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  • Sarah Gruninge
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  • 10.04.2019

FAQ's zur Ausbildung zum studentischen OP-Assistenten an dem Universitätsklinikum Marburg

Immer noch den Geruch von Desinfektionsmittel an der Hand und Eindrücken aus dem OP im Kopf will ich euch von dem vergangenen Monat am Universitätsklinikum Marburg berichten. Vor genau vier Wochen begann dort meine Ausbildung zur studentischen OP-Assistentin im Rahmen einer Famulatur auf einer Viszeralchirugie-Station. Da mich viele meiner Kommilitonen nach meinen Erfahrungen gefragt haben, will ich hier die wichtigsten Fragen beantworten.

 

 

> Was bedeutet die Ausbildung zum studentische OP-Assistent?
Der Titel OP-Assistenten bescheinigt, dass du nach einem Monat Assistenz im OP und einer erfolgreichen Abschlussprüfung dazu qualifiziert bist, eingewaschen am Tisch bei verschiedensten OP's beizustehen und durch zum Beispiel Haken halten oder Haut zunähen behilflich sein kannst.

> Wie bewerbe ich mich?
Unter dem Link http://www.dgav.de/arbeitsgemeinschaften/cajc/zertifikat-studentischer-op-assistent.html füllst du ein Formular aus und schickst es an die angegebene Emailadresse. Die deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) leitet deine Unterlagen daraufhin an die angegebene Universitätsklinik weiter, welche sich wenige Tage später melden wird. In Marburg werden dir meist zwei Zeiträume und zwei Stationen (235 und 237) vorgeschlagen, zwischen welchen du wählen kannst. Pro Zeitraum gibt es meistens um die fünf Ausbildungsplätze.

> Wie laufen die Einführungstage ab?
Zu Beginn der Ausbildung/ Famulatur werden dir zwei Tage lang verschiedenste Techniken beigebracht, die dir im OP hilfreich sein können. So beginnst du meistens mit einem Naht- und Knotenkurs. Idealerweise ging der Famulatur das Chirugie-Semester voraus, so dass nähen und knoten für dich eine Leichtigkeit sind. Weiterhin lernst du aber auch Drainagen anzunähen und -ziehen und dich einzuwaschen. In einem Theorieteil besprechen Ärzte von der Station verschiedene OP-Techniken und OP-Instrumente mit dir. Weiterhin bekommst du in Marburg die Möglichkeit mit einem Simulator das Operieren mittels eines Laparoskopes und daVinci-Roboters nachzuvollziehen und auszuprobieren.

> Wie ist der Tagesablauf während der Famulatur?
Um 7 Uhr morgens wirst du auf Station erwartet, um an der Frühvisite teilzunehmen. Wenig später treffen sich alle Ärzte der Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie zur Dienstbesprechung. Um 8 Uhr beginnen die Operationen. Nun liegt es an dir, ob du dich entscheidest zu einer von diesen zu gehen oder auf Station zu bleiben. Ich empfehle dir, sich schon einen Tag vorher den OP-Plan anzuschauen und mit den Pjlern und anderen Famulaten abzusprechen, wer an welcher OP teilnehmen möchte. Bleibst du auf Station, steht als erstes Blut abnehmen an. Falls du das noch nicht so gut kannst, findet sich mit Sicherheit ein Pjler, der dir dabei hilft. Teils müssen auch Braunülen gelegt, Drainagen an- oder gezogen werden. Ist das getan, darfst du die Anamnese der Neuaufnahmen auf Station durchführen. Diese Anamnese beinhaltet sowohl das Abfragen jeglicher Beschwerden und Krankengeschichte, als auch relevanter Informationen für die OP, wie zum Beispiel Medikamenteneinnahme und Allergien. Weiterhin folgt eine körperliche Untersuchung, bei der du die im Untersuchungskurs gelernten Untersuchungen super üben kannst. Im Idealfall weißt du danach so viel über den Patienten, dass du in der Nachmittagsbesprechung gegen 15 Uhr den Patienten vor den anderen Ärzten vorstellen kannst und berichtest, wieso der Patient am folgenden Tag operiert werden soll. Dazu bist du nicht verpflichtet, ist aber eine super Übung für das 3. Staatsexamen und eigentlich auch nichts Neues für dich, wenn du aus der Chirugie-Kohorte kommst. Nach der Nachmittagsbesprechung ist der Tag für dich beendet. Wochenende ist frei.

> Was lerne ich im OP?
Entscheidest du dich an einer bestimmten OP teilzunehmen, ist es am besten, wenn du den eingeteilten Assistenzarzt fragst, ob du zuschauen oder sogar assistieren darfst. Handelt es sich um eine laparoskopische OP darfst du eigentlich immer zuschauen. Handelt es sich um eine offene Operation dürfen sich meistens ein (z.B. bei Schilddrüsen-OPs) oder zwei (z.B. bei großen Bauch-OPs) Famulaten oder Pjler einwaschen. Deine Aufgaben beschränken sich dabei meistens auf Bauchhaken oder Klemmen halten, die dir in einer bestimmten Position in die Hand gedrückt und dann nicht mehr bewegt werden dürfen. Durch die Nähe zum Patienten ist es so viel einfacher die OP mitzuverfolgen und oft erklären die Operateure die sichtbaren Strukturen und das Vorgehen. Teils wird dir zum Beispiel auch eine Schere in die Hand gedrückt, um Fäden nach einer Ligatur abzuschneiden oder du wirst aufgefordert, den Faden zu führen. Das Highlight einer jeden OP-Assistenz war für mich am Schluss, wenn ich Drainagen annähen und die letzte Hautschicht mit einer intrakutanen Naht wieder zu nähen durfte. Du kannst so lange wie möglich an Schweinepfoten oder Hühnerschenkeln üben, Menschenhaut zu nähen ist eben doch etwas anderes. Ich habe ganze Tage nur im OP verbracht, weil viele Bauchoperationen 6-8 Stunden dauerten. Nach solchen Tagen ohne Essens- oder Toilettenpause wirst du dann übrigens auch mit Sicherheit wissen, ob du dir vorstellen kannst, Chirurg zu werden.

> Was bedeutet es einen Dienst mitmachen?
Zum Dienst eingeteilte Ärzte bleiben nach ihrer normalen Schicht im Krankenhaus und sind dann für beide viszeralchirugischen Stationen, die Intensivstationen und Notfallaufnahmen bis zum nächsten Tag um 7 Uhr morgens zuständig. Als Famulant hast du die Möglichkeit bei solch einem Dienst mit den Ärzten mitzugehen. Mein Dienst begann direkt mit einer OP, die auf den Nachmittag verschoben wurde. Danach waren Blutabnahmen zu erledigen. Es folgte ein Rundgang über beide Stationen und eine Visite der Patienten auf Intensivstation. Ständig klingelte das Telefon, weil Laborwerte zu hoch waren, Patienten Schmerzen hatten oder jemand in die Notfallaufnahme eingeliefert wurde. So ging ich auch mit in die Notfallaufnahme und half die Patienten nach ihrer Krankengeschichte zu befragen, sie zu untersuchen und versorgen. Ich wurde gegen späten Abend nach Hause geschickt, die Ärzte blieben über Nacht. Bonus: du hast den nächsten Tag frei.

> Wie kann ich mir das Abschlussgespräch vorstellen?
Wenn du in den vier Wochen gut während den Operationen aufgepasst hast und dich mit den Patientengeschichten und -symptomatiken beschäftigt hast, sollte das Abschlussgespräch keine Hürde für dich sein. Ich wurde zum Beispiel unter anderem zu Operationstechniken von Leistenhernien, Schilddrüsen-OPs, Cholezystektomien und Sigmaresektionen befragt.

> Kannst du jetzt als studentische OP-Assistentin arbeiten?
Theoretisch ja. In einem so großen Krankenhaus wie dem Universitätsklinikum Marburg sind praktisch nur einfach keine zu bezahlenden OP-Assistenten nötig. Täglich arbeiten in Marburg viele Pjler und je nach Zeitraum leisten Famulaten oder Blockpraktikanten ihre Stunden im OP ab. Genug Hilfe ist also vor Ort. Uns wurde gesagt, dass solch eine Ausbildung vor allem in kleineren Krankenhäusern ein Vorteil bei der Bewerbung sein wird. Weiterhin kommt es bei Bewerbungen für weitere Famulaturen oder das praktische Jahr sicher nicht schlecht, eine solche Ausbildung vorzuweisen.

> Würdest du die Ausbildung weiterempfehlen?
Wenn das Chirugie-Semester dein Interesse geweckt oder bestätigt hat, ja! Ich fand es sehr hilfreich gewisse Vorkenntnisse im Bereich der Viszeralchirugie zu haben und würde dir somit auch dringlich empfehlen, das Chirugie-Semester abzuwarten. Ansonsten kann ich dir die Famulatur auch als erste Famulatur ans Herz legen, weil du Grundfertigkeiten wie Anamnese, körperliche Untersuchung und Blut abnehmen lernst. Täglich in offene Bäuche zu schauen, half mir auch viel beim Verstehen und Wiederholen der Anatomie, welche mit Sicherheit immer unser ständiger Begleiter sein wird. Während der Famulatur hast du viel Freiraum und kannst auch selbst entscheiden, welche OP's und Tätigkeiten dich am meisten interessieren. Zudem sind sowohl Ärzte als auch Pfleger auf der Station sehr hilfsbereit und immer für Antworten parat.

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