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  • Paulina Salaske
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  • 30.04.2014

Highest high und lowest low

In kaum einem anderen Berufsbereich ist der Grad zwischen Glück und Leid so schmal. Wer sich der Medizin verschrieben hat, erlebt in seiner Laufbahn hautnah viele Erfolgsmomente, aber auch dramatische Tiefpunkte. Ärzte und Medizinstudenten haben Paulina von ihren „highs“ und „lows“ erzählt. Was war ihr schönstes, tollstes, rührendstes Erlebnis im Zusammenhang mit der Medizin? Und was war ihr schlimmstes, traurigstes, bitterstes Erlebnis?

Dr. med. Karsten Goltermann, Chefarzt der Notaufnahme im Klinikum Hildesheim und leitender Notarzt des Rettungsdienstes Stadt und Land Hildesheim:

Top:

Als Notarzt habe ich Kinder zur Welt gebracht und Menschen erfolgreich reanimiert. Aber richtig glücklich macht mich, wenn ich Patienten, beziehungsweise ihre Angehörigen nach langer Zeit wiedertreffe, sie mich ansprechen und mir sagen, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe. Dieses ehrliche Lob und die Tatsache, dass sie sich oft nach Jahren und Jahrzehnten noch daran erinnern, dass sie sich gut aufgehoben und behandelt fühlten, ist für mich das Schönste an meinem Beruf.

Flop:

Im Notdienst ist man oft mit dem sozialen Elend der Gesellschaft konfrontiert. Man ist häufig hin- und hergerissen zwischen ärztlicher Schweigepflicht und Fürsorgepflicht. Einmal fuhren wir zur Abklärung eines Thoraxschmerzes in eine kleine, verdreckte Stadtwohnung, in der zwei stark betrunkene Männer saßen. Überall lagen leere Alkoholflaschen, Zigaretten und Müll rum, dazwischen Kinderspielzeug. Als es darum ging, den Patienten mit ins Krankenhaus zu nehmen, weigerte er sich, weil seine Ex-Frau seine kleine Tochter vorbeibringen wollte. Es war sehr belastend für mich, ein kleines Mädchen unter diesen Umständen aufwachsen zu wissen. Diese eigene Hilflosigkeit, wenn ich als Mediziner das Elend des Alltags nicht verbessern kann, den Einsatzort einfach wieder verlasse und weiß, dass diese Menschen in ihrem Schicksal hängen bleiben, diese Hilflosigkeit belastet mich sehr.

 

 

Dr. med. Elmar Wilde, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin:

Top:

Einer der glücklichsten Momente im Zusammenhang mit meiner Arbeit war, als ich aus dem Urlaub zurück kam und am Bahnhof zufällig einem türkischen Patienten von mir begegnete, der mir vor Dankbarkeit die Hand geküsst hat.  

Flop:

In meiner Zeit beim Rettungsdienst in Fritzlar musste ich einen englischen Soldaten versorgen, der auf einem Truppenübungsplatz bei einem Manöver zwischen zwei Panzer geraten war. Er war zutiefst entstellt und sein Kamerad, der für den Unfall verantwortlich war, hat schrecklich geschrien und ist sogar zusammengebrochen.

 

 

Judith Witzel, Studentin im 6. Semester:

Top:

Bei meiner Hospitation in der Kinderonkologie erlebte ich, wie das komplette Teamversucht hat, den schwer kranken Kindern – so gut es ging – einen normalen Alltag zu ermöglichen. Der Umgang des Personals untereinander, aber auch mit den Kindern und ihren Familien war so familiär, was den Kindern ein Stück Normalität gab. Eine unbeschreibliche Atmosphäre!

Flop:

Meine bitterste Erfahrung machte ich bei meiner Famulatur im Krankenhaus. Ein junger Mann wurde von seinem HNO-Arzt zur weiteren Abklärung seiner lang anhaltenden Heiserkeit geschickt. Es stellte sich heraus, dass er ein Larynxkarzinom hatte und sofort notoperiert werden musste. Ich war schockiert, wie ein so oft harmloses und nicht ernst genommenes Symptom solche gravierenden Folgen haben kann. Das gesamte Leben des Patienten wurde von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt, ehe er es selbst realisieren konnte.

 

 

Deborah Wilde, Studentin im 5. Semester:

Top:

Meine schönste Erfahrung mit der Medizin habe ich bei einem Praktikum auf der Kinderkrankenstation gesammelt. Dort habe ich mich um ein kleines, etwa vier  Jahre altes Mädchen gekümmert und eine Beziehung zu ihr aufgebaut. Sie wollte von mir ins Bett gebracht werden, gefüttert werden und war immer total happy, wenn ich zu ihr gekommen bin. Kinder zeigen so was ja viel ehrlicher als Erwachsene.

Flop:

Mein schlimmstes Erlebnis hatte ich eines Morgens am Wochenende während meines FSJ im Krankenhaus. Die Station war total unterbesetzt und drei Leute gerade verstorben, die ich alleine waschen und für die Angehörigen zurechtmachen musste. Das war sehr belastend für mich.

 

 

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