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  • Paul Gibiser
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  • 08.11.2013

Das Modulsystem an der Meduni Graz

Viele Studienrichtungen haben den negativen Beigeschmack, dass sie nur aus Frontalunterricht bestehen und wenig Praxismöglichkeiten bieten. Warum das im Grazer Medizinstudium nicht der Fall ist, und wie das Modulsystem dort aufgebaut ist, erklärt euch Lokalredakteur Paul.

Studenten im Hörsaal - Foto: WavebreakmediaMicro/Fotolia.com

Studenten im Hörsaal - Foto: WavebreakmediaMicro/Fotolia.com 

Immer wieder bekommt man von Studierenden aus allen Fachrichtungen zu hören, dass sie es schade finden, so wenig Praxisunterricht zu erhalten. Stattdessen wird oftmals der klassische Frontalunterricht ausgeübt. Weil aber Theorie und Praxis nur dann effizient angewendet werden können, wenn beides beherrscht wird, ziehen Studenten hier oftmals den Kürzeren.

Die meisten populären Fächer sind heillos überlaufen – in den Hörsälen finden die Studenten kaum noch Platz. Kein Wunder also, dass der Praxisunterricht zu kurz kommt. Die nötigen Ressourcen für Praktikumsplätze sind oft nicht vorhanden, und Studierende können Gelerntes nicht aktiv anwenden. Zugangsbeschränkungen bzw. Auswahlverfahren wären hier nicht fehl am Platz, um die Studierendenanzahl auf ein erträgliches Maß zu senken. So könnte auch jedem Studierenden ein Praktikumsplatz zugewiesen werden.

 

Das Modulsystem in Graz

Was das Studium der Humanmedizin in Österreich betrifft, gibt es diese Zugangsbeschränkungen bereits. Und früher oder später merkt man, dass sie zweifelsohne einen Sinn haben! So gibt es in Graz rund 360 Studienbeginner (Stand WS 2013/14), die in den Genuss des Modulsystems kommen.

 

Das Modulsystem funktioniert folgendermaßen: Das Studium ist in Module gegliedert, von denen pro Jahr sechs absolviert werden. Die Module werden nach der Reihe abgearbeitet, sodass nie zwei Module gleichzeitig laufen. Während ein Modul am Stundenplan steht, gibt es parallel dazu zahlreiche Seminare und Übungen, also eine Menge Praxisbezug. Mal stehen die Studenten im Labor und pipettiert Salze mit Reagenzien, mal führen sie ein EKG an einem Kommilitonen durch und werten es aus. Und dann sitzen sie wieder im Hörsaal und lauschen den Vorlesungen der Professoren.  

 

In den Seminaren und Übungen werden auch regelmäßig Zwischentests durchgeführt, sodass die Studenten wirklich immer am laufenden bleiben, was den Lernstoff betrifft. Und natürlich wird auch die Anwesenheit kontrolliert.

 

Wie steht‘s mit den Prüfungen?  

Mit den Prüfungen sieht es wie folgt aus: Nachdem man sich umfangreiches Wissen in den Seminaren und Übungen erarbeitet und sich die Theorie verinnerlicht hat, gibt es immer einen bzw. mehrere Prüfungstermine unmittelbar nachdem das Modul abgeschlossen wurde.

Es wird von Seiten der Professoren empfohlen den ersten Prüfungstermin nach Beendigung des Moduls wahrzunehmen, da der 2. Termin erst dann ist, wenn bereits das nächste Modul in vollem Gange ist. So schneiden Studenten erfahrungsgemäß besser ab, da sie sich auf eine Sache konzentrieren kann.

Besonders angenehm ist, dass meistens die Tage vor den Prüfungen unterrichtsfrei sind, damit man das Gelernte nochmal verinnerlichen kann.

Der Prüfungstag selber ist von Seiten der Meduni sehr gut organisiert. Die Studenten werden zu Gruppen von je 6 bis 10 Personen nacheinander in den Prüfungssaal eingelassen. Dort werden zuerst ihre Studentenausweise auf Gültigkeit überprüft, bevor sie ihre Platznummer zugewiesen bekommen. Als einziges Hilfsmittel darf man einen nicht programmierbarer Taschenrechner benutzen. Bleistifte, Radierer und selbst kleine Anspitzer werden von der Meduni zur Verfügung gestellt. Trinkflaschen werden natürlich toleriert. Der Prüfungsbogen selber befindet sich in einem Umschlag. Nach der Prüfung wird er wieder in diesen Umschlag gesteckt und abgegeben. Kaum hat die Prüfung begonnen, ist sie auch schon wieder vorbei. Die Nervosität ist verflogen, die Leistung hoffentlich erbracht und in den Gängen vorm Hörsaal wird nach der Prüfung rege über die Fragen und die Antwortmöglichkeiten diskutiert.

 

Und was wenn‘s mal nicht klappt?

Jeder hat mal einen schlechten Tag oder ist morgens mit dem falschen Fuß aufgestanden. Deshalb ist es halb so schlimm, wenn eine Prüfung mal nicht wie erwartet läuft. Immerhin hat man insgesamt 4 Prüfungsantritte, von denen zumindest einer mit großer Sicherheit gut ausgeht!

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