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  • Interview
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  • Franziska Ippen
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  • 03.12.2013

Das Heidelberger Vorklinik Repetitorium

Anatomie, Physiologie, Biochemie – die Vorklinik gilt als anstrengende und besonders arbeitsintensive Phase des Medizinstudiums. Mit der immensen Stofffülle kommt nicht jeder Student zurecht. Doch zum Glück gibt es Hilfe: Das Heidelberger Vorklinik Repetitorium (HVR) begleitet Studenten erfolgreich bei der Prüfungsvorbereitung. Lokalredakteurin Franziska Ippen sprach mit Tutor Marius Keller vom HVR über die Besonderheiten des Repetitoriums und warum Medizinstudenten davon profitieren können.

Marius Keller - Foto: Privat

Marius Keller

> Marius, seit wann gibt es das Heidelberger Vorklinik Repetitorium und wie entstand es?

Die Idee von studentischen Repetitorien an der Medizinischen Fakultät Heidelberg kam bereits 2006 von Fabian Rengier und Björn Jacobi. Sie hatten damals vor allem die Fächer Anatomie, Biochemie und später auch Physiologie in getrennter Form zu einem Repetitoriumskonzept zusammengestellt. 2009 hat man dann versucht, einen Großteil der Vorklinik in einem Repetitorium zusammenzufassen. Das ist auch gelungen, nur die Anatomie besteht weiter als einzelnes Repetitorium hier an der Fakultät in Form vom Studentischen Anatomie-Repetitorium und Kompendium, kurz STARK genannt. Das HVR besteht mittlerweile aus einem Team von über 20 Tutoren und wir entwickeln uns ständig weiter. Beispielsweise haben wir erst vor einem Jahr ein neues Physikumsseminar ins Leben gerufen.

 

> Welche Studenten spricht euer Vorklinik-Repetitorium denn vor allem an?

Das Repetitorium ist vor allem für Studenten gedacht, die in der primären Lehre etwas auf der Strecke bleiben. Das sind zum Beispiel Studenten, die etwas langsamer lernen, nicht so sehr von audiovisuellen Präsentationen wie der klassischen Vorlesung profitieren und vor allem natürlich die leistungsschwächeren Studenten. Wir haben uns also vorwiegend auf die unteren 50% der Medizinstudenten konzentriert und unser Ziel war es, diesen Studenten erfolgreich durch die Prüfungen zu helfen. Mittlerweile können wir uns aber an einem sehr breiten Publikum erfreuen. Während der Klausurvorbereitungszeit können wir oft sogar über 80% der vorklinischen Studenten in unseren Repetitorien begrüßen.

 

> Ist euer Projekt rein studenten- oder auch dozentengeleitet?

Sowohl die Idee als auch das Konzept des HVR wurden vollständig von Studenten entwickelt. Angefangen von der Organisation bis zur Konzeption der Inhalte des Repetitoriums wird alles von Studenten aus überwiegend höheren klinischen Semestern realisiert. Das ganze Konzept entsteht allerdings in enger Absprache mit der Lehrkoordination der vorklinischen Institute und wird von diesen letztendlich auch immer abgesegnet. Bei eigenen Ideen und Impulsen wurden uns allerdings noch nie Steine in den Weg gelegt.

 

> Wie ist das HVR organisiert?

Wir wählen und bilden unsere Neututoren selbst aus, legen unsere Qualitätsstandards selbst fest, bewerben unsere Veranstaltungen selbständig und wir sorgen auch völlig individuell für eine Evaluation des Kurses. Da die Konzeption also vollkommen in studentischer Hand ist, sind wir nicht unbedingt direkt an den universitären Betrieb angeschlossen. Selbstverständlich wollen die Lehrkoordinatoren immer genau wissen, was bei uns passiert und wie die Veränderungen, die wir angehen, greifen. Hierbei versuchen sie uns konstruktiv Hilfe zu leisten. Beispielsweise erhalten wir Vorschläge für potenziell geeignete Tutoren. Sollte ein Student in einem Seminar oder in einem Referat positiv auffallen, dann gehen Lehrkoordinatoren oder vorklinische Dozenten auf diese Studenten zu und fragen, ob sie denn Interesse haben, an unserem Projekt teilzuhaben und leiten uns diese Vorschläge dann weiter. Wir schauen uns die Tutoren dann an und entscheiden, ob sie ins Team passen oder nicht.

 

> Wie muss man sich den typischen HVR-Tutor vorstellen?

Der typische HVR-Tutor ist selbstverständlich immer gut drauf, motiviert und hat unglaublich viel Spaß an Lehre. Leider ist der typische HVR-Tutor in den letzten Jahren fast auch immer männlich (lacht). Das liegt daran, dass wir im Moment leider nur drei aktive Tutorinnen haben, was wir in Zukunft aber ändern möchten. Zudem sollte ein HVR-Tutor im klinischen Studienabschnitt, idealerweise in den Semestern 7-9 sein und gute bis sehr gute Prüfungsleistungen vorzuweisen haben. Meistens sind HVR-Tutoren aufgrund ihrer Begeisterung für die Lehre auch in anderen Fächern als Lehrende aktiv, zum Beispiel als Präparationsassistent, Histologie-, Sonographie- oder Radiologie-Tutor.

 

> Auf welche Lehrmethoden greift ihr im HVR zurück?

Im Prinzip haben wir drei verschiedene Lehrkonzepte im HVR. Das klassische und am meisten vertretene ist das Vorlesungskonzept. Das bedeutet ein Tutor bereitet selbständig eine oder mehrere Lerneinheiten vor und trägt diese dann vor einem Gesamtpublikum von bis zu 200 Studenten vor. Dabei versucht er natürlich, so gut es geht, das Publikum interaktiv miteinzubinden. Das zweite Konzept – die Live-Mikroskopie gepaart mit Parallelvorträgen – verwenden wir seit über einem Jahr im Rahmen unseres Histologie-Repetitoriums. Wir tragen dabei histologische Inhalte vor, mikroskopieren die dazugehörigen Präparate gleichzeitig vor und versuchen, die Lernziele abschließend in Form eines Quiz mit dem Publikum abzugleichen. Wir möchten dadurch sehen, ob unsere Inhalte greifen. Wenn das nicht der Fall ist, können wir ggf. Nachmikroskopieren und weiteren Fragen auf den Grund gehen. Das dritte Lehrkonzept, dass sich jetzt für eine kleine Kohorte im Rahmen der Frühjahrs-Physikumsvorbereitung etabliert hat, ist ein Kleingruppenseminar, in dem einzelne Tutoren mit ca. 25 Studenten die relevanten Themen erarbeiten. Die Tutoren stehen dabei natürlich auch bei Fragen zum Thema Lernplanerstellung oder Prüfungsstressbewältigung zur Verfügung.

 

> Was unterscheidet euch eigentlich von STARK?

Im Prinzip eigentlich nur die Fachkompetenz. Die Kollegen von STARK gestalten ein eigenes Repetitorium über die Anatomie, während es unsere Aufgabe ist, die anderen großen vorklinischen Fächer abzudecken. Viel wichtiger ist aber, was wir mit STARK gemeinsam haben, nämlich die Grundidee von studentisch geleiteten Repetitorien. Zudem muss man fairerweise sagen, dass das Konzept von STARK ein Jahr älter ist als unseres. In der Folge haben wir erst gar nicht versucht, die beiden unterschiedlichen Kerngebiete im Rahmen des HeiCuMed-Curriculums zusammenzulegen, sondern fahren die Veranstaltungen weiterhin getrennt und kooperieren, wo es nur geht. Beispielsweise übernehmen die Kollegen von STARK unsere anatomischen Anteile im Physikumsseminar und wir organisieren gemeinsam das Physikumsrepetitorium für die Kohorte im Herbst.

 

> Wie sieht es mit der Finanzierung eures Projekts aus? Gibt es spezielle Förderer dafür?

Hier müssen wir nochmal einen kleinen Rückblick in die Geschichte des HVR wagen. Zum Gründungszeitpunkt wurden die „Reps“ noch von Studiengebühren finanziert, da diese ja hauptsächlich in die Verbesserung der studentischen Lehre einfließen sollten. Heutzutage finanzieren wir uns aus Studiengebührenersatzmitteln des Landes, die in Heidelberg Qualitätssicherungsmittel in der Lehre heißen. Das funktioniert so: Wir verfassen Anträge, die von den Lehrkoordinatoren der vorklinischen Institute unterstützt und an die Studienkommission weitergeleitet werden. Diese entscheidet dann über unser Schicksal. Da wir nur studentische Tutoren sind und dementsprechend auch nur studentisch vergütet werden, ist unser  Projekt aber verglichen mit anderen Lehrveranstaltungen relativ günstig. Daher erhalten wir meistens sehr wohlwollend Antragszuzahlungen von der Studienkommission.

 

> Welche Materialien finanziert ihr unter anderem von dem Geld?

Grundsätzlich haben wir so gut wie keine Materialkosten. Verbrauchsmittel wie Plakate oder Evaluationsbögen können wir über die vorklinischen Institute direkt beziehen. Für alles andere haben wir noch einen kleinen Reinvestitionssatz, von dem wir z.B. vor kurzem ein paar Powerpoint-Klicker angeschafft haben.

 

> Wir stellt ihr euch die Zukunft des Repetitoriums vor? Gibt es Pläne für bestimmte Neuerungen?

Wir haben natürlich jede Menge neuer Ideen und arbeiten ständig daran, die besten davon herauszukristallisieren und in die Tat umzusetzen. Auf diese Weise konnten wir auch Veranstaltungen wie unser interaktives Histologierepetitorium und unser Physikumsseminar im Frühjahr verwirklichen. Konkret haben wir derzeit den Wunsch, unsere Veranstaltung noch interaktiver zu gestalten. Wir möchten beispielsweise ein TED-System, also ein elektronisches Abstimmungssystem, anschaffen, um in Zukunft direkt darstellen zu können, wie die von uns vermittelten Lernziele bei den Studenten angekommen sind – zum Beispiel in Form von Multiple Choice Fragen. In der Folge können wir versuchen, die Veranstaltung mit den aufgenommenen Daten zu optimieren und unsere Schwachstellen herauszuarbeiten, damit wir wissen, was wir  noch besser vermitteln müssen.

 

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