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  • Anne Schneider
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  • 26.01.2016

iMed für Neulinge – eine lohnenswerte Herausforderung

Ein Leuchten in den Augen, ein Lächeln im Gesicht - und ein Stein auf dem Herzen. So oder so ähnlich fühlen sich wohl die meisten Medizinstudenten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wenn sie den Campus zum ersten Mal betreten. Was erwartet mich hier? Bin ich der Herausforderung gewachsen? Und was ist eigentlich iMed?

© zinkevych-Fotolia.com

Als ich an meinem ersten Unitag das erste Mal Richtung Hörsaal laufe, fühle ich mich schon ein wenig beklommen. 1000 Fragen schießen mir durch den Kopf. Wie werden meine Kommilitonen sein? Was ist tatsächlich dran an dem Gerücht, dass man im Medizinstudium keine Freizeit mehr hat, weil man nur noch für die Prüfungen lernen muss?

Zum Glück haben Dozenten des Prodekanats für Lehre und studentische Mitglieder des Fachschaftsrats ein Programm für die ersten beiden Oktoberwochen vor dem eigentlichen Start des Studiums entwickelt, um den Neuankömmlingen den Einstieg zu erleichtern. Während dieser Orientierungseinheit finden abwechselnd Informations- und Unterhaltungsveranstaltungen statt, in denen die Studenten einerseits ihre Kommilitonen und andererseits den Studiengang besser kennenlernen.

Letzterer nennt sich „iMed“ und weicht in seinem Aufbau stark von den gewöhnlichen Regelstudiengängen ab. Jedes Semester ist entweder in zwei oder drei Module aufgeteilt. In jedem Modul wird ein Themenblock fächerübergreifend bearbeitet. Unter anderem bedeutet das, dass von Anfang an sowohl vorklinische als auch klinische Anteile vermittelt werden. Ein Beispiel ist der erste, sechswöchige Studienabschnitt mit dem Themenkomplex „Anatomie und Bewegungsapparat“.

Wie der Name bereits erahnen lässt, dreht sich hier alles um den Aufbau des menschlichen Körpers, z.B. um Knochen, Muskeln, Bewegungsabläufe, Nervenübertragung und Blutversorgung. Dabei stellt das Fach Anatomie selbstverständlich den Hauptteil des Stundenplans und der Prüfung dar. Man lernt jedoch nicht nur theoretisch mit Büchern, sondern präpariert die anatomischen Strukturen schon ab der ersten Woche eigenhändig an Körperspendern. So wird gewährleistet, dass man die menschliche Anatomie nicht nur auswendig herunterbetet, sondern sie auch am Körper erkennen und erklären kann.

Abgesehen davon werden im ersten Modul Physiologie und Soziologie unterrichtet, daneben auch Terminologie, Physik und klinische Fächer wie Orthopädie und Chirurgie. Ich persönlich habe mich bewusst für den Hamburger Modellstudiengang entschieden und finde die Idee, medizinische Themenbereiche fächerübergreifend zu unterrichten, grundsätzlich gut und sinnvoll. Auch die Inhalte sagen mir sehr zu und werden meist anschaulich und verständlich vermittelt. Allerdings fallen mir auch ein paar Schattenseiten auf, beispielsweise die sehr unterschiedlichen Reihenfolgen, in denen der Lernstoff in den verschiedenen Lehrveranstaltungen vermittelt wird.

So beginnt man zum Beispiel im Präparierkurs mit der Haut und der Skelettmuskulatur des Menschen, während parallel dazu Vorlesungen zu Knochen und Gelenken gehalten werden. Vielen Studienanfängern fällt es dadurch schwer, eine effektive Lernstruktur für sich herauszufinden und sich nicht von der Flut an unterschiedlichen Informationen überrollen zu lassen.

Doch nicht verzweifeln! Man wächst in das ungewohnt hohe Lernpensum hinein. Um nicht die Hoffnung zu verlieren, unterstützen oft schon kleine Helfer im Alltag, wie ein aufbauendes Gespräch mit einem Freund oder auch kleine Notizzettel mit der Aufschrift „ich schaffe das“.. Also: Nur Mut, liebe zukünftige Mediziner: ihr werdet unglaublich stolz auf euch sein, wenn ihr die erste Prüfung geschafft habt!

 

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