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  • Text und Fotos: Andrea Sörgel
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  • 02.07.2013

Erlangen und die Medizin

In Erlangen gibt es noch immer stumme Zeugen, die von vergangen Zeiten und ihrer Geschichte mit der Medizin und der Stadt zeugen. Andrea Sörgel hat sich auf Spurensuche begeben.

 

Erlangens Geschichte und Erlangens Geschichten rund um die Medizin - dieses Kapitel ist verwoben, wie könnte es anders sein, mit den Menschen dieser Stadt und auch mit der Geschichte der Universität, an deren Gründung die Medizin einen nicht unbedeutenden Anteil hatte.

 

Der erste jüdische Professor der Universität und in ganz Bayern

Am heutigen Hugenottenplatz stand früher eine Bronzeskulptur zu Ehren von Jakob Herz, dem ersten jüdischen Professor der Universität. Heute ist sie leider nicht mehr zu sehen. Nationalsozialisten haben sie 1933 mit Unterstützung der damaligen Bürgermeisters entfernen lassen, der Bronzekörper wurde aller Wahrscheinlichkeit nach zur Munitionsherstellung genutzt. Was aber noch zu sehen ist, ist ein Obelisk, der zwischen dem anatomischen und pathologischem Institut steht. Jeder Erlanger Medizinstudent ist in seinem Leben sicher schon diverse Male an ihr vorbeigeradelt, hat sie in den Pausen des Präpkurses von der Treppe der Anatomie aus gesehen, aber hat er sie auch wahrgenommen?

Der Obelisk in Erlangen

Inschrift des Obelisk

 

Der Tod und die Trauernden

Im Innenhof der Volkshochschule findet sich ein Bienenkasten, der eine Mutter mit ihren beiden Kindern darstellt. Beide Kinder sind tot. Scharlach war tödlich und gefürchtet. Es war die Zeit zwischen den Jahren, das erste Kind erkrankt. Tapfer ist das kleine Mädchen, doch sie verliert den Kampf. Kurz nach dem Tod der Schwester erkrankt auch der Bruder. Er kämpft, nimmt die Medizin, auch wenn sie nicht schmeckt, versucht zu trinken. Doch die Krankheit ist heimtückisch, die Medizin wirkt nicht, der Junge wird immer schwächer und stirbt. Der Vater ist Dichter. Die Verarbeitung dieses schweren Schicksals führte zu den Kindertotenliedern von Friedrich Rückert, fast fünfhundert Gedichte, entstanden alle 1834. Wenn die Geschichte später, nach der Entdeckung des Penicillins, stattgefunden hätte, hätten Luises Kinder nicht sterben müssen. Der Bienenkasten stand vor seinem Umzug in die VHS im Botanischen Garten der Universität. Haben wir die Figur je wahrgenommen?

Der Bienenkasten in Erlangen

 

Stolpersteine und eine mutige Dissertation

Geisteskrankheit, falsche Herkunft, falscher Glaube, falsche Rasse - all diese "Vergehen" führten zu drastischen Maßnahmen der Herrschenden während der Nationalsozialistenzeit. In den Straßen Erlangens sind vor den Häusern auf den Gehsteigen Stolpersteine, die an die Menschen erinnern. Doch auch in Erlangen regt sich Protest. "Die Rechtmäßigkeit der Euthanasie - ihr Umfang und ihre Grenzen." - ein mutiges Thema im Jahre 1934! Eingereicht wurde diese Dissertation von Erich Bötel, einem jungen Juristen. Hätten wir uns das getraut?

Stolpersteine in Erlangen

 

Forßmann, Demling und Astronautennahrung

Entdeckungen und mutige Wissenschaftler, die im Selbstversuch neue Wege gingen, halfen der medizinischen Forschung weiter. Kluge Köpfe riskierten auch hier in Erlangen ihr Leben. Der erste Herzkatheter von Forßmann war eine mutige Leistung, die heute vielen Menschen mit einem Herzinfarkt das Leben rettet. Demlings Verdienste im Bereich der Endoskopie - Gastroskopie, ERCP, Laserkoagulation - werden auch heute noch gewinnbringend für den Patienten eingesetzt! Auch Neil Armstrong profitierte bei seinem Flug zum Mond von Erlanger Innovationen! Seine Astronautennahrung - eine komplett bilanzierte Diät - war Made in Erlangen.

 

Literaturtipp

Wenn die Geschichte und die Geschichten um die Medizin in Erlangen euch interessieren, so sei euch "Vom Forschen und Heilen" von Johannes Wilkes empfohlen. Das Buch enthält viele weitere Geschichten aus Erlangens langer Geschichte mit der Medizin.

Quellen: "Vom Forschen und Heilen", Johannes Wilkes, Mönau-Verlag, Erlangen, 2006.

Wikipedia Eintrag zu Jakob Herz

 

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