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  • Beyza Saritas
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  • 01.03.2024

Mein PJ in der Inneren

In weniger als zwei Wochen endet für unsere Lokalredakteurin Beyza ihr erstes PJ-Tertial. Sie hat entschieden, die ersten Monate ihres Praktischen Jahrs (PJ) in der Inneren Medizin zu verbringen und berichtet nun von ihren Erfahrungen.

 

 

 

Mitte November 2023 war es so weit: Nach fünf Jahren recht theoretischem Medizinstudium habe ich mein letztes Studienjahr begonnen, das sogenannte Praktische Jahr. Ein Jahr lang sollen angehende Ärzte und Ärztinnen in drei Fachbereichen (Innere Medizin, Chirurgie, Wahlfach) praktische Fähigkeiten erlangen und sich in den ärztlichen Arbeitsalltag einfinden. Dabei dürfen sie – zumeist unter Aufsicht – in vielen Fällen bereits ärztliche Aufgaben übernehmen.

Schon vor dem zweiten Staatsexamen hatte man die Möglichkeit, die Reihenfolge der PJ-Fächer, das Wahlfach und auch die Klinik(en), in der man das PJ ableisten möchte, zu belegen. Ich entschied mich, in der Inneren Medizin zu starten, da ich hierin ein gutes Fundament für mein restliches PJ gesehen habe. Gesagt, getan. Mitte November fing ich auf der internistischen Notaufnahme an. Und was soll ich sagen: Die ersten Tage war ich vor allem eins, und zwar überfordert.

Meine letzte Famulatur hatte ich vor zwei Jahre absolviert, und praktisch gesehen war ich bereits etwas eingerostet. Die letzte körperliche Untersuchung war schon lange her, die letzte Viggo schon viel länger. Anfangs bin ich zwei bis drei Tage mit den Ärzten und Physician Assistants mitgelaufen, doch schon bald durfte ich eigene Patienten aufnehmen und betreuen. Von der Blutabnahme über die körperliche Untersuchung bis hin zur Sonographie – die Lernkurve war steil. Doch noch wichtiger als das theoretische und praktische Wissen, welches ich mir aneignen konnte, war vor allem zu lernen, selbstständig und vor allem systematisch zu arbeiten. Schon bald habe ich gemerkt, dass es manchmal komplizierter ist, ein Labor anzufordern, als eins abzunehmen.

Während ich zu Beginn viel Rücksprache mit Ärzten und Physician Assistants hielt, wurde ich mit der Zeit immer sicherer. Blutabnahmen und Viggos fielen mir einfacher, körperliche Untersuchungen wurden routinierter und gezielter, ich lernte Ultraschallbilder und EKGs richtig zu befunden und konnte das therapeutische Vorgehen immer besser einschätzen. Die ersten sechs Wochen meines PJ waren schneller um, als ich denken konnte, und schon bald rotierte ich auf die internistische Intensivstation.

Die Zeit auf der Intensivstation war ganz sicher das Highlight meines Tertials in der Inneren Medizin. Dadurch, dass diese interdisziplinär durch Anästhesisten und Internisten geführt wird, konnte ich das therapeutische Vorgehen aus beiden Blickwinkeln mitverfolgen. Hier lernte ich unter Anleitung von kompetenten Assistenz-, Fach- und Oberärzten wichtige intensivmedizinische Skills. Schon nach einiger Zeit konnte ich Arterien und ZVKs legen, bronchoskopieren, habe mich am intubieren versucht und fand mich immer weiter ein in der Welt der Perfusoren und Beatmungsmodi. Besonders beeindruckend fand ich, wie schnell Patienten sich hier zum Besseren oder Schlechteren entwickelten. Zeitweise wurden Patienten reanimiert, die ich 10 Minuten vorher noch körperlich untersucht habe, manchmal wurden Patienten extubiert, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie jemals aufwachen. Kurzum: Die Intensivstation ist eine Welt für sich. Mir hat die Zeit hier sehr viel Spaß gemacht und mein Interesse an der Intensivmedizin nur verstärkt.

Die letzten vier Wochen meines PJ rotierte ich auf die Hämatologie und Onkologie. Ich muss zugeben, dass diese Fachrichtung mir bisher ziemlich fremd war, u.a. dadurch, dass ich schon in der Uni wenig Berührungspunkte hierzu hatte. Nichtsdestotrotz war es eine lehrreiche Erfahrung, einen Einblick in dieses vielseitige Fach zu bekommen. Patienten, die mit lebensbedrohlichen Erkrankungen kämpfen, eröffnen einem als Mediziner, aber auch als Mensch nochmals einen anderen Blick auf das Leben. Auf der Hämatologie lernte ich vor allem Stationsarbeit, u.a. die Aufnahme von Patienten, das Schreiben von Briefen, Knochenmark- und Liquorfunktionen, das Anstechen von Ports, aber auch, wann Patienten z.B. Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate brauchten. Zudem erhielt ich einen Einblick in vielseitige Krankheitsbilder von ALL bis ZNS-Lymphom sowie über komplexe chemotherapeutische Behandlungsschemata.

Meine Zeit in der Inneren Medizin war wirklich lehrreich und hat mir noch einmal verdeutlicht, wie vielseitig und komplex dieser Bereich ist. Falls ihr jedoch Einfluss auf die Reihenfolge eurer Rotationen habt, würde ich empfehlen, anfangs zunächst auf Station zu gehen, um eine Basis zu haben, bevor ihr euch der Notfall- oder Intensivmedizin widmet. Nichtsdestotrotz hat mir der anfängliche Schmiss ins kalte Wasser nicht geschadet. Ich freue mich schon, bald mit der Dermatologie in mein Wahlfach zu starten, und weiter an dem Fundament für mein ärztliches Leben zu arbeiten. 
 

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