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  • Bericht
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  • Larissa Schuchardt
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  • 31.10.2014

Chronologie der Völlerei

Einmal im Semester findet ein „Running Dinner“ in Lübeck statt. Lokalredakteurin Larissa erzählt euch, warum es sich lohnt, beim nächsten Mal mitzumachen.

 

 

 

Direkt zu Semesterbeginn fand in Lübeck das 19. Mal „rudirockt“ statt. Was das ist? Wenn du gerne kochst, isst und neue Leute kennen lernst, solltest du jetzt weiterlesen! Beim „running dinner“, deutschlandweit kurz „rudirockt“, geht es darum, in Teams andere Leute zu bewirten und dich selbst bewirten zu lassen. Jede Gruppe, bestehend aus zwei Personen, bekommt einen Gang zugelost und muss dann beispielsweise eine Vorspeise zubereiten. Haupt- und Nachspeise werden dann bei anderen Leuten gegessen. Zu einem Wirte-Zweierteam kommen jeweils zwei weitere Pärchen, sodass am Ende sechs Leute am Tisch sitzen und man (Mathebegeisterte vor!) am Ende des Abends optimalerweise 12 neue Leute kennen gelernt hat – bei jedem Gang zwei Pärchen.

 

Dieses Jahr fiel der Termin auf einen Sonntag. Ab Samstagmittag wurden die Gänge vergeben; meine Freundin Martje und ich bekamen das Dessert zugelost. Das fanden wir ganz gut, auch wenn wir uns eigentlich die Vorspeise gewünscht hatten. Der „Wunschgang“, den man angeben kann, funktioniert nämlich nicht immer. Wir entschieden uns für ein Mohn-Marzipan-Mousse mit Himbeersauce – das ließ sich gut am Nachmittag vorbereiten, bevor wir mit unseren Fahrrädern zum ersten Gang starteten:

 

 

 

18:30 Uhr

„Hallo, wir sind Martje und Larissa!“ Gelächter aus dem Wohnzimmer, oha, offenbar bekannte Gesichter. Norman und Vit öffnen uns die Tür, wir ziehen die Schuhe aus und werden ins Wohnzimmer geführt. Dort sitzt schon das dritte Zweierpärchen, zwei Mädels aus unserem Semester. Zu Beginn wird nochmal kurz vorgestellt: was macht ihr so, wie oft habt ihr schon mitgemacht, die üblichen Fragen. Dann wird der tschechische Weißwein eingeschenkt – eine weitere rudirockt-Tradition: Alkohol gibt zu fast jedem Gang, das merkt man meistens recht schnell! Bei einem vorzüglichen Spaghettisalat mit Zucchini aus dem eigenen Schrebergarten diskutieren wir über Filme, Wein und die letzte Party. Nebenbei kann man den Blick ein wenig durch die Wohnung schweifen lassen, schließlich ist es immer spannend zu sehen, wie andere Leute so wohnen! Hier hängt zum Beispiel eine Uhr mit spiegelverkehrtem Ziffernblatt neben einer Wärmflasche an der Wand – lustig. Und ruck, zuck ist es kurz vor 8. Da der zweite Gang um 20:15 startet, müssen wir schon weiter.

 

 

 

20:30

Dank tschechischem Wein und mäßigen Orientierungskenntnissen landen wir leider eine Viertelstunde zu spät beim nächsten Team. „Hallo, wir sind Martje und Larissa!“ Erneut Gelächter aus dem Wohnzimmer, scheinbar finden wir auch hier Bekannte. Bei Lisa und Michael, unseren nächsten Gastgebern, halten schon zwei Freundinnen von uns ihre Weingläser in der Hand, eine duftende Kürbislasagne steht auf dem Tisch. Großartig, trotz der ordentlichen Portion Vorspeise habe ich nämlich schon wieder Appetit! Da Lisa und Michael zum ersten Mal mitmachen, werden die lustigsten Anekdoten ausgetauscht – wir machen nämlich schon zum achten Mal mit. Da sammelt sich einiges an. Da war das eine Mal, als das Speisezimmer im Studentenwohnheim schon belegt war und wir frierend mit Blick auf die gemütliche Runde im Flur davor gesessen und kalte Pizza gegessen haben, die Zehnerrunde oder die abgefahrenste Vorspeise vor zwei Jahren (Maronensuppe mit Hirschsalami und Apfelsahne, kredenzt von zwei sonst nicht kochenden Herren, die das Rezept aus der Apothekenumschau hatten – danke nochmal, es war klasse!). Auf der Toilette in dieser WG findet sich statt der üblichen NEON ein Gameboy mit Pokemon und Tetris, inklusive Bestenliste auf einem Periodensystem an der Tür. Wir trinken Wein, essen erstaunlich viel von der leckeren Lasagne und haben eine richtig nette Zeit, bis es auch schon kurz vor zehn ist – höchste Zeit, dass wir uns auf den Weg machen, schließlich könnten schon Leute bei uns vor der Tür stehen!

 

 

 

22:00 Uhr

Leicht angeduselt radeln wir zurück in die Lübecker Altstadt. Gefühlt sind überall glückliche, satte Zweierpärchen unterwegs, aber der Eindruck mag daher kommen, dass wir selbst ein glückliches, sattes Zweierteam sind. Etwas zu spät sind wir bei Martje zu Hause, und siehe da: Jenny und Anna, zwei weitere Freundinnen von uns, sitzen schon auf der Treppe. Obwohl dieses Mal 92 Leute mitgemacht haben, was für Lübecker Verhältnisse nicht wenig ist, sind wir noch nie so vielen bekannten Leuten begegnet! Man munkelt allerdings, dass in Aachen, woher das Konzept ursprünglich stammt, jedes Mal über 2000 Leute mitmachen – davon kann das kleine Lübeck nur träumen. Trotzdem ist auch die Nachspeise ein Hit, und ich kann es nicht lassen, mir noch einmal nachzunehmen - auch wenn das Atmen langsam schwerfällt. Zusammen mit Madi und Nicole, zwei Dräger-Mitarbeitern, werden noch die letzten Flaschen Weißwein vernichtet, dann machen sich die Teams kurz vor 12 auf den Heimweg. Montag ist schließlich ein ganz normaler Arbeitstag, weshalb die übliche After-Show-Party im Blauen Engel, Lübecks beliebtester Studentenkneipe, heute ausfällt. Abgesehen davon bin ich ohnehin so vollgefuttert, dass ich mich kaum noch bewegen kann, aber froh mitgemacht zu haben. Vielen Dank an Norman und Vit und Michael und Lisa, die uns toll bewirtet haben, sowie an unsere Gäste und die anderen Teams – ich freue mich schon aufs nächste Mal!

Wenn du jetzt Lust bekommen hast beim nächsten Mal mitzukochen, registrierst du dich am besten kostenlos unter

www.rudirockt.de.

 

Dann kannst du mit über den nächsten Termin abstimmen und bekommst alle wichtigen Informationen per Mail. Liebe Lübecker, es lohnt sich wirklich! Selbst die Nicht-Köche unter uns dürfen natürlich mitmachen, denn jeder kriegt mit ein bisschen Kreativität und Anregungen von Freunden etwas auf die Beine gestellt. Generell sind Rudirocker ein gemischtes Völkchen, in der Regel jedoch Studenten, Azubis oder Berufstätige zwischen 18 und 40, was die Runden jedesmal wieder interessant macht. Da „rudirockt“ deutschlandweit in allen größeren Städten stattfindet, wurde das Konzept sogar 2013 von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ zum „Ausgezeichneten Ort im Land der Ideen“ gekürt. Wem also jetzt beim Gedanken an Kürbislasagne und Marzipan-Mohn-Mousse das Wasser im Munde zusammenläuft, der zögert hoffentlich nicht mehr, sondern meldet sich gleich für das nächste Event an – und vielleicht wird das running dinner in Lübeck ja eines Tages so groß wie das in Aachen!

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