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  • Melissa Schmucker
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  • 23.03.2022

How to Integrierte

In Heidelberg ähnlich berüchtigt wie das Physikum: die Integrierten Klausuren. Ab dem zweiten Semester ist das Prüfungssystem neu aufgebaut. Welche Unterschiede bedeutet das für die Vorbereitung? Und welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus den Integrierten? Melissa erklärt es dir in diesem Artikel.

 

 

Statt die vorklinischen Fächer Histologie, Physiologie und Biochemie in separaten Prüfungen abzufragen, haben sich die Heidelberger Vorklinik-Dozierenden ein anderes System überlegt: Die Fächer werden in einer großen Klausur am Ende des Semesters gemeinsam geprüft. Dabei setzt sich eine Prüfung aus 30 Fragen pro Fach - also insgesamt 90 Fragen - zusammen. Während im zweiten Semester auch noch andere Fächer (Physik, PsychSoz und Humangenetik) in separaten Prüfungen abgefragt werden, schreibst du im dritten und vierten Semester tatsächlich nur eine einzige Klausur pro Semester. Dementsprechend bietet dir die erste Integrierte im zweiten Semester erstmal einen Einstieg in das neue System, weil hier noch nicht so viel Stoffmenge abgefragt wird wie dann in den folgenden Semestern. 

Warum haben sich die Dozierenden überhaupt für dieses Prüfungsformat entschieden? Immerhin bedeutet es auch einen organisatorischen Mehraufwand für die Institute. Die Vorklinik soll bestmöglich auf das erste Staatsexamen, das Physikum, vorbereiten. Seit vielen Jahren belegt Heidelberg nun schon einen der ersten Plätze im Physikumsranking Deutschlands. Die Integrierten Klausuren sollen dich durch ihre Länge (2,25h) und das Abprüfen mehrer Fächern parallel auf das Prüfungsverfahren des Staatsexamens vorbereiten. Leider sind die Heidelberger Dozierenden dabei etwas übermotiviert, sodass die Klausurfragen der Integrierten um einiges detaillierter sind als die Fragen des Physikums. Dadurch haben die Integrierten zwar nicht den allerbesten Ruf unter uns Studierenden, aber es würde auch niemand von der Hand weisen, dass es Sicherheit in Bezug auf das Examen gibt, wenn man die Integrierten besteht. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass du Defizite in einem Fach so ausgleichen kannst, dass du trotzdem bestehst. Nicht wenige Studierende haben z.B. mit Biochemie zu kämpfen. Vermutlich wäre hier die Durchfallquote höher, wenn das Fach getrennt von Anatomie und Physiologie geschrieben werden würde. Dadurch, dass du allerdings nur insgesamt (und nicht in jedem Fach einzeln) die 60% erreichen mussst, kannst du hier sehr von dem Integrierten Klausurformat profitieren, falls dir ein spezielles Fach schwerfällt. Natürlich kann man diesen Umstand aber auch in die andere Richtung auslegen: Zwar hättest du z.B. Histologie isoliert betrachtet bestanden, musst aber, wenn dein Gesamtergebnis unter 60% liegt, nochmal alle Fächer wiederholen. Es ist letztendlich Ansichtssache, ob du das integrierte System dem klassischen vorziehst. Ich persönlich mag das System und kann die meisten der oben genannten Aspekte als einen Vorteil für mich verbuchen. 

Wie bereitest du dich nun bestmöglich auf eine so umfangreiche Prüfung vor? 

Erst einmal ist es natürlich hilfreich zu wissen, welche Lernstrategien am besten für dich funktionieren. Bist du eher der Marathonläufer oder geht dir dann schon mitten im Semester die Puste aus, weswegen du eher einen Lernsprint bevorzugst? Wichtig für die Sprinter unter euch: Da der Lerndruck durch regelmäßige Fristen spätestens ab dem dritten Semester wegfällt, solltet du aufpassen, nicht zu spät anzufangen. Denn die Stoffmenge verringert sich nicht, sondern nur die Anzahl der Prüfungen, in der diese abgefragt wird. Es lohnt sich also, während des Semesters schon kontinuierlich mit- und nachzuarbeiten, damit sich am Ende nicht so viel aufstaut. Und ja, damit meine ich auch die Biochemie Praktika. Wirklich jedes Jahr werden einige Fragen zu den Biochemie Praktika gestellt, die du meist leicht beantworten kannst, wenn du die Praktika in der Klausurvorbereitung nicht vollkommen ignorierst. 

Außerdem kann ich dir die Heidelberger Repetitorien empfehlen, die immer kurz vor der Prüfung am Wochenende stattfinden. Hier werden nochmal die wichtigsten Fakten kurz zusammengefasst und der Fokus liegt auf den Lieblingsthemen der Dozierenden.  Sonst gilt natürlich: Kreuzen, kreuzen, kreuzen! Alles lernen hilft am Ende doch erstaunlich wenig, wenn du kein Gespür dafür bekommst, welche Fragen die Dozierenden stellen. Dir wird auffallen, dass einige Fragen wirklich fast jedes Jahr gestellt werden. Außerdem kannst du hier ganz gut einschätzen, wie viel Aufwand du noch in die Vorbereitung stecken musst.  Sich nur auf die Repetitorien und Altfragen zu verlassen, wäre jedoch sehr riskant. In unserer zweiten Integrierten wurde z.B. in Biochemie keine einzige Altfrage gestellt! 

Zuletzt noch ein Hinweis: Die Integrierte ist auch nur eine normale Klausur. Und obwohl viele großen Respekt vor den Integrierten haben, sind die Durchfallquoten niedrig. Nach zwei geschriebenen integrierten Klausuren kann ich dir sagen: Man kann sich gut vorbereiten und hat dennoch genug Freizeit für Freunde, Sport und Hobbys. Nach einem Stück Bananenbrot und einer Runde Wizard im Unicafe, fällt dir der Weg zurück in die Bib auch gleich viel leichter. 
 

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