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  • Marlen Lauffer
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  • 14.08.2012

Mallorca-Urlauber im Hörsaal

Urlaubsgewohnheiten sind schön und gut, solange sie nur im Urlaub ausgelebt werden. Doch werden sie auch im Alltag nicht abgelegt, kann dies die Mitmenschen durchaus zur Verzweiflung bringen. So hat das Handtuch der Mallorca-Urlauber im Hörsaal leider nix verloren, auch wenn das manche nicht so ganz einsehen wollen.

Neulich postete eine Freundin auf Facebook ein Bild von ihrem Mallorca-Urlaub, auf dem mit Handtüchern belegte Liegestühle zu sehen waren. Urlauber waren weit und breit keine zu sehen - es war schließlich auch erst sieben Uhr morgens.

Doch wer kennt sie nicht, diese Menschen, die in aller Frühe aufstehen, schnell ihr Handtuch über den besten Liegestuhl am Pool werfen, um danach wieder im Bett zu verschwinden? Ausgeruht und gut gelaunt kommen sie dann gesättigt einige Stunden später zurück und legen sich auf ihren "wohl verdienten" Platz am Planschbecken. Dies geschieht zum Leidwesen der anderen Hotelbewohner, deren Wecker heute nicht rechtzeitig geklingelt hatte.

Alles kein Problem, denkt man sich. So ein Urlaub ist schnell vorüber und im Alltag trifft man auf ein solches Verhalten nicht, das bleibt schließlich auf der Insel zurück.

Ein Irrglaube, wie ich am eigenen Leib erfahren musste. Denn seit Neuestem werden diese Gewohnheiten aus dem Urlaub mit in die Heimat gebracht und dort ausgelebt. Ein Verhalten, das hierzulande nicht immer auf Verständnis trifft.

 

Damit die Oma ihren Enkel auch schön sieht

Es war die letzte Weihnachtsfeier meines Turnvereins und die Generalprobe für die kommende Aufführung gerade voll im Gange, als einige Eltern bereits die Halle stürmten.

Nachdem sie höflich drauf aufmerksam gemacht wurden, dass noch kein Einlass sei, teilten sie uns mit, dass man nur mal schnell seine Jacke auf einen Platz legen wolle, um diesen für später zu reservieren. Selbstverständlich nur alleine deswegen, damit die Oma ihren Enkel auch gut sehen könne.

Weil über hundert Kinder ganz schön viele Omas haben, blieb dieses Elternpaar nicht das Einzige und so ergab es sich, dass bereits eine geraume Zeit vor dem Einlass die Plätze in der Mitte der vordersten Reihen belegt waren.

Dieses Verhalten ist zwar nicht lobenswert, aber irgendwo noch nachvollziehbar - ich meine, wer freut sich nicht, wenn Mama, Papa, Opa und Oma einem zujubeln?

 

Der Kampf um die "1.Klasse"

Durch die Überzahl an Studenten gibt es schon länger nicht mehr genügend Sitzplätze in den Hörsälen, sodass an einigen Stellen in den Ecken Bierbänke aufgestellt werden mussten, damit alle einen Platz bekommen.

Normalerweise klärt sich ein solches Problem relativ schnell von selbst innerhalb der ersten zwei bis vier Wochen nach Semesterbeginn. Denn dann geht sowieso fast niemand mehr in die Vorlesung und die Bierbänke werden überflüssig. Nicht so, wenn die Dozenten weder Folien noch ein Skript für die Studenten zur Verfügung stellen und alles Klausurrelevante tatsächlich alleine in der Vorlesung besprochen wird.

Der Student sieht sich also gezwungen, brav in die Uni zu marschieren und den Vorlesungen beizuwohnen. Alles soweit nicht problematisch, gäbe es da nicht die zuvor erwähnten Platzprobleme und die doch wirklich sehr unbequemen Bierbänke.

Doch was ist ein Problem ohne seine Lösung? Einfach zeitig aufstehen, eine U-Bahn früher nehmen und schon sieht man sich mit einem Platz in der "1. Klasse" belohnt. So zumindest der Masterplan.

Hat leider nicht funktioniert, wäre auch zu einfach gewesen, denn schließlich sind alle anderen auf dieselbe Idee gekommen. Einige wenige sind sogar noch früher aufgestanden und haben ganz sorgfältig Jacken und Taschen auf den Plätzen deponiert und diese für ihre Freunde belegt, die, wie es sich nicht anders vermuten lässt, erst kurz nach Vorlesungsbeginn gemütlich in den Hörsaal latschten. So verhielt es sich Woche für Woche, wobei sich die "Platzbesetzer" in ihrer Reihenfolge abwechselten. Damit schließlich jeder mal ausschlafen kann.

 

Wie die harmlose Stofftasche zur Falle wurde

Eines Morgens, ich konnte es gar nicht fassen, waren noch Plätze in der letzten Reihe frei. Lediglich eine Stofftasche mit einem Collegeblock lag auf dem Tisch, Jacken und andere Anzeichen einer bereits irgendwo im Haus anwesenden Person konnten nicht ausfindig gemacht werden.

Die Tasche konnte also genauso gut vergessen worden sein und so erhielt ich endlich den mir ersehnten Platz in der "1. Klasse".

Die Freude über diesen Aufstieg hielt nicht allzu lange an, denn nachdem die Vorlesung bereits voll im Gange war und ich es mir schon 30min auf meinem Stuhl gemütlich gemacht hatte, musste ich mich als unsozial und unverschämt beschimpfen lassen.

Die Stofftasche hatte tatsächlich einem "Platzbesetzer" gehört, der erst einmal noch frühstücken gegangen war, um sich danach den restlichen Teil der Vorlesung anzuhören. Wutentbrannt erklärte er mir und den anderen Mitstudenten in der Reihe, was für schlechte Menschen wir seien und das unser Verhalten ja mal ganz und gar nicht korrekt sei.

Das Angebot, ihm einen Platz freizumachen und sich doch mit der Bierbank zu begnügen wurde heftigst abgelehnt und mit bösen Blicken kommentiert.

 

Eine Angewohnheit, die man getrost im Urlaub lassen darf

In diesem Moment wünschte ich mir sehnlichst, dass das Verhalten der Mallorca-Urlauber in eine Kiste verpackt und auf der Insel ganz tief begraben würde.

Wie die Liegestühle in der ersten Reihe am Pool, sind auch die Sitzplätze im Hörsaal hart umkämpftes Gut. Doch auch in der Uni ist es nicht allzu gerne gesehen, dass manche meinen, ihre Plätze schon im Voraus besetzen zu können, um dann nicht pünktlich zur Vorlesung erscheinen zu müssen.

Zum Glück hat die Uni bereits reagiert und für größere Hörsäle gesorgt. Mir bleibt somit nur noch die Hoffnung, ab sofort mit keinem Mallorca-Urlauber mehr in Konflikt zu geraten. Es ist schließlich ein eigenartiges Völkchen mit Regeln, die ich bis heute nicht wirklich begreifen mag.

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