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  • Bericht
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  • Text + Bilder Anne Schneider
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  • 11.01.2017

Hamburg, meine Perle

Du überlegst noch, ob du die sechs Jahre deines Medizinstudiums in Hamburg verbringen möchtest? Dann findest du hier die wichtigsten Vor- und Nachteile eines Studentenlebens in Hamburg.

 

 

Hamburg, du wunderschöne Stadt. An erster Stelle zu nennen und wahrscheinlich durch fast jeden Einheimischen, Reisenden und Zugezogenen bestätigt: Hamburgs malerisches Stadtbild. Ob der an der Alster gelegene Jungfernstieg, der Elbstrand, der Park „Planten un Blomen“ oder die Hafencity – Hamburg ist unheimlich ästhetisch und vielfältig.

Auch was die Freizeitaktivitäten betrifft, ist für jeden etwas dabei: Während die einen gerne in Geschäfte, Bars oder Clubs gehen, erfreuen sich andere am reichhaltigen Kulturprogramm. Allseits bekannte Paradebeispiele hierfür sind das Miniaturwunderland und das Musical „Der König der Löwen“.

Leider hat die Attraktivität einer Stadt auch ihre Schattenseiten. Weil Hamburg immer mehr Menschen anzieht, sind die Mieten in vielen Stadtteilen immens hoch und die Wohnungs- oder Zimmersuche ist oft lang und nervenaufreibend. Aus diesem Grund ist es für Studenten keine Seltenheit, täglich mindestens eine Stunde zu investieren, um zur Uni und zurück zu fahren. Allerdings ist das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel gut ausgebaut, so dass die Busse und Bahnen meist regelmäßig und mit zügigem Anschluss fahren.

 

Selbstverständlich ist nicht nur die Stadt selbst bei der Wahl des Studienortes entscheidend, sondern auch die Uni – schließlich verbringt man hier einen beträchtlichen Teil seiner Zeit. Mich hat unter anderem der Modellstudiengang gelockt. Die naturwissenschaftlichen Grundlagen muss man natürlich zu Anfang genauso pauken wie an anderen Unis, aber es wird versucht, sie ab und zu in einen klinischen Kontext zu betten. Ob der Unterricht dadurch weniger trocken ist, empfindet jeder Student anders, aber zumindest bemühen sich viele Dozenten, die Vorklinik ein wenig klinischer zu gestalten.

Der Modellstudiengang kann aber auch Nachteile haben, z. B. wenn man in eine andere Stadt wechseln möchte, in der nach dem Konzept des Regelstudienganges unterrichtet wird.


Ein Manko ist für mich, dass man als Hamburger Medizinstudent abgeschottet ist von allen anderen Fachrichtungen – ausgenommen die Zahnmediziner, die allerdings separat unterrichtet werden. Quasi alle Veranstaltungen finden am Universitätsklinikum Eppendorf, kurz UKE, statt, und nicht am Hauptcampus. Der Vorteil: Der Weg von einer Unterrichtsveranstaltung zur nächsten ist sehr überschaubar. Der Nachteil: Wenn man nicht gerade in einer „gemischten“ WG wohnt oder beispielsweise eine Mannschaftssportart betreibt, kann es schwierig sein, Kommilitonen kennenzulernen, die nicht auch gerade an Anatomie oder Biochemie verzweifeln. Außerdem sind (zumindest in meinem Jahrgang) nur circa die Hälfte der Studenten Wahlhamburger. Daher haben die „Einheimischen“ oft noch ihren alt eingesessenen Freundeskreis, wodurch es manchmal schwierig ist, sich einen neuen Bekanntenkreis aufzubauen mit Leuten, die anfangs ähnlich aufgeschmissen sind wie man selbst und Lust haben, ihre neue Umgebung zu erkunden. Dieser Umstand hat aber natürlich den großen Vorteil, dass viele Kommilitonen die große Stadt schon kennen und gerne ein paar neue Facetten Hamburgs zeigen oder andere wertvolle Tipps geben.


Ebenfalls wissenswert ist, dass man immer nur zum Wintersemester mit dem Medizinstudium beginnen kann. Die Jahrgänge sind dabei immer recht groß; pro Jahr fangen ungefähr 380 Erstsemester an. Folglich herrscht viel Anonymität, sowohl unter den Studierenden als auch gegenüber den Dozenten. Auch das empfinden manche als Fluch und andere als Segen.


Ein weiterer Punkt, der bei einigen Abiturienten für das Studium in Hamburg spricht, ist das Auswahlverfahren: Zwar werden immer noch zwei Fünftel der Bewerber über die Abiturbestenquote beziehungsweise die Anzahl ihrer Wartesemester ausgesucht, aber immerhin die restlichen sechzig Prozent erhalten ab einem Notendurchschnitt von ungefähr 1,9 (die Grenze variiert jährlich, je nach Bewerberanzahl) die Möglichkeit, am HamNat teilzunehmen. Durch dieses Testverfahren wird zumindest einigen Bewerbern die Chance auf einen Medizinstudienplatz gegeben, wenn sie sich in den Naturwissenschaften gründlich vorbereiten oder ausreichendes Wissen aus der Oberstufe mitbringen.

 

Insgesamt bietet das Medizinstudium in Hamburg also eine breite Vielfalt. Wer sich in Großstädten wohl fühlt oder als „geborener Kleinstädter“ gern Teil einer pulsierenden Metropole werden möchte, ist hier sicher gut aufgehoben. Und ganz nebenbei: Das Klischee, dass es hier immer verregnet und grau ist, wird natürlich oft von warmer Sonne überstrahlt ...

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