Zurück zu Münster
  • Artikel
  • |
  • Text u Bild Melanie Poloczek
  • |
  • 25.02.2019

Lerntipps Pharmakologie – Vorhang auf fürs Pharma-Drama

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage - oder fragen Sie einen angehenden Mediziner. Ist das Physikum erstmal bestanden, steht mit Pharmakologie das nächste große P-Wort bevor. Damit du weißt, was auf dich zukommt, gibt es hier den Beipackzettel rund ums Fach Pharmakologie.

 

 

1. Was sind LERNTIPPS PHARMAKOLOGIE und wofür werden sie angewendet?
Egal, ob Krankenhausdasein, eigene Praxis, Forschungskarriere oder Medizinjournalismus - an Medikamenten, und von diesen gibt es nicht nur viele, sondern täglich eine Handvoll mehr, wirst du nicht vorbeikommen. Kaum ein Fach im Medizinstudium ist für alle Mediziner so gleichermaßen relevant wie die Pharmakologie. Dabei ist das Pauken hierfür ein wenig wie Vokabellernen in der Schule, mit dem Unterschied, dass sich hinter jedem Medikament keine einfache Übersetzung, sondern ein ganzer Faktenkatalog verbirgt: Stoffklasse, Mechanismus, Kinetik, Nebenwirkungen, Indikationen - damit das Pharma-Drama nicht in einer Tragödie endet, empfiehlt sich die Anwendung erprobter Lerntipps.

2. Was sollten Sie vor der Anwendung von LERNTIPPS PHARMAKOLOGIE beachten?
Das Fach Pharmakologie steht kurz bevor oder ist bereits in vollem Gange, die zugehörige Prüfung lässt nicht mehr lange auf sich warten? Höchste Zeit also, Ordnung in das Wirkstoffchaos zu bringen. Hilfreich ist es, die Zahl der Lernquellen von Beginn an einzugrenzen. Ein gutes Lehrwerk enthält bereits so viele Informationen, dass es allenfalls panikstiftend wäre, fünf Bücher gleichzeitig zu durchforsten. Übersichtlicher kann es sein, ein Lehrwerk als Grundlage zu verwenden und das daraus gezogene Wissen mittels anderer Quellen nur zu ergänzen. Dabei sollten nicht nur Bücher zum Einsatz kommen (erst recht nicht die Schmöker von Großvater, der vielleicht auch mal Medizin studiert hat), da Medikamente und die zugehörigen Richtlinien einer rasanten Entwicklung unterliegen und eine gewisse Aktualität unverzichtbar ist. Anatomie ändert sich nicht, Pharmakologie schon, erweitert sich zumindest. Online Lernportale, aber auch Online Enzyklopädien sind dankbare Helfer - das ein oder andere Medikament muss erst fünfmal nachgeschlagen werden, bevor es die Buch-Hirn-Schranke passiert.

3. Wie sind LERNTIPPS PHARMAKOLOGIE anzuwenden?
TABELLENTAKTIK
Schon ein kurzer Blick ins Buch verrät: Es bieten sich Tabellen an. Auch nach langen Textpassagen werden Pharmaka in der Regel tabellarisch noch einmal zusammengefasst - das ist nicht nur übersichtlich und erleichtert später das Nachschlagen (sowohl vor als auch nach bestandener Klausur), sondern gibt dir bereits eine Steilvorlage für eine eigene Tabelle, solltest du nicht der Lerntyp sein, der sich mit dem bloßem Lesen vorhandener Lehrbüchern begnügt.
Waren es in der Schule noch Vokabelhefte, die das Fremdsprachenlernen erleichtert haben, reichen eine linke und eine rechte Spalte fürs Pharmalernen nicht ganz aus. Dennoch, wer sich einmal eine sinnvolle Gliederung für seine Tabelle überlegt hat, der kann in diese so gut wie jedes Medikament eintragen, das ihm im Studium über den Weg laufen wird.
Die Tabelle könnte zum Beispiel aus den folgenden fünf Spalten bestehen: 1. Wirkstoff (der Freiname also, gegebenenfalls auch der gängige Handelsname), 2. Wirkmechanismus, 3. Pharmakokinetik/Indikationen, 5. Unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen, 6. Sonstiges (etwa Besonderheiten, Wechselwirkungen). Hier siehst du einen Auszug aus meiner Pharma-Tabelle, die dementsprechend aufgebaut ist:

 

 

Es ist ratsam, die Tabelle nicht handschriftlich, sondern über ein Computerprogramm zu erstellen. Der Erfahrung nach wirst du einzelne Zellen immer wieder und wieder ergänzen, sodass anfangs noch gar nicht abzuschätzen ist, an welcher Stelle wieviel Platz gelassen werden sollte. Auch kann eine Datei problemlos mit anderen geteilt werden - so kann jedes Mitglied einer Lerngruppe Zugriff auf die Tabelle haben, für die Eintragung einer bestimmten Medikamentengruppen zuständig sein (geteiltes Leid ist halbes Leid) oder die Tabelle bei Gelegenheit ergänzen. Und falls du Tabellen zwar zum Nachschlagen, nicht aber zum Auswendiglernen geeignet findest, kannst du sie in Programmen wie Excel auch relativ simpel in ein Lernkartenformat umformatieren und so deine eigenen Karteikarten ausdrucken.
Du selbst könntest dabei so vorgehen, dass du die Tabelle, wie oben angesprochen, mithilfe deines Hauptlehrwerks bestückst (dessen Tabellen übernimmst, falls welche vorhanden sind, oder Informationen aus dem Fließtext hinzufügst) und anschließend Wissen aus Vorlesung, Internet, Kommilitonengesprächen und Co ergänzt.

LERNKARTEN
Der Markt für Medizinlehrmittel ist riesengroß, und natürlich sind in Buchhandlungen bereits fertige Pharma-Lernkarten erhältlich. Auf diesen stehen mindestens so viele Informationen wie in einem Kurzlehrbuch, weshalb ich sie - für Lernkarten - zu überladen finde. Was Pharmakologie angeht, haben Lernkarten für mich einen anderen Nutzen: Nämlich das bloße Zuordnen von Medikamentennamen zu einer Wirkstoffgruppe. Oft kann man einem Präparatnamen –  in Anbetracht der Menge an Präparaten - gerade keinen Wirkmechanismus zuordnen: „Rivaroxaban? – schon mal gehört. Die Wirkung? Schon wieder vergessen.“
Es folgt ein Nachschlagen, ein „Ah ja, stimmt, das war’s“ und mit etwas Pech wird am nächsten Tag der gleiche Name wieder in die Suchmaschine eingegeben.
Das Schwierige am Pharmalernen ist also nicht nur das Behalten diverser Details (von denen man im klinischen Alltag bei Bedarf ohnehin viele nachschlagen wird), sondern das Zuordnen von Pharmaka. Wer einen Wirkstoffnamen hört, sollte primär wissen, was dieser macht, ehe er, sekundär, sämtliche Details zur Verstoffwechselung auf Lager hat.
Ich habe vor der Klausur Karteikarten beschrieben: Auf einer Seite der Freiname (im oberen Fall „Rivaroxaban“), auf der anderen der Wirkmechanismus („Faktor Xa-Hemmer“). Wer eine Pharmatabelle über Excel angelegt hat, kann Lernkarten wie angesprochen auch einfach ausdrucken und dabei die Spalten auswählen, die auf der Lernkarte erscheinen sollen, und so den Informationsgehalt bestimmen, falls die Karten doch ausführlicher sein sollen.

ESELSBRÜCKEN
Da wir gerade beim Thema Begrifflichkeiten sind: Auch Eselsbrücken können helfen. Viele Namen wirken willkürlich, klingen (viel zu) chemisch, oder ähnlich (etwa Abatacept und Abciximab, Eptifibatid und Eptinezumab, Relister und Resolor), wollen sich einfach nicht einprägen. Ein altbekanntes Problem aus der Vorklinik, in der mir Eselsbrücken auf meiner Reise durch den Kreislaufdschungel zum Biochemieschein verholfen haben. Meine drei liebsten Pharma-Gedächtnisstützen sind die folgenden:

1. Ein depressives Paar zittert sehr flugs (SSRI: Escitalopram, Paroxetin, Citalopram, Sertralin, Fluvoxamin)
2. Der Adel zerteilt sein Etat und fährt im Flixbus ins Alpha-Gebirge (TNFa-Inhibitoren: Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Infliximab)
3. Muskelbepackte, alkoholtrinkende G.I.s bewachen die Statue of Fibraty (UAW der Statine und Fibrate: Rhabdomyolyse, Hepatotoxität, GI-Störtungen).
Weitere Eselsbrücken, auch für andere Klinikfächer, findest du hier.

4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Auch wenn die vorgestellten Lerntipps das Wissen übersichtlich und kompakt zusammenfassen: Die Höhe des Lernkartenstapels und die Tabellen-Seitenzahl können Stress auslösen, vor allem in Verbindung mit dem Risikofaktor „Wenig Zeit bis zur Klausur“. Patienten der „Risikogruppe Prokrastination“ ist also eine frühzeitige – und kontinuierliche – Anwendung der LERNTIPPS PHARMAKOLOGIE zu empfehlen.

5. Wie sind LERNTIPPS PHARMAKOLOGIE aufzubewahren?
Um sich nicht gegenseitig das Leben schwer zu machen, ist es ratsam, im eigenen Semester als Agonist zu wirken, sein Wissen, vielleicht auch seine Tabelle, zu teilen, Kommilitonen zugänglich zu machen, gemeinsam daran zu arbeiten - Stichwort additive Wirkung - und so nicht nur in Gedanken an eine bevorstehende Klausur zu handeln, sondern auch zum Wohle späterer Patienten, die schließlich vom Pharmawissen profitieren sollen.

6. Weitere Informationen
Mit dem ein oder anderen Lerntipp im Hinterkopf heißt es nun: Vorhang auf fürs Pharma-Drama, und Viel Erfolg für die Klausur – das schaffst du schon!

Mehr zum Thema

Anleitung: Studieren mit dem iPad – Lernzettel, Apps und Zubehör

Artikel: Famulatur auf der Palliativstation

Artikel: Alles Einbildung - Wenn aus Medizinern Hypochonder werden

Schlagworte