Zurück zu München TU
  • Artikel
  • |
  • Clara Schilling
  • |
  • 20.03.2019

Eine Lektion für den Arzt des 21. Jahrhunderts

Wie sieht die Zukunft des Arztes aus? Wie stark wird künstliche Intelligenz den OP bestimmen? Und wie können Studierende sich am besten darauf vorbereiten? Clara hat sich mit diesen Fragen beschäftigt.

Oft machen wir uns Gedanken über die Zukunft, verwenden viel Zeit darauf Pläne zu machen, wann welche Famulatur, wo welches PJ-Tertial, welche Fachrichtung hat gute Perspektiven und so weiter. Doch wie sieht die Rolle des Arztes und der Medizin in der Zukunft aus? Wie wird sich der Gesundheitssektor entwickeln? Um diese Fragen kümmert sich der israelische Bestseller Autor Yuval Noah Harari in seinem neuen Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“.

Harari, 1976 geboren, ist Historiker und lehrt an der Universität in Jerusalem. Nach seinen beiden Bestsellern „Homo Sapiens“ und „Homo Deus“, wurde im Sommer 2018 sein neues Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Es handelt davon, wie sich unsere Welt und Zivilisation im 21. Jahrhundert verändern wird, gibt Denkanstöße dazu und spricht auch Lösungsansätze an. Künstliche Intelligenz ist dabei ein großes Thema. Mehrere Seiten widmen sich im Buch dabei der Entwicklung des Medizinsektors.

Worin Maschinen Meister sind ist das Verarbeiten, Speichern und Anwenden von Schemata. Genau diese Fähigkeit ist häufig im Alltag des Arztes gefordert: Symptome und Erfahrung zu einer Diagnose zu kombinieren. Diese Aufgabe wird auf kurz oder lang vermutlich von Maschinen ersetzt werden. In Ambulanzen beispielsweise wird man seine Symptome in Programme eingeben können und künstliche Intelligenz wird feststellen, was dem Patienten fehlt. Oder auch in der Chirurgie werden Roboter die Operateure immer weiter ablösen. Der Roboter wird, wie es heute schon oft der Fall ist, nicht mehr nur dem Arzt assistieren, sondern selbstständig in der Lage sein zu operieren und wird dabei jede Naht und jeden Schnitt präziser setzen können als der Mensch.
Die Vorstellung erschreckt erst einmal, aber andererseits wird dafür viel mehr Geld und Personal zu Verfügung sein um zu forschen oder neue innovative OP Techniken zu entwickeln, was ja eigentlich auch eine tolle Entwicklung ist.
Anstatt gegen die künstliche Intelligenz zu arbeiten, ist die eigentliche Lösung für ein gutes Ergebnis zu kooperieren. Optimale Ergebnisse wird immer eine Kombination aus Mensch und Maschine erzielen können. Insofern ist diese Entwicklung sehr positiv zu sehen, wird es auf jeden Fall einen Fortschritt für die Ergebnisse und somit unser Leben bedeuten.
Negativ daran ist, dass die neuen Jobs nicht für jeden ein neues Feld bieten werden. Als Wissenschaftler zu arbeiten setzt eine bestimmte Ausbildung voraus. Wir als Mediziner können uns glücklich schätzen, haben wir doch wissenschaftliches Arbeiten zumindest in den Grundzügen gelernt und durch 6 Jahre Studium zumindest eine Basis an Wissen, auf der wir aufbauen können.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir der breite Aufbau unseres Studiums sehr sinnvoll. Sowohl in allen Fachrichtungen als auch auf verschiedenen Ebenen wie wissenschaftliches Arbeiten, lernen von Fakten oder Praktizieren menschlicher Interaktionen. Oft habe ich mich gefragt, ob eine Doktorarbeit und damit das wissenschaftliche Arbeiten unbedingt notwendig ist, wenn ich später sowieso nur klinisch tätig sein möchte. Oder ob eine Spezialisierung in einer bestimmten Fachrichtung nicht erst nach sechs Jahren Grundstudium Sinn machen würde. Aber was feststeht ist, dass sich unsere Welt und damit auch der Arbeitsalltag immer schneller wandeln und verändern werden. Damit gilt: Wer flexibel ist, eine breite Basis an Fähigkeiten hat und sich an Veränderungen anpassen kann, muss keine Angst haben, vor dem was kommt.


Harari: 21. Lektionen für das 21. Jahrhundert; C.H. Beck Verlag, 2018.

Mehr zum Thema

Artikel: War‘s das?

Tipps: 5 Lerntipps fürs Physikum

Artikel: Forschen: Zum Scheitern verurteilt?

Schlagworte