren mit Kind

Das Medizinerleben lässt wenig Zeit für Kinder. Darum raten gerade Ärztinnen immer öfter Medizinstudentinnen dazu, Kinder während der Studienzeit zu bekommen. Aber was bedeutet es wirklich, mit einem Kind Medizin in Vollzeit zu studieren?

Es ist 5.30 Uhr. Montagmorgen. Vor der Vorlesung ist Marias Liste lang: Duschen, Zähne putzen, Anziehen, Frühstücken, Tasche packen, den Elektriker für morgen absagen und ein kurzer Blick über die Tageszeitung. Fast alles zweimal, denn Maria ist die Mutter von Lisa, 5 Jahre alt.

Nach dem Kampf um das Schuhe und warme Jacke anziehen, übergibt Maria Lisa an Jochen, ihren Mann, der sie weiter zur Tagesmutter ein paar Straßen weiter bringt. Sie selbst geht nun mit ihrem Hund Bello eine halbe Stunde spazieren, bevor sie das Praktikumsskript für heute Nachmittag überfliegt. Um 8.15 Uhr fährt sie mit dem Auto zur Uni und kommt pünktlich um 8.45 Uhr zur Vorlesung. Wie in einer anderen Welt angekommen, schnappt sie das Gespräch von Kommilitonen über die letzte Studentenparty auf.

In der Mittagspause ruft sie schnell ihre Schwiegermutter an. Morgen Nachmittag fällt die Tagesmutter aus und sie muss einen Ersatz besorgen. Zu der Zeit morgen steht ein Problemlöse-Seminar auf dem Stundenplan, dass sie nicht verpassen darf. Jochen hat ein Meeting und kann nicht eher nach Hause kommen.

Am Abend zu Hause angekommen genießt die kleine Familie das gemeinsame Abendessen. Nachdem Lisa eingeschlafen ist, bearbeitet Maria den Studienstoff dieser Woche. Morgen fährt sie nicht zu den Vorlesungen vor dem Seminar. Sie bereitet den Teil von zu Hause aus für die Prüfung vor. Dann bleibt noch etwas Zeit, ihrer Freundin zum Geburtstag zu gratulieren. Nach der nächsten Prüfung wollen sie sich auf jeden Fall mal wieder treffen.

 

Die Universität und das Studium


An der Uni Oldenburg gibt es in jedem Jahrgang des Medizinstudiengangs eine oder sogar mehrere Mütter oder Väter von Kindern im Kleinkind- und Schulkindalter.
Wie alle Studenten müssen sie die Anwesenheit an Pflichtveranstaltungen vorweisen. Das kann zu terminlichen Schwierigkeiten führen, die ein kinderloser Student oder eine kinderlose Studentin vielleicht nicht hat.
Da die Vorlesungen den Großteil der Veranstaltungen in den ersten drei Jahren ausmachen und diese nicht verpflichtend sind, kann ein Großteil des Studienstoffs zu Hause im Selbststudium gelernt werden. Über das Online-Netzwerk Stud.IP der Universität können sich alle Studenten über die neusten Protokolle der Fachschaftssitzungen, Stundenpläne und ausfallende Veranstaltungen informieren. So kann man trotz Abwesenheit auf dem Laufenden bleiben.
Es bietet sich an im Vorfeld zu klären, ob man als Mutter oder Vater zu dem Auslandsjahr in Groningen verpflichtet ist wie jeder Student in Oldenburg.

 

Die Betreuung des Kindes


Das Studentenwerk Oldenburg betreibt eine KiTa direkt auf dem Campus und an der Huntemannstraße. Viele Studierende bringen ihre Kinder auch bei Tagesmüttern in der Nähe ihres Wohnorts unter.
Zudem gibt es in Wechloy eine Studentenselbsthilfe – Kindertagestätte. Daneben kann man sich bei der Stadt über weitere Möglichkeiten zur Kinderbetreuung in Oldenburg informieren.
Für eine Ferienbetreuung wird ebenfalls gesorgt.

 

Unterstützung und Austausch


In regelmäßigen Abständen findet ein Eltern-Kind-Café statt, dass studierenden Müttern und Vätern die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen. Egal ob Fragen zu Mobilität, Studienalltag, Urlaubssemester für die Zeit des Mutterschutzes oder die nächsten Wickelräume. Im Austausch mit anderen Eltern lassen sich Ideen für Lösungen finden: https://www.uni-oldenburg.de/kinderbetreuung-weitere-angebote/


Die AG Uni-Eltern in Oldenburg veranstaltet neben dem Café auch Infoabende. Hier werden Finanzierungsmöglichkeiten, Ansprechpartner und Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt und Fragen beantwortet.

Zusammen toben können die Kleinen nicht nur in den KiTas. Die AG bringt die Kinder und Eltern hin und wieder zum Sporteln zusammen.


Studieren mit Kind erfordert sicherlich einiges an Organisationstalent. Aber mit Unterstützung und Mut kann man beides gut bewältigen.

Für weitere Informationen: https://www.uni-oldenburg.de/dezernat1/personalplanung-und-projekte/familiengerechtehochschule/studieren-mit-kind/

 

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