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  • Kommentar
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  • Marlen Lauffer
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  • 24.04.2014

Über die Abneigung zwischen der LMU und TU München

Die LMU und TU München zählen zu den größten und renommiertesten Universitäten in Deutschland. Nach außen hin zeigen sie sich von ihrer besten Seite, doch hinter der Fassade sieht es ganz anders aus. Warum nur?

 

Tauziehen - Foto: istockphoto/Alvaro Heinzen

Foto: istockphoto/Alvaro Heinzen  

 

Seit Jahren schon herrscht eine Abneigung der Universitäten TU und LMU München gegeneinander. Ursprung: unbekannt. Meist äußert sich dies nur in Witzchen über das Gegenüber oder unnötigen Kommentaren, doch es kann auch das Studium in negativem Sinne beeinflussen. Eine Geschichte.

Nennen wir sie Ludwig und Theo und sagen lässt sich, dass diese beiden nicht die besten Freunde sind, niemals wirklich waren und auch in Zukunft wohl nicht sein werden.

Wann der Streit, oder besser die Abneigung gegenüber dem jeweils anderen angefangen hat, das weiß wohl niemand mehr so recht, wie es eben bei alten Fehden ist, die werden aus Tradition weitergeführt. Dabei gäbe es doch eigentlich gar keinen Grund, zumindest aus Sicht der Untertanen, diese Streitigkeiten beizubehalten, denn zumindest für die über 86.000 Anhänger beider Parteien kann dies nur von Nachteil sein.

Aber mal ganz von Anfang: Ludwig und Theo, das sind zwei der großen Gutsherren im Raum München; ihre Hauptsitze keine zwei Kilometer voneinander entfernt. Während es sich Ludwig mit einem Großteil seiner Besitztümer im Norden Münchens gemütlich gemacht hat, pflegt Theo einige Hektar Land im Süden der Stadt sowie im Bereich Freising und kann hier sogar eine Brauerei sein Eigen nennen. Bereits 1826 zog es Ludwig nach München, heute regiert er, neben einigen Tausend fleißigen Arbeitern, über erstaunliche 50.000 Untertanen, die in über 200 verschiedenen Arbeitstechniken ausgebildet werden. Theo hingegen kam erst 1868 nach München und kann bis heute nur 36.000 Untertanen zu seinem Gefolge zählen. Er weiß diese in 150 verschiedenen Arbeitstechniken auszubilden. Beide zählen sie zu den besten Gutsherren in Deutschland, ja gar europaweit und weltweit sind ihre Namen bekannt.

Doch aller Ruhm und alle Ehre hindert die beiden nicht daran, den jeweils anderen möglichst häufig schlecht darzustellen. Ziemlich schnell am Anfang der Karriere eines jeden einzelnen Untertanen wird dies deutlich. Geht es zunächst um die Entscheidung, welchem der Gutsherren man sich anzuschließen hat, findet jeder der fleißigen Arbeiter genug Gründe, wieso es unter dem seinen Gutsherren so viel besser ist als unter dem ungeliebten Nachbarn.  Ist einmal die Entscheidung gefallen, wird diese so gut wie niemals mehr rückgängig gemacht. Jeder Untertan gehört nun zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, zum Feind gewechselt wird nicht. Selbst die Willkommensrede zur Begrüßung der neuen Untertanen des Gutsherren Theo, die jedes Jahr vom obersten Verwalter des Hauses getätigt wird und in der allzu deutlich darauf aufmerksam gemacht wird, sich für den richtigen Gutsherren entschieden zu haben, wird belächelt und nicht für ernst genommen. Ist das alles noch spielerisch, werden Witze über die Anderen gemacht, ironische und sarkastische Kommentare einander zugeworfen oder gar Schneeballschlachten gegeneinander geführt, dann lassen sich hier kein Probleme sehen.

Doch diese existieren und beeinflussen die Ausbildung der Untertanen, denn wenn sich zwei streiten, dann leiden die Dritten. So kommt es, dass für das Studium notwendige Praktika nicht bei dem jeweils anderen Gutsherren absolviert werden dürfen, bzw. ist dies schon geschehen, werden sie nicht anerkannt. Unabhängig davon wie gut die jeweiligen Institute sind, wie renommiert der Lehrstuhl und ob die dort getätigten Arbeiten die gleichen sind, wie sie beim eigenen Gutsherren zu finden wären. Anerkannt werden Praktika bei den Gutsherren Helmholtz, Fraunhofer, Max-Planck etc., sobald jedoch ein Theoraner bei Ludwig arbeiten möchte, wird dies strikt abgelehnt. Gleiches gilt für den seltenen Fall, dass ein Untertan seinen Gutsherren wechseln möchte und bereits einen Teil seiner Ausbildung absolviert hat. Mit größter Mühe gelingt es ihm, diesen Teil der Ausbildung auf die Ausbildung unter dem neuen Gutsherren anerkennen zu lassen und häufig nur unter der Auflage, einige der Teilarbeiten nachzuholen, wo sich doch die Ausbildungen stark ähneln und häufig identisch sind. Dies zeigt sich daran, dass einige der fleißigen Mitarbeiter, welche für die Ausbildung der Untertanen zuständig sind, den Gutsherren wechseln und auf der anderen Seite beginnen, die Untertanen auszubilden, meist mit den gleichen Methoden wie sie es zuvor auch schon getan haben. All dies sind Umstände, die bei den Untertanen auf wenig Verständnis, ja gar Unverständnis, stoßen. Sie selbst haben die Streitigkeiten nicht hervorgerufen und eigentlich sind sie ihnen auch ziemlich egal. Sicherlich, ein kleiner Witz hier, und ein unnötiger Kommentar da, führen zu einigen Lachern und tun niemandem weh und jeder weiß um die Natur der Scherze. Doch irgendwo ist der Spaß vorbei und das Unverständnis und der Unmut überwiegen.

Und deshalb mein Plädoyer an euch - Ludwig und Theo-, hört auf mit den Streitereien, werdet erwachsen und benehmt euch auch so! Ein Konkurrenzkampf um die besten eurer Untertanen ist verständlich und auch gewollt, aber auch hier gibt es Grenzen und die sind dann erreicht, wenn die Untertanen nicht mehr die Ausbildung genießen dürfen bzw. können, die sie verdient haben. Nicht mehr die Arbeitsgruppen kennenlernen dürfen, nur weil sie einem anderen Gutsherren unterstehen ist nicht gerecht und es sind die vom Ausbildungsplan vorgeschriebenen Praktika, die die vorlesungsfreie Zeit in Anspruch nehmen und die die einzige Möglichkeit während der Ausbildung bieten in Arbeitsbereiche hinein zu schnuppern, in denen man später vielleicht einmal arbeiten möchte. Lasst euren Untertanen diese Freiheit und beendet eure Streitereien, zum Wohle aller.

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