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  • Bericht
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  • Paul Gibiser
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  • 28.01.2014

Stationspraktikum here we go!

Paul sammelt gerade seine ersten praktischen Erfahrungen im LKH Graz – und das bereits im ersten Monat nach Studienbeginn. Hier erzählt er, was er auf Station erlebt.

 

Pünktlich um sechs Uhr läutet der Wecker. Ich stehe schlaftrunken auf, erledige die morgendliche Routine, greife mir irgendwas zum Frühstücken und spaziere dann mit einem Gesichtsausdruck, der eindeutig sagt „müüüüüde!" los in Richtung Universitätsklinik. Gott sei Dank liegt die gerade einmal zehn Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Was das alles soll? Das war mein morgendliches Prozedere während der Zeit, in der ich mein Stationspraktikum an der Uniklinik Graz absolvieren durfte.

 

Blutiger Anfänger im Krankenhaus

Sieben mal, jeweils von 7 bis 13 Uhr mussten wir Praktikanten uns auf unseren jeweiligen Stationen einfinden. Ich war einer Station der Internen Medizin zugeteilt. Und wenn man, so wie ich, noch nie irgendwas im Krankenhaus zu tun hatte und auch nicht beim Roten Kreuz tätig war, werden schnell die einfachsten Dinge zu einer Herausforderung, wie zum Beispiel das Spiegeln von Infusionen oder das Vorbereiten einer Kochsalzspülung. Aber gemäß dem Motto "Übung macht den Meister" findet auch ein blindes Huhn mal ein Korn und so gelingen die meisten Dinge nach einiger Übung reibungslos.
Wir Praktikanten mussten spezielle Mäntel tragen, die gelb und nicht weiß waren, sodass Patienten oft nicht wussten, wer wir sind oder welche Funktion wir haben.

 

Studenten_Stationspraktikum - Foto: Shutterstock

 

Der erste Patientenkontakt

Wir Studenten waren an jedem Praktikumstag einer Schwester zugeteilt, mit der wir auf der Station unsere Runden machten und Patienten versorgten, wenn wir nicht gerade im Weg rumstanden. Im Rahmen unseres Praktikums mussten wir zwei Patienten "interviewen" und anschließend einen Bericht darüber verfassen, der sowohl die Krankheitsanamnese, als auch die Therapie und das psychische Befinden des Patienten beinhaltete.
Auf den meisten Stationen war es kein Problem mit Patienten in Kontakt zu kommen. Gerade bei älteren Leuten merkte man, dass sie geradezu ein Redebedürfnis hatten. Sie waren wirklich froh darüber, dass sie sich mit Studenten unterhalten konnten, wenn schon das Pflegepersonal keine Zeit dafür hatte. Auch für uns Studenten waren diese Patientenkontakte eine nette Abwechslung zum Stationsalltag, da sich in den Gesprächen immer wieder unterhaltsame Diskussion ergaben.

 

Das tägliche Highlight: Die Visite!

Gespannt wartete man jeden Tag auf die ärztliche Visite und hoffte, dass man auch mitgehen durfte. Die Visite war fast die einzige Möglichkeit wirklich mit Ärzten in Kontakt zu treten und auch die ein oder andere Frage zu stellen. Man merkte schon, dass vor allem die Oberärzte sehr wenig Zeit für ihre Patienten hatten, da sie neben ihrer ärztlichen Tätigkeit in der Regel auch in der Forschung aktiv sind. Die Oberärzte erschienen mir persönlich generell etwas gestresst.

 

Warum genau seid ihr hier?

Falls man einmal nichts zu tun hatte, suchte man sich entweder Arbeit auf der Station, redete mit Patienten oder unterhielt sich mit den Krankenschwestern auf der Station. Als dann eines Tages die Frage an mich gerichtet wurde "Warum genau seid ihr hier?", fiel es mir anfangs schwerdiese Frage zufriedenstellend zu beantworten. Jedoch gegen Ende des Praktikums erkannte man den Sinn dahinter: Wir Studenten sollen den Pflegeprozess als Fundament der stationären Versorgung näher kennenlernen.

 

Krankenpfleger/Innen als rechte Hand der Ärzte

Immer wieder fiel auf, dass das Pflegeteam der Station der Link zwischen Patienten und Ärzten war. Da die Ärzte wenig bis fast gar keinen Kontakt mit ihren Patienten hatten, waren manche sehr auf ihre Patientenakten angewiesen. Die Pfleger der Patienten hingegen hatten die meisten Daten im Kopf, vor allem wenn es um die verabreichten Medikamente ging. Ohne gutes Pflegepersonal würde ein Krankenhaus mit Sicherheit nicht funktionieren!

 

Reine Glückssache

Nach der ersten Woche hatten wir Studenten ein Treffen innerhalb unserer Seminargruppe. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht, die jeder auf seiner Station gesammelt hatte. Hierbei muss ich erwähnen, dass man sich seine Station nicht aussuchen konnte, sondern dass man eingeteilt wurde. Leider konnten wir uns die Stationen nicht aussuchen, sondern wurden eingeteilt. Während die einen Glück hatten und freudig berichteten, was sie alles erlebt und gesehen hatten, gab es andere Studenten, die mit ihrem Praktikum alles andere als zufrieden waren und sogar überlegten, ob sie nicht abbrechen sollten. Auch innerhalb unseres Treffens fiel auf, dass auf den meisten Stationen leider fast niemand eine Ahnung hatte, welche Aufgaben wir als Praktikanten nun tatsächlich durchführen durften.

 

Vom LKH direkt an die Uni

Nach sechs Stunden Praktikum auf der Station ging es in der Regel gleich weiter mit Vorlesungen in der Vorklinik. Da war es keine Seltenheit, dass auf jene sechs Stunden nochmals vier bis sechs Stunden Unterricht in der Vorklinik folgten. Dementsprechend zermürbt kam ich abends nach Hause. Trotzdem konnte ich mich an den meisten Tagen noch dazu überwinden, einen Tagesbericht anzufertigen, bevor ich dann geradezu ins Bett fiel und das Prozedere am nächsten Tag wieder von vorn begann.

Das Stationspraktikum ist eine tolle Sache ist. Man kann wirklich gut in den Krankenhausalltag Einblick nehmen. Vor allem als Student im ersten Semester hilft es einem, die tägliche Routine kennenzulernen und sich zu entscheiden, ob der spätere Beruf als Arzt auch wirklich das Richtige ist.

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