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  • Text und Fotos Björn-Ole Bast
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  • 29.02.2016

Wir schaffen das – Umbau UKSH Kiel

„Wir schaffen das“ – so lautet das Leitmotto des Uni Klinikum Schleswig-Holsteins zum Umbau der Klinik. „Wir schaffen das. Das 20. in das 21. Jahrhundert zu verwandeln, indem wir 520 Millionen Euro in Umbau und Modernisierung unseres Klinikums investieren“ ist nur ein Beispiel für die ganzen Werbe- und Motivationsslogans des Universitätsklinikums Schleswig-Holsteins zum Umbau des Campus Kiel. Ein bisschen aufreißend und nach dem Wahlkampf von Barrack Obama klingend - „Yes we can!“ – versucht das UKSH einen Einblick in die Vision „UKSH der Zukunft“ zu ermöglichen. Dennoch bleibt der Masterplan für uns Studenten ein großes Rätsel. Was wird sich für uns ändern? Dieser Frage versuche ich ein wenig nachzugehen.

Ziel sei es, das UKSH, als einzigen Maximalversorger in Schleswig-Holstein, an die Bedürfnisse der sich im demographischen Wandel befindlichen Gesellschaft anzupassen. So würden bei dem Megaprojekt die stationäre und ambulante Versorgung in den Bereichen Diagnostik, Therapie sowie Katastrophen- und Epidemieschutz modernisiert. Dabei versucht das UKSH der Öffentlichkeit so gut wie möglich, aber anscheinend auch so wenig wie nötig, Einblick in das Projekt zu gewähren. Das merke auch ich bei der Erstellung dieses Artikels, für den ich eine Vielzahl an Informationen aus dem graphischen Bauplan und der kurzen Broschüre zum Umbau herauslesen musste.

 

Architektur und Denkmalschutz

Wichtig sei es bei dem Umbau und der Errichtung des neuen Zentralklinikums, auch die denkmalgeschützten Gebäude zu erhalten und optimal in das Konzept zu integrieren. So bediene man sich einer Verkleidung aus rotem Backstein für den Sockel, um die Fassade an die alten Bauwerke anzupassen. Der darüber emporstrebende Baukörper werde sich durch eine Kombination aus Glas, mineralischen Tafeln und grünen Farbakzenten klar präsentieren. Dabei würde darauf geachtet werden, dass lediglich langlebige und nachhaltige Materialien zum Einsatz kämen.

 

Umzug mit Stethoskop und Patient – Bildung von Versorgungszentren

Jedoch bringt das Konzept neben der baulichen Veränderung auch eine neue Organisation der Klinikstandorte mit sich. So werden durch die Zusammenlegung einiger Fachrichtungen in gemeinsame Gebäude beispielsweise ein Kopfzentrum und ein Mutter-Kind-Zentrum entstehen. Dabei wird die unter Denkmalschutz stehende HNO-Klinik schonend erweitert, so dass neue Kapazitäten für die einziehende Augenklinik entstehen. Zudem soll das Gebäude der HNO mit dem Turm der Zahnklinik räumlich zu einem Klinikum verbunden werden. Diese Bildung von Versorgungszentren könne neben einer vereinfachten medizinischen Versorgung auch eine besser verknüpfte Lehre mit sich bringen.

 

„Kindersterben“ – Was passiert mit der Pädiatrie?

Eine offizielle Aussage dazu konnte ich nicht bekommen, doch wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, so ist das Gebäude der jetzigen Pädiatrie bereits verkauft und eine Integration der Kinderklinik in das neue Zentralklinikum nicht von vornherein vorgesehen oder bei der baulichen Planung vergessen worden. Doch eines steht fest: eine Uniklinik ohne Pädiatrie ist unvorstellbar; das hätte für uns Studenten zur Folge, dass wir für den Unterricht am Krankenbett in diesem Fach (UAK) jedes Mal in das ca. drei Kilometer entfernte städtische Krankenhaus fahren müssten, zu dem es keinerlei direkte Busverbindung gibt.

 
Auch nach mehrfachem Nachfragen konnte ich zu diesem Thema keine verwertbare Antwort bekommen. Aktueller Standpunkt ist, dass die Pädiatrie irgendwie und irgendwann in die neue Klinik eingegliedert werden würde. Wir dürfen gespannt sein.

 

Geballte Forschung – alle Doktoranden an einem Ort?

Doch ist das noch lange nicht alles. Der Parkplatz neben der Klinik für Dermatologie und die Hautklinik selbst werden bis 2022 zu zwei zentralen Forschungszentren umgebaut. Hier sollen in Zukunft alle Forschungsprojekte des UKSH Campus Kiel an einem gebündelten Standort laufen. Dies dient der Optimierung im Einsatz von Ressourcen und einer verbesserten Kommunikation zwischen einzelnen Arbeitsgruppen. Vermutlich werden in diesen Räumlichkeiten auch sämtliche Versuche für experimentelle Dissertationsarbeiten durchgeführt werden. Der Anfang ist gemacht, die Zufahrt verlegt und der Parkplatz zu einer braunen, pfützigen Matschlandschaft modifiziert.

 

Der Hungersnot ein Ende

Wie vielen von euch bekannt ist, gibt es ein ständiges Hin und Her, was die Einrichtung einer Studentenmensa am Klinikum angeht. Viele Lösungen wurden ausprobiert, doch nichts hat überzeugen können, so dass eine Lebensmittelversorgung für die Studenten zu akzeptablen Studentenpreisen eingestellt wurde. Eine Hungersnot setzte ein, denn in der Mitarbeiterkantine dürfen wir nicht speisen und sich jeden Tag in dem nach Frittierfett duftenden Patientencafé oder beim Bäcker nebenan eine kleine Mahlzeit zum Mittag zu gönnen, ist für den leeren Geldbeutel des viel beschäftigten Medizinstudenten nicht möglich.

 
Doch auch hier gibt es angeblich nun endlich eine Lösung. Zuerst enthielt der Bauplan zwar keine Studentenmensa, doch nach erfolgreichen Gesprächen mit der Fachschaft soll die Planung aufgegriffen worden sein. Somit könnte es tatsächlich am Ende der Bauperiode (ca. 2022) dazu kommen, dass Medizin- und Zahnmedizinstudenten in Kiel nicht mehr hungern müssen.

Zudem wird das derzeitige Patientencafé in seinem „IKEA-Look“ (blau-gelbe Farbgestaltung) dem Erdboden gleich gemacht und in den Eingangsbereich des Neubaus integriert.

 

Kleines ganz groß!

Hinzu kommen zahlreichen kleine bauliche Veränderungen, die das Bild des Campus Kiel verändern werden oder gar einen großen Nutzen mit sich bringen. So ist beispielsweise bereits eine neue höchstmoderne Telefonanlage installiert worden, die mit der Eröffnung der neuen Klinik in Betrieb gehen wird. Dabei werden auch die veralteten Pieper der Ärzte gegen Diensthandys ausgetauscht. Dies hat unter anderem auch den Vorteil, dass eine Kommunikation zwischen den Klinikern mit niedergelassenen Kollegen vereinfacht wird. Mit dieser Umstellung wird es dann wohl auch dazu kommen, dass unsere Vorlesungen nicht mehr vom hohen Tinitus induzierenden Gepiepse der Pieper unterbrochen werden; aber dafür werden die Mobiltelefone vermutlich pausenlos klingeln und die Lehre mehr stören, als jeder Pieper zuvor.


Eine andere Neuerung soll sich laut der Aussage eines Klinikdirektors im Keller des Neubaus finden. Angeblich werden hier Umkleiden mit Spinden für alle Medizinstudenten aufgestellt, so dass wir unsere Kittel nicht mehr von einer Klinik zur nächsten und wieder nach Hause schleppen müssen. Das soll uns nicht unbedingt das Leben erleichtern, sondern vor allem die Hygiene fördern.

 

„Puppentheater“ im Haus der Lehre

Das Haus der Lehre ist bereits umgezogen und vollständig modernisiert, so dass uns Studenten eine Lehre auf sehr hohem Niveau geboten werden kann. Dazu zählt unter anderem ein Intensiv- und Anästhesie-Simulator, der wirklich eine Menge kann. Sogar die Pupillomotorik kann hier gesteuert werden und reagiert über Photozellen auf Licht. So macht Lehre Spaß.

 
Um Platz für das neue Zentrallabor zu machen muss das ehemalige Gebäude des Haus der Lehre weichen. Dieser Bauabschnitt sollte bereits 2015 begonnen haben, doch sieht hier noch alles unberührt aus.

 

„Grüne Lunge“

Einige alte knorrige Bäume mussten dem Megaprojekt weichen, doch anders lässt sich der Bau nicht umsetzen. Zum Ausgleich soll der Campus mit Abschluss der Bauperiode neu begrünt werden. Die Hauptverbindungswege werden mit Bäumen gesäumt und vereinzelt kleine Grünflächen zur Erholung angelegt.
Schließlich haben Studien gezeigt, dass ein schöner Ausblick, unter anderem ins Grüne, das outcome bei der Genesung verbessern kann.

 

„Entnazifizierung“

Sie findet zur Zeit überall statt - das Hindenburgufer heißt plötzlich Kiellinie und manche Straßen sind im Stadtbild nicht wiederzufinden. Doch gibt es auf dem Campus noch die Schittenhelmstraße, die so manchem namentlich ein okkulärer Dorn ist. Meinen Informationen zur Folge wurde bei der Stadt bereits ein Antrag gestellt, die nach dem deutschen Internisten und NS-Arztes für Erbpflege und Erbforschung benannte Straße im Rahmen der Modernisierung umzubenennen. Im Bauplan ist sie noch immer als solche aufgeführt, doch dauert die Umsetzung solcher Vorhaben oft auch mehrere Jahre.

 

Nachwort

Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass die Informationsgewinnung zum Masterplan nicht so einfach ist und eine Vielzahl der hier aufgeführten Informationen auf mündlichen Aussagen basiert, oder dem Bauplan, sowie der knappen Broschüre zum Umbau entstammen. Einen Kontakt für meine Fragen konnte ich leider nicht aufspüren und die Pressemappe mit den Antworten auf die FAQs beinhaltet vor allem Informationen zu Finanzierungskonzepten und nicht zu Umbau, Struktur und Lehre.

Konnte ich dein Interesse wecken? Dann findest du den Bauplan, Livewebcams der Baustelle und weitere Kurzinformationen hier: http://www.uksh.de/masterplan/

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