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  • Hanna Hohenthal
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  • 24.05.2013

Nähen lernen, aber wie?

Um Nähen zu lernen, braucht ihr Material, eine Anleitung und etwas Geduld. Am Anfang steht das Trockenüben, damit ihr am Patienten nicht allzu sehr ins Schwitzen kommt und das Ergebnis euch zufrieden stellt.

Nahtmaterial

Schauen wir uns erst mal die kostengünstigen Varianten an: Ihr könnt bei den Großen anfragen, zum Beispiel bei Braun. Unter Umständen bekommt ihr Nadel und Faden gratis zum probieren - ob ihr euch damit lebenslang unterbewusst an Braun bindet, müsst ihr selbst entscheiden. Falls ihr euch gerade im Krankenhaus aufhaltet, fragt bei den Schwestern oder Ärzten nach. Auch die Steriabteilung ist eine gute Adresse, um leihweise an einen Nadelhalter zu kommen. Pinzette und Schere solltet ihr noch in eurem Präpbesteck haben. Wenn es das Budget erlaubt, könnt ihr auch komplette Nähsets im Internet bestellen. Nun braucht ihr nur noch eine Wunde, das ihr nähen wollt. Die Tipps reichen von Bananen über Schweinefüße, Hühnchen und Jeans bis hin zu speziell dafür gefertigten Nähkissen - übrigens auch übers Internet zu bestellen.

 

Trockenüben

Habt ihr alles zusammen, geht es los. Näht nach, was ihr im Krankenhaus während Famulaturen gesehen oder selbst genäht habt. Erweitert eure Fingerfertigkeiten, näht schneller, probiert andere Knoten und Stiche. Ihr braucht Inspiration.Oder habt ihr noch nie selbst genäht? Im Internet findet ihr alles, was ihr braucht: Youtube, Universitäten und Anbieter von Nahtmaterial helfen euch weiter. Eine Auswahl an nützlichen Links findet ihr weiter unten. Eine gute Idee ist auch, Ärzte aus dem Bekanntenkreis oder ältere Medizinstudenten als Lehrer einzuspannen. Oder natürlich die Erfahrungsberichte, Tipps und Tricks von anderen Studenten.

 

An der Uni

In Dresden winkt in der Klinik der Nahtkurs im Skills lab des MITZ (Medizinisch interprofessionelles Trainingszentrum). Hier lernt ihr das Nähen von der Pike auf. Wer üben möchte, kann auch öfter wieder kommen.

 

Ich habe den MITZ Tutor Denny Tran thiem im Interview nach seinen Erfahrungen gefragt:

MITZ Tutor Denny Tran thiem, 6. Semester Foto: Denny tran Thiem

 

> In welchem Semester wird der Nahtkurs angeboten?

Der Workshop Wundversorgung wird fakultativ drei mal im laufenden Semester für maximal 12 Studenten ab dem 7. Fachsemester angeboten. Die Studenten müssen bereits im Skills lab die Station "Grundlagen der Wundnaht" besucht haben. Der Kurs dauert ungefähr 3 Stunden. Wenn noch Plätze frei sind, kann man beliebig oft zum Üben wieder kommen.

 

> Was macht man im Nahtkurs?

Die Wundversorgung von A-Z steht im Vordergrund: Anamnese und Instrumentenkunde, steriles Arbeiten und die Wundnaht nach Donati stehen auf dem Programm. Am Anfang halte ich eine kurze Präsentation und stelle eine Checkliste für die Wundversorgung vor, den sogenannten Roten Faden. Danach geht es zum praktischen Teil am Schweinefuß, wo jeweils zwei Studenten von einem Tutor individuell betreut werden. Die Studenten schlüpfen abwechselnd in die Rolle des Chirurgen und des assistierenden Pflegepersonals. Sie sollen nicht nur Nähen lernen, sondern auch den Umgang mit sterilen Materialien. Ziel ist es zum einen, die Theorie des Workshops in die Praxis umzusetzen. Zum anderen ist es aber auch eine Gelegenheit, Techniken aus dem vorherigen Kurs zu wiederholen, wie zum Beispiel manuelle Knüpftechniken.

 

> Deine Tipps, um chirurgisch nähen zu lernen?

Ich glaube, die beste Möglichkeit nähen zu lernen, ist zu nähen! Praktische Erfahrung kann man zum Beispiel während einer Famulatur in der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Uniklinikums Dresden sammeln. Wer erst einmal zu Hause üben möchte, kann sich für kleines Geld beim Fleischer Schweinefüße oder Schweinebauch kaufen. Verfallenes Nahtmaterial kann man vielleicht auch auf Station bekommen. Im Internet bekommt ihr nebst Nahtmaterial auch Nadelhalter - leider meist recht teuer. Es lohnt sich für die Instrumente auch mal über den Flohmarkt zu bummeln. Und was ihr sonst noch braucht, also Schere und Pinzette, hat man ja noch im Präpbesteck.

 

Ran an Nadel und Faden

Perfekt vorbereitet könnt ihr euch jetzt am Patienten versuchen. Fragt in Famulaturen nach, ob ihr nähen dürft. Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr nicht jedes Mal ein "Ja" bekommt. Und vor allem: traut euch, es kann nicht so viel schief gehen.

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