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  • Julian Wenninger
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  • 03.09.2013

OSKE – die letzte große Prüfung

Mehrmals im Jahr gehen zahlreiche Studierende auf Wanderschaft – innerhalb des eigenen Krankenhausgeländes des Grazer Universitätsklinikums. Während eines Tages absolvieren die angehenden Mediziner 12 Stationen, in denen sie ihre praktischen Fertigkeiten beweisen müssen.

25. Juni 2013, 8:30. Im Hörsaalzentrum am Klinikgelände herrscht wie üblich morgens schon hektische Betriebsamkeit. Hier finden die regulären Vorlesungen der klinischen Module statt – ein buntes Potpourri der Fachgebiete von Innerer Medizin bis Orthopädie. Doch heute kommt noch eine Besonderheit dazu: die Registratur der TeilnehmerInnen des OSKE-Termins Tag 1. Diese findet vier Tage lang statt, wobei bis zu 24 Studierende pro Tag diese Prüfung durchlaufen. Insgesamt werden sechs Durchgänge pro Jahr angeboten, davon je drei pro Semester.

Was ist das OSKE?

Im Studienplan für das Diplomstudium Humanmedizin an der MedUni Graz ist die OSKE ein verpflichtend zu absolvierender Teil der 2. Diplomprüfung; genauer gesagt, der 2. Teil der 2. Diplomprüfung. Der 1. Teil besteht aus der positiven Absolvierung aller Module der klinischen Lehre des 3. bis 9. Semesters, während das OSKE den Übergang in den 3. Studienabschnitt, das praktische Jahr, ermöglicht.

Und wofür steht OSKE? Die Studierenden legen ein Objektives Strukturiertes Klinisches Examen in Form einer mündlichen, kommissionellen Gesamtprüfung ab. 12 Stationen werden geprüft, die aus einem Pool von 23 Fachgebieten zusammengestellt werden.  Beispielsweise prüft die Univ.-Klinik für Urologie das Legen eines Harnkatheters, die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe die Versorgung einer Episiotomie und die Brustuntersuchung, während die Klinik für Chirurgie das Führen eines ärztlichen Gesprächs abprüft. Weiter Stationen sind etwa der basic life support, die chirurgische Naht oder die neurochirurgische Untersuchung bei Lähmungserscheinungen. Um das Lernpotential zu erhöhen, wird erst am Morgen des Prüfungstages bekannt gegeben, welche Stationen geprüft werden, sodass sich eine umfassende Vorbereitung empfiehlt. Wer die OSKE nicht besteht, darf das PJ nicht beginnen! Dies kann einen Zeitverlust von mehreren Monaten bedeuten.

Die Vorbereitung

Am besten, man übt zusammen in einer Lerngruppe: von neurologischem Status bis zum Steinmann 1-Test, ist das Üben mit KollegInnen wesentlich einfacher, als graue Theorie zu büffeln. Auch im Clinical Skills Center können Übungseinheiten gebucht werden. Studentische TutorInnen stehen bereit, erklären und helfen zu verstehen. So kann auch mit der klinischen Software geübt werden, wie Prostata und Harnblasentumore bestrahlt werden – die Gebiete müssen bei der OSKE eingezeichnet werden können, sollte diese Station am Plan stehen.

Insgesamt ist die Durchfallquote verschwindend gering, was einerseits auf die gute Vorbereitung zurückzuführen ist, da sich niemand in einer mündlich-kommissionellen Prüfung die Blöße geben möchte. Andererseits ist die Prüfungssituation nicht selten kollegial, da sich die Studierenden vor Antritt ihres praktischen Jahres und kurz vor Studienabschluss befinden. So werden auch alle KandidatInnen des 25. Juni 2013 die Prüfung bestehen, wenn auch mit unterschiedlichen Noten. Glücklich und erleichtert sind am Nachmittag jedenfalls alle. Sie sind ihrem Ausbildungsziel einen wesentlichen Schritt näher gekommen.

 

 

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