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  • Interview
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  • Marisa Kaspar
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  • 10.05.2016

Allgemeinmedizin in Jena: Eine einzigartige Weiterbildung

In Jena ist das Institut für Allgemeinmedizin für die Facharztausbildung künftiger Hausärzte verantwortlich. Das wissen auch die meisten Studenten. Aber viele fragen sich trotzdem: Was passiert noch am Institut? Für welche Bereiche ist dieses überhaupt zuständig? Diesen Fragen ist Marisa auf den Grund gegangen.

Mittwochs um 8 Uhr – pünktlich zur wöchentlichen Fallkonferenz – kam ich ins Institut für Allgemeinmedizin in der Alten Chirurgie in der Bachstraße und wurde nett begrüßt. Noch vor der Vorstellung eines interessanten Patientenfalles durch einen Assistenzarzt konnten wir schon die ersten Fragen klären.
Wie jedes andere Institut des Uniklinikums Jena ist das Institut für Allgemeinmedizin für Forschung und Lehre zuständig, wobei Forschung den größeren Teil ausmacht. Aber woran forschen eigentlich Allgemeinmediziner? Und sind die Ärzte in den Praxen auch involviert? Diese und noch mehr Fragen beantworten die drei Assistenzärzte Rebekka Gehringer, Florian Wolf und Jörg Breitbart.

 

> Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Allgemeinarzt werden wollen?

Rebekka Gehringer (Studium in Würzburg): Ich habe im Dezember mein Studium abgeschlossen und mich tatsächlich erst im PJ zu einer Fachrichtung entschlossen. Es lief auf die Entscheidung zwischen Pädiatrie und Allgemeinmedizin hinaus. Ich habe Pädiatrie als Wahltertial im PJ gemacht und dabei gemerkt, dass ich mir die Allgemeinmedizin besser vorstellen kann. Insgesamt war für mich auch der Punkt ausschlaggebend, dass Allgemeinmedizin besser mit der Familie vereinbar ist und man gut halbtags arbeiten kann. Für mich war von vornherein klar, dass ich ein Fach machen möchte, in dem ich mich bald im ambulanten Bereich bewegen kann, das aber trotzdem breit aufgestellt ist.

Florian Wolf (Studium in Marburg): Für mich war die Allgemeinmedizin schon das ganze Studium über interessant. Einfach, weil wir den breiten Blick haben, sehr generalistisch herangehen und die Patienten in unterschiedlichsten Lebenslagen über eine lange Dauer begleiten. Dazu sind wir neben der medizinischen Expertise Ansprechpartner für alltägliche, soziale und berufliche Probleme. Das hat mich sehr an dieser Fachrichtung gereizt. Auch die Betreuung von der Wiege bis zur Bahre ist etwas Einzigartiges, die es in dieser Form in keiner anderen Fachrichtung gibt. Mir war im Studium relativ schnell klar, dass ich es mir nicht vorstellen kann, 40 Jahre im Krankenhaus zu arbeiten. Da ich zusätzlich psychiatrische Interessen habe, ist das gut mit der Allgemeinmedizin vereinbar, die ja auch einen hohen Anteil an psychiatrischer Arbeit hat.

Jörg Breitbart (Studium in Jena): Bei mir war das ganz anders. Ich habe nach dem Studium Neurologie gemacht, bin dann aber medizinfern abgedriftet. Über die Arbeit hier am Institut, wo ich im Rahmen einer Studie gearbeitet habe, bin ich dann mit Hausärzten in Kontakt gekommen. In dieser Interaktion ist mir aufgefallen, dass die hausärztliche Tätigkeit einen besonderen Reiz auf mich ausübt. Vor allem das, was Herr Wolf schon angesprochen hat, war auch für mich ausschlaggebend: Die komplexe, lebenslange Betreuungsleistung die man als Hausarzt liefert, dass man den Patienten relativ nahe steht und nicht nur in somatischen Krankheitsschubladen denkt. Gerade auch das psychosoziale Auffangen, Führen und Mitgehen mit den Patienten finde ich sehr spannend. Diese Aspekte der hausärztlichen Tätigkeit habe ich erst hier am Institut kennengelernt.

 

Allgemeinmedizin - Foto: Jörg Breitbart

Die lebenslange Betreuung der Patienten – von der Wiege bis zur Bahre – macht für viele Allgemeinmediziner den Reiz ihres Berufes aus.  Foto: Jörg Breitbart

 

> Wie ist das Weiterbildungsprogramm in der Allgemeinmedizin in Jena strukturiert?

Florian Wolf: Das Programm, das wir hier durchlaufen, ist einzigartig. Es gibt wenig Vergleichbares in Deutschland. Es existieren zwar Verbundweiterbildungen, die von Instituten geleitet werden, bei denen Weiterbildungsveranstaltungen und Seminare in den Instituten stattfinden und Kooperationen mit Krankenhäusern im Regionalverbund und niedergelassenen Praxen vorhanden sind. Aber unser System, bei dem wir einen Fünfjahres-Vertrag am Universitätsklinikum Jena haben und über eine eigene Kostenstelle laufen, sodass die einzelnen Kliniken nicht belastet werden, ist etwas Besonderes. Wir sind im Optimalfall zusätzliche Arbeitskräfte. Es wird natürlich ganz schnell klar, dass wir da sind, und dann wird man schnell in den Dienstplan eingepflegt. Aber auch hier haben wir die Wahlfreiheit, was eine gewisse Sicherheit gibt. Wir haben die Möglichkeit, uns dafür zu entscheiden, mal drei Monate Derma oder drei Monate Psychiatrie zu machen – einfach, weil's uns interessiert. An diese Chancen käme jemand, der nicht in diesem Programm steckt, ganz schlecht.

Die Landesärztekammer legt die Weiterbildungsordnung fest. Das ist in Thüringen aber relativ locker. Es sind 18 Monate Innere Medizin stationär und 18 Monate Tätigkeit in der ambulanten Versorgung vorgeschrieben. Wir haben über dem Institut noch zusätzlich sechs Monate Geriatrie, drei Monate Psychiatrie und sechs Monate am Institut als festgelegte Rotation.

 

> Finden Teile der Weiterbildung auch in Hausarztpraxen statt?

Florian Wolf: Das Programm ist an das Uniklinikum Jena und an den Arbeitsvertrag hier gekoppelt. Momentan besteht ambulant nur die Möglichkeit, in das angeschlossene MVZ zu rotieren. In der Vergangenheit haben aber viele Ärzte in Weiterbildung nach den dreieinhalb stationären Jahren im Rotationsprogramm den Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert, um dann direkt ambulant in eine Praxis einzusteigen. Wir haben ja über 200 Lehrpraxen und da wir das einzige allgemeinmedizinische Institut in Thüringen sind, sind wir für alle Hausärzte von universitärer Seite aus zuständig. Dadurch sind viele Ärzte in Weiterbildung in Praxen untergekommen, bei denen sie schon wussten, dass die Chemie stimmt. Das wird natürlich von Seite unseres Institutes aus nicht negativ ausgelegt, wenn man nach dreieinhalb Jahren sagt: „Hier ist jetzt Stopp“. Aber theoretisch besteht natürlich die Möglichkeit, die kompletten fünf Jahre der Weiterbildung über das Institut zu machen.

 

> Warum haben Sie sich für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in Jena entschieden?

Rebekka Gehringer: Ich habe mich für Jena entschieden, da das Programm wirklich einzigartig ist. Man hat sehr viele Möglichkeiten und es steht das ganze Spektrum der Universitätsmedizin zur Verfügung, sodass man in viele Fachbereiche reinschnuppern kann. Das Programm ist sehr gut strukturiert, was ich als großen Vorteil empfinde.

Jörg Breitbart: Gerade die breite Aufstellung, bei der man in so viele Fächer einen Einblick bekommen kann, macht den Reiz des Rotationsprogrammes hier aus. Jemand, der die Ausbildung zum Allgemeinmediziner nicht auf diese Weise macht, sondern auf „normalem“ Wege, endet bei dem Pflichtteil in der Inneren häufig langfristig in einer Abteilung. Für ein Jahr, zwei Jahre – manchmal auch drei oder vier Jahre. Also länger als ursprünglich geplant. Man hat dann quasi eine halbe Subspezialisierung und sieht von den anderen Fächern nicht viel bzw. hat Mühe, andere Weiterbildungsteile zu erwerben. Es gibt zum Beispiel Probleme, genügend Ergometrien oder Doppleruntersuchungen durchzuführen. Solche Dinge sind als Hausarzt ja exotisch, aber vom Weiterbildungsprogramm der Landesärztekammer vorgeschrieben. Außerdem haben wir haben mit dem Programm die Möglichkeit, bürokratisch unkompliziert in viele Abteilungen reinzuschauen, also ein breiteres Angebot als üblich wahrnehmen zu können.

Florian Wolf: Für mich war zusätzlich wichtig, dass wir hier auch die Möglichkeit haben, uns in einem Forschungsfeld zu betätigen und an Lehrveranstaltungen mitzuwirken. Das hat mich sehr interessiert. Ich habe schon während des Studiums als studentische Hilfskraft Lehre mitgestaltet. Das war einer der Gründe, der mich dazu bewogen hat, hier in Jena die Ausbildung zu machen.

 

Jörg Breitbart

 Nach der Arbeit gemütlich zusammensitzen: Auch das gehört dazu! Foto: Jörg Breitbart

 

> Welche Forschungsschwerpunkte gibt es denn am Institut?

Rebekka Gehringer: Der große Schwerpunkt sind psychische Krankheiten in der Primärversorgung. Daneben gibt es noch ein paar kleinere Themen: Hausarztzentrierte Versorgung, Arzneimittelsicherheit, Antibiotikaverordnungen und Ärztegesundheit zum Beispiel.

Florian Wolf: Bei der Ärztegesundheit geht es vor allem darum, wie Ärzte und Hausärzte mit ihrer eigenen Gesundheit umgehen: Haben sie auch einen Hausarzt oder führen sie Diagnostik und Therapie an sich selbst durch? Wir sollen noch einen zusätzlichen Lehrstuhl für Versorgungsforschung an das Institut integriert bekommen, sodass dieser Themenbereich noch mehr in den Vordergrund rückt. Dort soll zum Beispiel das Thema Demenz gefördert werden. Jörg, kannst du noch etwas über dein Projekt erzählen? Das läuft ja schon ziemlich lange.

Jörg Breitbart: Wir arbeiten seit drei Jahren an dem Themenkomplex Angststörungen, Panikstörungen und Agoraphobie. Es geht besonders um die Behandelbarkeit in einer Hausarztpraxis und darum, was in der Primärversorgung getan werden kann. Dafür haben wir uns ein spezielles Praxisprogramm überlegt. Das Problem bei Allgemeinmedizin und Forschung ist sozusagen das eigene Understatement oder Selbstverständnis, das in der wissenschaftlichen Forschung noch nicht ganz angekommen ist. Forschung ist in dieser Fachrichtung eine ziemlich neue Sache. Es gibt inzwischen an relativ vielen Universitäten in Deutschland ein Institut oder einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, die Forschungstätigkeit auf dem Gebiet ist aber noch relativ jung. Versorgungsforschung kommt ja eher aus der Epidemiologie, wo es um Krankheitsgeschehen und -verteilung geht und die Frage geklärt werden soll, wie die Menschen an das Gesundheitswesen angebunden sind. In diesem Bereich spielt der Hausarzt aber auch eine unglaublich wichtige Rolle. An dieser Stelle versucht das Institut, Hausärzte für Forschungs- und Wissenschaftstätigkeit anzuwerben, sodass diese an Studien teilnehmen. Das macht einen großen Teil der Studienarbeit aus, da eine Studie zuerst einmal mehr Arbeit für die niedergelassenen Ärzte bedeutet. Wir versuchen, diese dazu zu bringen, den Benefit zu erkennen, den sie im Endeffekt bekommen.

Florian Wolf: Gerade sind zwei ganz große Interventionsstudien zum Abschluss gekommen. Es gibt nicht viele Institute für Allgemeinmedizin, die überhaupt die Manpower besitzen, um richtige Interventionsstudien mit Patienten, die durch Hausarztpraxen rekrutiert werden, durchzuführen.

 

> Es ist ja möglich, parallel zur Facharztweiterbildung am Institut für Allgemeinmedizin zu promovieren. Wie klappt das mit der Zeitgestaltung?

Jörg Breitbart: Das ist bei mir insofern schwierig zu vergleichen, da ich ja vor der Weiterbildung schon im Rahmen einer dieser großen Interventionsstudien am Institut gearbeitet habe. Dabei habe ich ein Teilprojekt bearbeitet, das Teil der Promotion sein wird. Da hatte ich viel Zeit für die Forschung. Parallel zu der stationären Arbeit auf der Geriatrie ist das jetzt schon etwas schwieriger. Durch das Rotationsprogramm haben wir regulär mittwochs Zeit, hier am Institut zu arbeiten und Projekten nachzugehen. An den anderen Tagen sind wir aber auf den jeweiligen Rotationsstationen. Ich nutze den Mittwoch, um weiter voran zu kommen. Der zeitliche Aspekt ist natürlich sportlich.

 

> Woher kommt das Motto des Instituts, „Heilen, Führen, Gestalten“?

Florian Wolf: „Heilen, Führen, Gestalten“ soll ausdrücken, dass das Programm der Weiterbildung hier etwas Besonderes ist. Es stellt keine „einfache“ Ausbildung zum Allgemeinmediziner dar, sondern liefert darüber hinaus ein Plus: Wir können in Forschung nicht nur hineinschnuppern, sondern unseren eigenen Teil beitragen und unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse publizieren. Es gibt die Möglichkeit, in der Lehre mitzuarbeiten und wir können berufsbegleitend ein Masterstudium in Health Care Management durchführen. Dadurch ist die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in Jena viel breiter und vielfältiger als die herkömmliche klinische Ausbildung. Wir sollen später, wenn wir unsere Facharztausbildung beendet haben, an unterschiedlichen Stellen im Gesundheitswesen an allgemeinmedizinischen Fragestellungen arbeiten können.

 

Allgemeinmedizin - Foto: Jörg Breitbart

Allgemeinmedizin heißt nicht „nur“ Heilen. Auch die Beteiligung an der Lehre ist ein integraler Bestandteil des Jenaer Weiterbildungsprogrammes. Foto: Jörg Breitbart

 

> Wie groß ist die Arbeitsbelastung beim berufsbegleitenden Masterstudiengang „Master of Business Administration Health Care Management“?

Florian Wolf: Wir haben in unserem Rotationsprogramm eine Einschränkung, bei der festgelegt ist, dass wir nicht mehr als zwei Dienste pro Monat machen sollen. Ich glaube, wenn ich mehr hätte, würde mich das ziemlich überfordern. Aber auf diese Weise ist das gut abzusprechen mit den Verantwortlichen in den einzelnen Kliniken. Es findet etwa einmal im Monat eine Veranstaltung am Freitagnachmittag ca. ab 16 Uhr und dann am darauf folgenden Samstag statt. Man darf sich das allerdings nicht wie ein Medizinstudium vorstellen. Es ist ein berufsbegleitendes Studium, was natürlich Zeit kostet. Wichtig ist, in Eigenregie zu planen und schauen, wann man Zeit hat, den Stoff durchzuarbeiten. Sicherlich ist es ein Mehraufwand, der sich aber lohnt.

Mich haben einfach die Themen interessiert: In erster Linie BWL, da das Studium ja vom Fachbereich Betriebswirtschaft der Ernst-Abbe FH Jena organisiert wird. Trotzdem ist der Stoff ganz klar auf das Gesundheitswesen ausgerichtet. Es werden unterschiedliche Gesundheitssysteme verglichen und die Struktur sowie das Management von Gesundheitsunternehmen und Krankenhäusern besprochen. Darüber hinaus spielt die Verortung ethischer und rechtlicher Aspekte in unserem Gesundheitssystem eine große Rolle in dem Studiengang. Solche Fragestellungen sind ja im Medizinstudium kaum existent, aber im Berufsalltag stoßen wir ständig drauf. Ich bin jetzt gerade im vierten Semester des Masterstudiengangs, also habe ich mittlerweile einen ganz guten Überblick, was gefordert wird. Bis jetzt habe ich es definitiv nicht bereut, mich für das Studium entschieden zu haben.

 

In Kooperation mit der Fachhochschule können künftige Allgemeinmediziner einen Masterstudiengang in Gesundheitsmanagement durchführen, um noch besser auf den späteren Berufsalltag vorbereitet zu sein.   Foto: Jörg Breitbart

 

> Inwiefern können sie die Inhalte des Studiums im späteren Beruf als Hausarzt anwenden?

Florian Wolf: Auch wenn man eine Einzelpraxis hat, ist man als niedergelassener Arzt gleichzeitig ein Unternehmer: Man muss planen und Praxiskräfte einstellen, sich selbst organisieren und die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen. Ich denke, Verwaltung, Organisation und Dokumentation werden im heutigen Zeitalter immer wichtiger. Deshalb erhoffe ich mir, in dem Masterstudiengang das nötige Rüstzeug mitzubekommen und möchte mir gleichzeitig die Option offenhalten, durch diese Weiterbildung später eventuell ein MVZ oder ein Krankenhaus zu leiten.

 

> Aus welchem Grund lohnt es sich, in der Allgemeinmedizin zu arbeiten?

Rebekka Gehringer: Ich sehe die allgemeinmedizinische Arbeit als Lebensbegleitung von Patienten, bei der nicht nur der medizinische Aspekt, sondern vielmehr ein holistischer Ansatz wichtig ist.

Florian Wolf: Was ich auch spannend finde, sind die eingeschränkteren Möglichkeiten bei Diagnostik und Therapie, die wir als Allgemeinmediziner im Vergleich zum hochtechnisierten Uniklinikum haben. Als niedergelassener Hausarzt kann man nicht einfach sagen „Na, dann machen wir eben ein CT“ oder „Wir nehmen noch einen teuren Laborwert ab“ oder „Ich gebe das Arzneimittel, das 20 000 Euro kostet, und schaue mal, ob es wirkt“. Aber trotzdem muss eine gute Patientenbetreuung gewährleistet werden. Außerdem ist es wichtig, ein Verhältnis zu seinen Patienten aufzubauen. Man muss lernen, einzuschätzen, inwieweit man einem Patienten vertrauen kann, dass er am nächsten Tag oder in einer Woche wiederkommt, wenn die Symptomatik schlimmer wird. Es ist aber auch wichtig, einzuschätzen, wann man damit leben kann, dass ein Patient nicht compliant ist.

Jörg Breitbart: Ich knüpfe direkt daran an und breche es mal auf einen bösen Vergleich runter: Die Allgemeinmedizin ist in meinen Augen lebens- und menschnäher als das Krankenhaus. Der Klinikapparat hat eine gewisse Form der Industrialisierung erfahren, bei der der Mensch ein Stück weit durchgereicht wird. Der Arzt hat kaum die Möglichkeit, mit dem Patienten auf einer tieferen Ebene zu interagieren, während man als Hausarzt die Möglichkeit hat, sehr nahe mit dem Patienten zu arbeiten und ihn auf einem längeren Lebensabschnitt mit einem holistischen Ansatz zu betreuen.

 

Allgemeinmedizin - Foto: Jörg Breitbart.

Schlüsselübergabe für eine eigene Praxis: Das Ziel jedes Allgemeinmediziners in der Weiterbildung.   Foto: Jörg Breitbart. 

 

> Was wünschen Sie sich für ihre Zukunft als Hausarzt?

Florian Wolf: Die Rahmenbedingungen sind momentan ausgezeichnet für Allgemeinmediziner. Wir verlieren jedes Jahr etwa 0,5% unserer Hausärzte, da diese in den Ruhestand gehen. Die Hausärzte sind in Deutschland im Durchschnitt 54 Jahre alt und für junge Ärzte ist die Zukunft natürlich rosig. Es wäre klasse, wenn die Bedeutung der Allgemeinmedizin auch bei den anderen Fachrichtungen mehr in den Vordergrund gerät, da das Gesundheitssystem auf eine funktionierende Primärversorgung angewiesen ist.

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