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  • Bericht
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  • Josefin Umpfenbach
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  • 23.05.2011

Tatort Skills Lab

Wenn ahnungslose Famulanten auf unschuldige Patienten losgelassen werden, kann so einiges schiefgehen. Um dies zu verhindern, wurde das "Skills Lab" eingerichtet. Hier können die Studenten unter Anleitung von Tutoren verschiedene Trainingsstationen durchlaufen. Josefin berichtet.

Kröllwitz, 07.34 Uhr: Erneut hat der Täter, den die Ermittler nur "den Famulanten" nennen, zugeschlagen.

Er hinterließ zahlreiche verängstigte Opfer mit diversen Stichverletzungen an den oberen Extremitäten, zwei sogar an den Füßen. Das klinische Personal musste die dadurch herbeigeführten, zum Teil eigroßen Hämatome, versorgen.

"Der Famulant" scheint kein Einzeltäter zu sein. Meist schleicht er mit seinen Komplizen unauffällig über die Krankenhausflure bis er schließlich zuschlägt. Auf Anfrage unserer Zeitung gegenüber beteuerten die Täter ihre Unschuld. Sie wollten niemanden etwas Böses, sie wussten es nur nicht besser.

Zum Verhindern des oben beschriebenen "Tatvorgangs" riefen verschiedene Unis vor einigen Jahren das Skills Lab ins Leben, um Medizinstudenten die wirklich grundlegenden Fertigkeiten auf Station am Modell beizubringen und somit das manchmal viel zu staubige Medizinstudium etwas praktischer zu gestalten.

Das Skills Lab ist ab diesem Semester (Stand 2011) auf der ITS der alten Chirurgie in der Magdeburger Straße, einigen vielleicht bekannt durch das Teddybärkrankenhaus, zu finden. Die ersten sechs Stationen werden zunächst für das achte und eventuell zehnte Semester bereit stehen.

Jeden Dienstag von 13:30 - 19:30 Uhr können die Studenten dann unter der Anleitung von Tutoren folgende Trainingsstationen durchlaufen:

Bei den einzelnen Stationen wird vor allem auf ein klar strukturiertes Vorgehen nach Pflegestandards Wert gelegt. Die Studenten sollen dadurch lernen, ihre Aufgaben auf Station während diverser Praktika zu bewältigen. Für die kommenden Monate ist ein weiterer Ausbau der Stationen geplant, wie zum Beispiel die Erweiterung auf die "Disziplinen schlechthin": das Blutabnehmen und das Flexülenlegen.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung Redaktion der Hallenser Medizinstudenten-Zeitschrift "Stethoskop".


Pressemitteilung der Uni Halle:

Lernklinik für hallesche Medizin-Studierende - Ärztealltag an Spezialpuppen üben

Praktische Erfahrungen sind für angehende Mediziner unerlässlich, aber die vermeintlich „einfachen“ Handhabungen des alltäglichen Arztseins wurden bisher im Rahmen des Studiums aufgrund der steigenden theoretischen Inhalte nicht intensiv genug vermittelt. Doch das ändert sich mittlerweile in Deutschland.

Skills Lab Halle - Foto: Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Uni Halle-Wittenberg

An der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität wird eine Lernklinik, auch Skills Lab genannt, eingerichtet. Im Gebäude der alten chirurgischen Klinik (Magdeburger Straße 16) wurde eine Übungsstation etabliert. Zwar lernen die Studierenden nicht an „echten“ Patienten, dafür aber an schmerzunempfindlichen, lebensechten Puppen. Es fließt sogar Blut! Hier kann im geschützten Rahmen immer wieder geübt werden, bis jeder Handgriff sitzt – ohne Patienten zu belasten.

„Wir können damit die Ausbildungsbedingungen für die Studierenden deutlich verbessern“, sagt Professor Dr. Dieter Körholz, Studiendekan der Fakultät. Das Studium werde durch die Lernklinik deutlich praxisnaher und die Übungen am Patientenbett werden nicht mit dem Trainieren von interdisziplinären Basisfertigkeiten belastet.

Derzeit werden sechs Übungsstationen auf etwa 500 Quadratmeter für die Studierenden im achten Semester angeboten: Bluttransfusion, Legen eines Blasenkatheters, Injektionen, Infusionen, EKG/Monitoring sowie Vitalfunktionen/Reanimation. In zwei weiteren Ausbaustufen wird die Lernklinik auf mindestens 24 Übungsstationen ausgedehnt. Der Unterricht erfolgt dabei in Kleinstgruppen von zwei bis vier Studierenden. Künftig sollen je nach Semester zunehmend anspruchsvollere Fertigkeiten standardisiert gelernt werden.

 

Skills Lab Halle - Foto: Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Uni Halle-Wittenberg

 

Bis zum Ende des Jahres 2011 sollen zwölf standardisierte Trainingsstationen existieren, ein Jahr später soll eine Verdopplung erreicht werden. Dabei soll es auch Patientenzimmer geben, in denen von den Studierenden „Schauspielpatienten“ behandelt werden müssen. Denn neben den „handwerklichen“ Fähigkeiten steht immer mehr die Kommunikation zwischen Arzt und Patient im Vordergrund der Ausbildung.

Das „normale“ Krankenzimmer erhält Bett, Liege und Überwachungsmonitor. Durch eine verspiegelte Scheibe können Tutoren und Studierende im Nebenraum das Gespräch zwischen angehenden Arzt und Schauspiel-Patienten verfolgen und anschließend auswerten.

„Auch professionelle und dennoch empathische Patientengespräche sind wichtige Basisfertigkeiten und Faktoren für die Genesung“, sagt Dr. Andreas Fichtner. Diese Kommunikation soll in der Lernklinik ebenso geübt werden. Die Studierenden sollten auch Angehörigengespräche sowie die Übermittlung schlechter Diagnosen trainieren.

 

Skills Lab Halle - Foto: Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Uni Halle-Wittenberg

 

Das Projekt kostet im ersten Jahr etwa 200.000 Euro und wird durch die Medizinische Fakultät finanziert. Geleitet wird die Lernklinik durch Dr. Andreas Fichtner, ihn unterstützen mehrere Tutoren (Studierende aus höheren Semestern sowie erfahrene Pflegende), die didaktisch und thematisch geschult worden sind. Ab Herbst werden in der Lernklinik weitere Übungseinheiten eröffnet. Die „Endausbaustufe“ mit mindestens 24 Stationen soll zum Wintersemester 2012 erreicht werden. Damit würde dieses Trainingszentrum praktischer ärztlicher Basisfertigkeiten zu den führenden Einrichtungen in Deutschland gehören und die Medizinische Ausbildung in Halle nachhaltig verbessern. Für die Realisierung dieser erstklassigen longitudinalen praktischen Ausbildung unserer Studierenden der Medizin sind Spenden willkommen, um modernste Trainingsbedingungen nachhaltig zu sichern.

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