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  • Vanessa Napierski
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  • 13.08.2012

Modellstudiengang "iMED" geht an den Start

"Zu wenig praxisorientiert, zu langatmig und oft frustrierend." So beschreiben viele Medizinstudenten den ersten Teil ihres Studiums. Hier wurden bisher die theoretischen Grundlagen des späteren ärztlichen Handelns vermittelt - häufig jedoch ohne viel Praxisbezug. Die Uni Hamburg tut jetzt etwas dagegen und führt den Modellstudiengang iMED ein. Vanessa erklärt euch, wie er funktioniert.

Viele Studenten tun sich schwer damit, erst zwei Jahre lang Faktenberge im "Telefonbuchformat" auswendig lernen zu müssen, ehe sie den ersten Patienten zu Gesicht bekommen. Aufgrund des für Hamburg spezifischen Trimestersystems stehen die Studenten zudem vor bürokratischen Hürden, wenn sie als PJler, Famulant oder gar als Uni-Wechsler ihren Studienort ändern wollen. Schwerpunktsetzungen nach persönlicher Interessenlage sind innerhalb des Studiums nur sehr begrenzt und auch erst in späteren Studienphasen möglich.

 

Kritisches Hinterfragen ausdrücklich erwünscht!

Dass dies nicht gerade zur Studienzufriedenheit beitrug bemerkte auch die Medizinische Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Mit "IMED" startet sie nach den Hochschulen in Berlin, Heidelberg und Hannover ihren eigens konzipierten "Integrierten Modellstudiengang Medizin Hamburg". Der wissenschaftlich orientierte Modellstudiengang soll laut UKE die "kritisch-fragende Haltung" der Studierenden fördern, ihr "Problem-und Methodenbewusstsein schärfen" sowie "zur Strukturierungsfähigkeit und Selbstständigkeit anleiten".

 

Theorie und Praxis – vom 1. Tag an

Die enge Vernetzung von Theorie und Praxis zieht sich vom ersten Semester an durch den gesamten Studienverlauf. Neben fundierten theoretischen Grundlagen stehen die Vermittlung praktischer Kompetenzen sowie der Ausbau von Sozialkompetenzen auf dem Lehrplan. Der Studienverlauf bietet den Studenten zukünftig ein sinnvolles Maß an Mobilität, so dass Teile des Studiums auch andernorts absolviert werden können.

 

Vorbild: Bachelor

Die medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung besteht aus Bachelor-ähnlichen Modulen und gliedert sich in einen verpflichtenden Kern- und einen Wahlbereich. Die Themen der Modulblöcke lauten beispielsweise "Unfall & Bewegungsapparat", dazu kommen Lehrveranstaltungen aus den Bereichen der Traumatologie und der Perioperativen Medizin. Oder es geht um die "Entwicklung des Lebens" mit ergänzenden Lehrangeboten aus Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie der Kinder- und Jugendmedizin.

 

Was anfangs auf dem Plan steht

Zu Beginn der medizinischen Ausbildung sollen die Studierenden ein Verständnis für grundlegende Körperfunktionen auf mikroskopischer, makroskopischer und molekularer Ebene entwickeln. Die Erstversorgung medizinischer Notfälle sowie der Erwerb psychosozialer Kernkompetenzen fließen als klinisch-praktische Anteile mit in den Lehrplan ein. In den folgenden Semestern werden unter dem Motto " Krankheitsentstehung, Krankheitserregern und Therapieprinzipien" die häufigsten Krankheitsbilder bearbeitet. Kenntnisse in körperlichen Untersuchungstechniken und Anamnese werden ebenso vermittelt wie die labortechnische und röntgenologische Basisdiagnostik. Ergänzend dazu wird der professionelle Umgang mit speziellen Patientengruppen trainiert. Die letzten Semester beschäftigen abschließend sich mit den Themen "Krankheit - Differentialdiagnostik und -therapie, Prävention, Rehabilitation und Versorgung".

 

Praxisnah: wissenschaftliches Arbeiten

Der Wahlpflichtbereich orientiert sich am Forschungsprofil der Fakultät und dient der Schwerpunktbildung innerhalb des Studiums. Die Studierenden haben die Möglichkeit, das wissenschaftliche Arbeiten "von der Pieke auf" zu lernen und ihr Wissen in den Bereichen der Neurowissenschaften, der Herz-Kreislauf-, Tumor- und Entzündungsforschung sowie in der Versorgungsforschung praktisch anzuwenden. Während des Studienverlaufs sollen die Studenten drei verschiedene sogenannte "Second Track"-Themengebiete näher kennenlernen und so die Gelegenheit bekommen, in potenziell interessante Themengebiete tiefer einzutauchen.

 

Den Menschen hinter dem Patienten erkennen

Die Anforderungen an die Studierenden steigen während der zwölf Semester stetig an. Sie reichen vom wissenschaftlichen Verständnis des gesunden Körpers über die Krankheitsentstehung und die ärztliche Diagnosestellung bis hin zur therapeutischen Intervention. Die Studienstruktur sieht dabei vor, dass die praktischen Anteile im Verlauf der Ausbildung einen immer größeren Raum einnehmen. Dazu gehört auch die Vermittlung eines interdisziplinären Krankheitsverständnisses. Krankheit und Leiden sollen vor dem Hintergrund verschiedener Lebensphasen und soziokultureller Herkunft der Patienten reflektiert werden und den Studenten eine differenzierte Betrachtung und Einordnung von Erkrankungen ermöglichen.

 

Lernen und Prüfung

Bestandteile der reformierten "Lernumgebung" sind ein interdisziplinär gestalteter Lernzielkatalog und die interaktive iMED-Lernplattform. Das medizinische Trainingszentrum "MediTreFF" soll auf den Klinikalltag vorbereiten und bietet den Studierenden die Möglichkeit klinisch-praktische Fertigkeiten und Fähigkeiten zu trainieren. Der Prüfungsmodus des Reformstudienganges beinhaltet sogenannte Modulabschlussprüfungen und eine "Physikums-ähnliche" mündliche Zwischenprüfung. Die Befähigung zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten wird am Ende des zehnten Semesters durch das Anfertigen einer Studienarbeit belegt. Studienbegleitend kann zudem die Promotion zum Dr.med. erfolgen.

 

Gespielte Patienten

Auch das bewährte Simulationspatientenprogramm - bei dem speziell ausgebildete Laienschauspieler als Patienten auftreten - findet seinen Platz im reformierten Studiengang. Das UKE-eigene Mentoringprogramm wurde um das zielgruppenspezifische PLUS-Programm für Studierende mit Lernschwierigkeiten und das Exzellenzprogramm für Studierende mit besonderem Forschungsinteresse erweitert.

 

Zeugnisnoten: nicht so wichtig

Bei der Bewerbung für den neuen Modellstudiengang zählen übrigens nicht nur gute Noten. Der Tatsache, dass ein sehr gutes Abiturzeugnis alleine noch keinen guten Arzt macht, wird durch "HAM-NAT" und "HAM-INT" Rechnung getragen. Durch gute Ergebnisse im Naturwissenschaftstest "HAM-NAT" sowie in den Kurzinterviews zur psychosozialen Kompetenz "HAM-INT" kann die Abiturnote eine Aufwertung erfahren und so Vorteile bei der Studienplatzvergabe mit sich bringen.

 

Weitere Infos

Für weitere Infos besuchen Sie die Homepage der UKE

 

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