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  • Bericht
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  • Andrea Sörgel
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  • 10.12.2013

1. Erlanger Symposium zur Familiengründung mit Spendersamen

Im Februar 2013 hat das Oberlandesgericht Hamm ein entscheidendes Urteil gefällt: Die Tochter eines Samenspenders darf den Namen ihres biologischen Vaters erfahren. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Erlanger Samenbank fand im Oktober das erste Symposium in Deutschland statt, bei dem alle Beteiligten zu diesem brisanten Thema selbst zu Wort kommen konnten. Andrea war für euch dabei!

Am 22. und 23. Oktober 2013 fand in Erlangen das 1. Symposium zum Thema Familiengründung mit Samenspende statt. Der Einladung  der Erlanger Samenbank folgend, fand sich ein interdisziplinäres Publikum ein. Neben Ärzten, Juristen und Psychologen waren unter anderem auch Samenspender, DI-Familien (Familien, in denen die Kinder nach donogener Insemination geboren wurden) und Spenderkinder anwesend. In dieser interdisziplinären Umgebung kamen alle Gruppen zu Wort. Besonders anregend empfanden viele die zahlreichen Wortmeldungen und den Austausch nach den Vorträgen und in den Pausen!

 

Fatales Schweigen  

Die ungefähr 100-jährige Geschichte der Insemination in Deutschland, vorgestellt durch den ärztlichen Leiter der Erlanger Samenbank Dr. Andreas Hammel, ist auch eine Geschichte der Stigmatisierung und des Schweigens. Gesellschaftliche Ächtung von inseminierenden Ärzten, DI-Familien und nicht zuletzt den Kindern, die durch Fremdsamenspende gezeugt wurden, sorgte für ein kollektives Schweigen. Vielen Paaren wurde lange Zeit in den Praxen empfohlen, ihren Kindern nichts über den Weg ihrer Entstehung zu erzählen. So könnte das Bild der „normalen Familie“ gewahrt bleiben, von der Unfruchtbarkeit des Partners würde niemand etwas erfahren. Zudem würde so das Bindungsverhalten der Kinder zu den Eltern nicht gestört werden. Allerdings führt das Schweigen dazu, dass eine Beziehung auf falsche Tatsachen aufgebaut wird. Nicht selten erfahren die Kinder, so erzählte Stina vom Verein Spenderkinder, gelegentlich über sehr abenteuerliche Wege von der Samenspende. Nicht die Spende als solche wird von den so Aufgeklärten als negativ empfunden, sondern die Lüge. Die Kinder müssen feststellen, dass die Menschen, denen sie am meisten vertraut haben, sie lange Zeit belogen haben. Eine Aufklärung, am besten schon im Kindergartenalter, kann vom Kind in sein eigenes Selbstbild eingebaut werden. Je älter der Mensch aber zu dem Zeitpunkt der Aufklärung ist, desto schwerer fällt ihm dies. Auch die Eltern des DI-Netzes sind für eine frühe Aufklärung ihrer Kinder.  

 

Die rechtliche Seite  

Alle Gruppen fordern bessere rechtliche Regelungen. Jeder Mensch hat das Recht seine genetischen Abstammung zu kennen. Hierfür muss zum einen gewährleistet sein, dass die Daten sicher und sehr lange aufbewahrt werden. Zum anderen ist es wichtig, dass die rechtliche Lage der Samenspender geklärt ist. Brigitte Zypries, Juristin und ehemalige Bundesjustizministerin, brachte hierzu neben einem spannenden Vortrag die Nachricht von den Koalitionsverhandlungen mit. So sollen endlich rechtlich verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.  

Nach zwei spannenden Symposiumstagen bleibt zu sagen, dass die Komplexität des Themas „Familiengründung mit Samenspende“ in der Öffentlichkeit vielfach unterschätzt zu sein scheint. In Großbritannien ist man deutlich weiter. Walter Merricks, Mitbegründer des Donor Conception Network, einem Zusammenschluss von Menschen, die mittels Fremdsamenspende ihre Familien gegründet haben, berichtete von großen Treffen und einem staatlichen Register, das es für die Spenderkinder einfacher macht, Spender und auch Halbgeschwister zu finden. Aus dem Symposium wird ein Konsensuspapier hervorgehen, das an die Regierung weitergegeben werden soll.

Weitere Informationen können unter anderem hier gefunden werden:

·         http://www.dcnetwork.org/

·         http://www.spenderkinder.de/

·         http://www.di-netz.de/

 

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