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  • Martin Brünger
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  • 03.08.2006

Alt Heidelberg, du Feine

"Alt Heidelberg, du Feine, Du Stadt an Ehren reich, Am Neckar und am Rheine Kein' andre kommt dir gleich." So lauten die berühmten Worte Joseph Victor Scheffels. Wie ist Heidelberg entstanden und hat es zur weltweiten Berühmtheit geschafft?

Bis zur Stadtgründung

Bereits in vorchristlicher Zeit war Heidelberg besiedelt. Ringwälle auf dem Heiligenberg zeugen heute von den Niederlassungen der Kelten. Die Römer bauten eine hölzerne Brücke zwischen Neuenheim und Bergheim. In eine ganz andere zeitliche Dimension ist der Homo heidelbergensis einzuordnen. Das bei Heidelberg gefundene Skelett ist etwa 600.000 Jahre alt und gilt damit als ältester Nachweis menschlichen Lebens in Mitteleuropa. Das Original befindet sich im Paläontologischen Institut der Uni, eine Kopie kann im Kurpfälzischen Museum bestaunt werden.

 

Denkmal für römische Brücke - Foto: M. Brünger

Im frühen Mittelalter kam es zu ersten Klostergründungen auf dem heutigen Stadtgebiet, Ruinen von St. Michael und St. Stephan sind noch auf dem Heiligenberg zu sehen. 1198 schließlich wurde Heidelberg unter Konrad von Hohenstaufen, einem Halbbruder des Kaisers Friedrich I. Barbarossa, erstmals urkundlich erwähnt. Andere heutige Heidelberger Stadtteile wie Handschuhsheim, Neuenheim und Ziegelhausen sind wesentlich älter.

Blütezeit und Abstieg

Die Heidelberger Kurfürsten konnten in der Folgezeit enorme politische Macht gewinnen. So hatten sie die Kurwürde inne, also das Recht, den deutschen Kaiser mitzuwählen. Stolze Residenz war das Schloss, welches im Laufe der Jahrhunderte ausgebaut wurde. In seinem Keller findet sich ein Weinfass mit einem Fassungsvermögen von 221.726l! 1386 gründete Ruprecht I. mit päpstlicher Genehmigung die Heidelberger Universität, nach Prag und Wien die drittälteste deutschsprachige und nun die älteste Universität der Bundesrepublik. Heidelberg wurde zum Zentrum des Humanismus in Deutschland.

 

Schloss Heidelberg - Foto: M. Brünger

Das 17. Jahrhundert traf Heidelberg hart: "Winterkönig" Friedrich V., der 1613 mit der englischen Königstochter Elisabeth Stuart verheiratet wurde, unterlag in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag dem Kaiser Ferdinand II., in den nachfolgenden Wirren des Dreißigjährigen Kriegs starben rund drei Viertel der Heidelberger Bevölkerung. 1689 und 1693 schließlich wurde Heidelberg von den Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg dem Erdboden gleich gemacht. Daher sind die meisten Gebäude - eine Ausnahme stellt beispielsweise der Marstall dar - in der Altstadt heute aus der Zeit des Barocks. Der mittelalterliche Grundriss der Stadt blieb allerdings weitgehend erhalten.

 

Altstadt vom Philosophenweg aus betrachtet - Foto: M. Brünger

Die politische Bedeutung Heidelberg minderte sich weiter im 18. Jahrhundert, als die Kurfürsten ihre Residenz nach Mannheim verlegten. 1803 fiel die Kurpfalz samt Heidelberg an die Markgrafenschaft Baden (ab 1806 Großherzogtum Baden) und verlor somit die Unabhängigkeit.

Romantik

Die Epoche, mit der Heidelberg heutzutage am ehesten in Verbindung gebracht wird, ist die Romantik. Anfang des 19. Jahrhunderst kamen eine Reihe von berühmten Persönlichkeiten nach Heidelberg, die sich u.a. von der größten deutschen Schlossruine inspirieren ließen. Dazu gehören der Philosoph Friedrich Hegel und die Lyriker Clemens Brentano, Achim von Arnim, Joseph Freiherr von Eichendorff und Friedrich Hölderlin, in dessen Gedicht "Heidelberg" er von "Du der Vaterlandsstätte Ländlichschönste, so viel ich sah" schrieb. Auch die erste romantische Oper, der Freischütz von Carl Maria von Weber, entstand in diesem Umfeld. In der Malerei sind die einheimischen Künstler Carl Philipp Fohr, Karl Rottmann und Ernst Fries zu nennen.

 

Goethe-Denkmal im Schlossgarten - Foto: M. Brünger

Das 20. Jahrhundert

Im 2. Weltkrieg blieb Heidelberg als eine der wenigen deutsche Städte von alliierten Bombenangriffen weitgehend verschont. So stellt der Tourismus heute eine wichtige Säule für die Heidelberger Wirtschaft dar. Ein anderer wichtiger Zweig ist die Biotechnologie mit zahlreichen Firmen im Technologiepark. Bedeutende Unternehmen mit Sitz in oder bei Heidelberg sind MLP und SAP, aber auch Verlage wie Springer oder Spektrum haben hier Standorte.
Berühmt ist Heidelberg außerhalb Deutschlands vor allen in den USA. Gründe sind neben der romantischen Ausstrahlung und der renomierten Universität auch die alljährlichen Aufführungen des "Student Prince", der in den 20er Jahren das erfolgreichste Broadway-Musical war. Sicherlich spielen auch Mark Twains Gedanken eine Rolle, die er nach seinem dreimonatigen Aufenthalt in Heidelberg 1878 festhielt:
"Man glaubt Heidelberg - mit seiner Umgebung - bei Tage sei das Höchstmögliche an Schönheit; aber wenn man Heidelberg bei Nacht sieht, eine herabgestürzte Milchstraße, an deren Rand jenes glitzerndes Sternbild der Eisenbahn geheftet ist, dann braucht man Zeit, um sich das Urteil noch einmal zu überlegen."

Links

Geschichte Heidelbergs - Virtuelle Fachbibliothek der UB

Geschichte der Kurpfalz - Linksammlung

Uni Heidelberg - Institut für Fränkisch-Pfälzische Landeskunde

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