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  • Björn-Ole Bast
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  • 19.09.2016

Herr und Frau Doktor - Der Weg zum Titel

Die Krönung des Medizinstudiums ist die Promotion. Bis zu 70 Prozent aller Medizinstudenten promovieren heutzutage während des Studiums oder danach. Eine Promotion ist dabei an jeder Uni möglich, an der man Medizin studieren kann. So auch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Partnerschaft mit UKSH Campus Kiel. Hier gibt dir Lokalredakteur Björn-Ole einen Überblick über die Promotion in Kiel und ein paar hilfreiche Tipps an die Hand.

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Am Anfang steht der wohl schwierigste Teil - die Auswahl des richtigen Themas gepaart mit der Suche nach dem richtigen Doktorvater. Du solltest dir von vornherein darüber im Klaren sein, welche Anforderungen du an die Arbeit hast. Möchtest du lieber theoretisch im Rahmen einer klinischen Studie, rein statistisch oder experimentell arbeiten? Bereits diese Entscheidung kann Auswirkungen auf deine Note in der Dissertation haben.

Einfache klinische Studien oder rein statistische Auswertungen von zuvor durch Dritte erhobene Daten bringen in der Regel nur ein Rite oder ein Cum laude mit sich, also in Schulnoten eine Drei oder Vier. Dagegen kannst du mit einer aufwändigen Studie oder einer experimentellen Arbeit mindestens ein Magna cum laude, also eine Zwei erreichen. Hast du diese Frage geklärt, kann die Suche nach einem Thema bzw. einer Arbeitsgruppe beginnen.

Tipp: Starte möglichst früh mit der Suche nach einem Thema, um noch vor der Approbation fertig zu werden. Ein Großteil derer, die bis dahin nicht fertig sind erlangen ihren Titel meist erst nach der Facharztausbildung oder gar nicht mehr.

Auf der Suche nach dem Thema

Auf den Webseiten der einzelnen Fachdisziplinen und vorklinischen Fächer findest du unter dem Punkt „Promotion“ häufig Ausschreibungen für Doktorarbeiten. Leider sind diese Seiten in Kiel nicht optimal gepflegt und damit nicht immer auf dem aktuellen Stand. Es lohnt sich also, nach der Vorlesung, in einer Famulatur oder auch per Email bei einem Oberarzt oder dem Chef persönlich nach der Möglichkeit einer Promotion zu fragen.

Hilflos! - Wie geht es weiter?

Angenommen du hast einen Dozenten gefunden, der dir anbietet, bei ihm zu promovieren, was sind die nächsten Schritte? In der Regel setzt du dich erstmal mit deinem Dozenten zusammen und er schlägt dir verschiedene mögliche Themen für deine Promotion vor. Dann trefft ihr eine gemeinsame Entscheidung, mit der der Grundstein für deine Promotionsarbeit gelegt ist. Was solltest du jetzt noch beachten?

Tipp: Die Erfahrung hat gezeigt, dass zwischen dem ersten Ansprechen des Dozenten bis zum eigentlichen Beginn der Arbeit bis zu einem Jahr vergehen kann. Hier bist du gefragt, das Projekt voranzutreiben. Zeig deinem Doktorvater, dass du wirklich interessiert bist. Das kann deine Wartezeit erheblich verkürzen.

Die Anmeldung

Jede Dissertation muss beim Dekanat der Medizinischen Fakultät angemeldet und zugelassen werden, bevor mit der Aufnahme zur Arbeit begonnen wird. Dieses Verfahren dauert bis zu sechs Monate und beinhaltet eine kurze Zusammenfassung der angestrebten Arbeit und ein kurzes Schreiben deines Doktorvaters. Letzteres bescheinigt dir, dass er mit dem Verfassen deiner Dissertation einverstanden ist. Nach erfolgreicher Anmeldung kann die nachfolgend verfasste Inauguraldissertation frühestens 12 Monate später eingereicht werden.

Tipp: Bei der Zusammenfassung für die Anmeldung zur Promotion solltest du dich an die vorgegebenen Richtlinien halten und darauf achten, dass du nicht mehr als eine DIN-A4-Seite schreibst - tust du dies doch, wird deine Anmeldung gar nicht erst angenommen, bis du den Text gekürzt hast.

Die Dissertation

Jetzt kann es so richtig losgehen, du kannst mit der Arbeit beginnen, Daten erheben, Auswerten oder auch Experimente entwickeln und durchführen. Beim anschließenden Verfassen der Dissertation solltest du auf die Vorgaben zur äußeren Form achten und auch die vorgeschriebene Gliederung und Zitiervorgaben einhalten.

Tipp: Die Universitätsbibliothek bietet jedes Semester Kurse zur Literaturrecherche mit PubMed und zur Literaturverwaltung mit Endnote an, die wirklich gut gemacht sind. Nimm dabei am besten deinen eigenen Laptop mit, um optimal mitarbeiten zu können.

Der Antrag auf Zulassung

Bist du mit der Verfassung fertig und seit der bestätigten Anmeldung der Dissertation beim Dekanat sind mindestens 12 Monate vergangen, folgt der Antrag auf Zulassung zur Promotion, der an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, die du hier unter Absatz I findest.

Eine Antragstellung ist frühestens mit dem Bestehen des ersten Teils der zweiten ärztlichen Prüfung, also der Zulassung zum PJ möglich. Wenn du den Antrag und die vollständigen Unterlagen inklusive zwei gedruckter Exemplare der Doktorarbeit eingereicht hast, führt das zur Eröffnung des Promotionsverfahrens.

Tipp: Aktuell ist unter Absatz I der Bedingungen zur Promotion noch nicht die Teilnahme am Seminar zur Promotion des Graduiertenzentrums aufgeführt. Eine Teilnahme wird jedoch bereits jetzt für noch nicht angemeldete Arbeiten vorausgesetzt. Informationen zur Seminaranmeldung findest du hier.

Das Gutachten

Das Gutachten deines Doktorvaters inklusive eines Bewertungsvorschlages und dem Vorschlag für drei Koreferenten wird durch das Dekanat direkt vom jeweiligen Institut angefordert, sofern du es nicht bereits mit dem Antrag auf Zulassung eingereicht hast. Das Dekanat wählt nun den Koreferenten aus und lässt ihm zur weiteren Begutachtung ein Exemplar deiner Arbeit zukommen. Die zweite Begutachtung kann etwas dauern, wobei der Referent aber automatisch nach vier Wochen nochmals erinnert wird.
Mit dem Vorliegen der beiden Gutachten tritt der Promotionsausschuss zusammen und erarbeitet einen konkreten Notenvorschlag, teilt dir eventuelle Korrekturvorschläge mit und legt abschließend deine Arbeit dem Vorsitzenden des Promotionsausschusses zur endgültigen Annahme vor.

Die Disputation

Zum Abschluss des schriftlichen Promotionsverfahrens liegt die Arbeit noch 14 Tage zur Einsichtnahme beim Promotionsausschuss aus, bevor dir der Prüfer für die mündliche Prüfung mitgeteilt wird. Mit ihm legst du gemeinsam einen Termin für die Disputation fest. Generell findet die Disputation frühestens mit der Approbation statt und ist je nach Notenvorschlag öffentlich (Magna cum laude, Summa cum laude) oder nicht-öffentlich (Rite, Cum laude).

Die Veröffentlichung

Hast du die mündlichen Prüfung bestanden, folgt noch die Veröffentlichung der Arbeit über die Universitätsbibliothek, um das Promotionsverfahren komplett abzuschließen. Erst danach erhältst du deine Urkunde, die dir erlaubt, den Titel zu führen. Alle nötigen Informationen zur Veröffentlichung findest du hier.

Noch Fragen?

Wenn du noch Fragen hast, wende dich bitte direkt ans Promotionsbüro des Dekanates, an das Graduiertenzetrum der CAU zu Kiel, oder schaue dir die FAQs an.

Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Arbeit und so wenig Rückschläge wie möglich.

„Brick walls are there for a reason: they let us prove how badly we want things!“ - Randy Pausch

 

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