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  • Petra Ludwig
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  • 31.08.2021

Wie schwer ist das Medizinstudium wirklich?

Bestimmt hast du diese Frage schon häufiger gehört oder sie dir sogar selbst gestellt: Wie schwer ist das Medizinstudium wirklich? Über das Studentenleben angehender Mediziner*innen kursieren viele Gerüchte und die sozialen Medien sind überflutet mit unterschiedlichen Bildern – unsere Lokalredakteurin Petra erzählt dir, was dich wirklich erwartet.

 

So stellt sich Instagram die klassische Medizinstudentin vor. Schon früh lernt man, wie Karteikarten auskultiert werden ;)

 

Jedesmal wenn ich jemandem erzähle, dass ich Medizin studiere, kommt die Frage: „Du studierst Medizin? Ist das nicht total schwer?“, und ich könnte wetten, dass dir das bekannt vorkommt. Der Eindruck mag leicht entstehen: Medizinstudierende lernen immer, tragen riesige Anatomieatlanten und fette Lehrbücher durch die Gegend und stehen stundenlang an der Leiche, um noch die winzigste Abzweigung des kleinsten Blutgefäßes auswendig zu lernen. Aber entspricht das auch der Realität?

Das klassische Medizinstudium ist in drei Teile gegliedert: Die Vorklinik (hier lernst du prinzipiell erst mal wie der gesunde Mensch aufgebaut ist und funktioniert), die Klinik (wie entstehen Krankheitsbilder und wie therapiert man Patienten?) und das praktische Jahr (in dem du ein Jahr lang an der Seite von Ärztinnen und Ärzten lernst und arbeitest). Jeder dieser Teile wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Diese Prüfungen sind ein großes Ding und es wird jeweils sehr viel Wissen abgefragt. Besser bekannt sind die Prüfungen M1, M2 und M3 unter ihren alten Namen: Physikum und Hammer-Examen. Na, klingelt da was?

Das gesamte Studium werde ich auf diese Staatsexamina sowie auf alle weiteren Klausuren, Testate, Vorträge und vieles mehr hin arbeiten müssen – muss ich das aber nicht auch in jedem anderen Studiengang? Ja, prinzipiell schon. Nichtsdestotrotz sind die Menge an Stoff, die man in kürzester Zeit auswendig lernen soll und der Druck, den man sich selbst macht, gut zu lernen und gute Leistungen zu erzielen, nicht zu unterschätzen. Schließlich möchte ich nicht einfach nur eine gute Medizinstudentin sein, sondern eine gute Ärztin werden, auf die sich Patient*innen verlassen können.

Die Anatomie muss sitzen, die Physiologie muss ich beherrschen. Medizinische Psychologie und Soziologie bildet die Grundlage für das Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Interaktion mit Patienten*innen, gleichzeitig zeigt mir die Biochemie, wie der Körper auf allerkleinster Ebene funktioniert. Habe ich schon die Grundlagenfächer wie Physik, Biologie und Chemie erwähnt? Es nimmt schon in der Vorklinik kein Ende.

Andererseits brenne ich für die Medizin. Ich bereue es keinen Moment, das Studienfach gewählt zu haben. Die Medizin hat so unglaublich viele Facetten, am liebsten würde ich sie alle erkunden, obwohl ich dafür nicht genügend Lebenszeit habe. Mich fasziniert, wenn ich eine Signalkaskade lerne und dann genau weiß, warum z.B. Aspirin eine blutverdünnende Wirkung hat. Du spürst nichts mehr an der Haut zwischen dem ersten und dem zweiten Zeh und kannst deine Zehen nicht mehr richtig nach oben ziehen? Dank des Präp-Kurses weiß ich genau, welcher Nerv betroffen ist. Ich lerne außerdem, wie ich Patient*innen schwere Nachrichten überbringe und mein Mitgefühl ausdrücke; ich lerne, für Menschen da zu sein. Ich habe einiges für mich ausprobiert und könnte mir kaum einen schöneren Beruf vorstellen als Ärztin.

Aber zurück zur ursprünglichen Frage: Ist das Medizinstudium denn jetzt so schwer? Leider muss ich eindeutig sagen: Ja. Es ist anstrengend und es ist auch hin und wieder schwierig, die nötige Motivation zu finden. Auf der anderen Seite darf ich dir aber auch ganz klar sagen: Nein. So schwer, wie es manche Leute darstellen, ist das Medizinstudium gar nicht. Ich lerne genau das, was mich interessiert und es macht mich unheimlich glücklich. Dafür ist es mir auch jede Hürde, die ich erklimmen muss, wert.


 

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