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  • Sophia Ebert
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  • 15.10.2014

Das Physikum, Teil 2: Die Vorbereitung

Die Vorbereitung fürs Physikum ist ein Wechselbad der Gefühle. Mal fühlt man sich gut vorbereitet, mal hat man riesige Versagensängste. Sophia gibt die besten Tipps, damit du in der Zeit vor dem ersten Staatsexamen einen kühlen Kopf bewahrst.

 

 

Studentin - Foto: istockphoto

Die Vorbereitung aufs Physikum ist stressig. Umso toller ist das Gefühl, wenn du die Prüfung bestanden hast und endlich in die Klinik kommst. Foto: istockphoto

 

Sobald man sich mehr oder weniger ernsthaft mit dem Lernen fürs das Physikum auseinandersetzt, stößt man immer wieder auf folgenden Ratschlag: "Für eine effektive Physikumsvorbereitung empfiehlt es sich, bereits im Semester mit der Vorbereitung zu beginnen."

Ein wirklich gut gemeinter Rat, aber leider ist es in Bonn, wie auch an den meisten anderen Universitäten, nahezu unmöglichen, neben dem laufenden Semesterbetrieb etwas fürs Physikum zutun. Falls man wirklich schon etwas tun möchte, empfiehlt es sich, seine Mathe und Umrechnungsfähigkeiten zu trainieren, denn dafür bleibt in der heißen Phase kaum Zeit. Mit genug Training kann man aber einige Punkte in Physik und Physiologie mitnehmen.

 

Augen zu und durch

Jetzt aber genug der einführenden Worte, auch das längste Sommersemester geht zu Ende und früher oder später blickt jeder auf die Klausurergebnisse und stellt freudig die Scheinfreiheit fest. Die Freude währt jedoch nicht lange, denn mit der Scheinfreiheit ist das Physikum genauso unabwendbar wie Weihnachten oder Neujahr. Aber keine Panik, tausende von Studenten schaffen das Physikum jedes Semester und als stolzer Besitzer aller Vorklinikscheine hast du zumindest theoretisch alles was so gefragt wird schon mal gewusst.

Jetzt gilt es eben dieses Wissen aufzufrischen und zu bündeln. Ein Blick in den Kalender lässt einen erstmal schlucken, 30-50 Tage für zwei Jahre Vorklinik. Vielleicht doch schieben und dann sechs Monate lernen und eine gute Note bekommen??? Ganz klar: nein!!! Augen zu und durch. Selbst mit einem Jahr Vorbereitung wird man sich vor dem Schriftlichen nicht besser fühlen. Die ganzen kleinen Details die das IMPP so liebt, kann man sich sowieso maximal zwei Wochen merken. Und Hand aufs Herz: so richtig effektiv lernt man doch nur mit Druck. Außerdem wird dir so ziemlich jeder candidatus medicinae bestätigen, dass man sich am Ende nicht einen einzigen Tag länger zum Lernen wünscht, sondern einzig und allein, dass es vorbei ist.

 

Wichtig: Vorräte auffüllen

Auch wenn die Zeit in der Lernphase unendlich knapp scheint, nimm dir ein bis zwei Tage frei vom Semesterstress und macht etwas Schönes. Es gilt Kraft für die nächsten Wochen zu sammeln. Danach solltest du in ein bis zwei Tagen alle nötigen Termine oder Formalien erledigen, die noch anliegen. Nichts ist nerviger als die Lernphase wegen einem Arztbesuch oder dergleichen zu unterbrechen. Auch ein Großeinkauf ist eine gute Idee, damit der Vorrat an Kaffee, Toilettenpapier und Schokolade reicht. Ein paar gesunde Gerichte vorkochen und einfrieren ist auch nicht der schlechteste Plan, denn erfahrungsgemäß ist die gesunde und ausgewogene Ernährung das erste Opfer des Physikums. Der obligatorische Grundputz der Wohnung bietet sich jetzt auch an, dabei solltest du alle dicken Bücher weg packen, denn mit mehr als eurem Physikumswerk, Kurzlehrbuch und Anatomieatlas solltest du nicht lernen.

Als nächstes gilt es, sich ein Physikumswerk aussuchen, falls du nicht bereits in der Vorklinik eine Skriptreihe benutzt hast. Falls du bereits Erfahrung mit einer Reihe hast, solltest du bei dieser bleiben, da du die Struktur und den Aufbau kennst. Keine Panik, wenn Kommilitone A über die zahlreichen Fehler meckert und Kommilitone B behauptet, es würde nicht reichen. Alle Skriptreihen sind schon länger auf dem Markt und das sind sie bestimmt nicht, weil man damit durchfällt. Habe Vertrauen in die Skripte und in die ausgewählten Themen, es mag einen zwar unglaublich oberflächlich und unvollständig vorkommen, aber es sind genau die Dinge, die gefragt werden. Wer zu dicken Lehrbüchern greift, verliert leicht den Überblick, kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen oder überliest genau das Detail, das dem IMPP wichtig ist.

 

Nie ohne Lernplan

Hast du deine Skriptreihe gefunden, heißt es einen Lernplan zu erstellen. Es gibt Online-Tools, bei denen du dir einen persönlichen Lernplan erstellen kannst, die meisten Skripte bieten ebenfalls einen Plan an. Auch hier gilt es den Verlagen zu vertrauen, die Lernpläne stehen nicht zum Spaß da, sondern haben sich über Jahre bewährt, eben weil sie funktionieren.

Ich persönliche würde dazu raten, sich anhand der existierenden Pläne einen persönlichen Lernplan zu machen. Es lohnt sich vor allem die von den Verlagen veranschlagte Zeit zu beachten, dass bewahrt einen davor, zu viel Zeit für ein unwichtiges Fach zu verschwenden.

Fächer kann man gut in Blöcke organisieren. Chemie/Biochemie, Physik/Physiologie, Bio/Histo/Anatomie, PsychSoz. Anfangen solltest du mit den Fächern, die am längsten zurückliegen. Am Abend planen die meisten Lernplaner eine Wiederholungsphase ein, dass schafft man in der Regel nicht. Trotzdem empfiehlt es sich, immer wenigstens etwas zu wiederholen.

 

Kreuzen, kreuzen, kreuzen

Unbedingt zu empfehlen: Kreuzen. Am besten direkt ab den ersten Tag, denn man braucht viel Zeit, um sich an den Fragestil des IMPP zu gewöhnen. Es macht wenig Sinn, die Fragen vor 2006 zu kreuzen und auch die letzten vier Examina sollte man auslassen, um sie als Generalprobekreuzen zu können.

Ob man Themen oder Examensweise, vor oder nach dem Lernen kreuzt, ist Ansichtssache. Ich habe immer vor dem Lernen ein komplettes Examen von dem Fächerblock den ich gerade lerne gekreuzt. Das mag zwar gerade an Anfang eines Blocks frustrierend sein, bietet aber zwei Vorteile: 1. Du wiederholst ständig die schon gelernten Inhalten und 2. durch das Kreuzen von Inhalten die du erst in den folgenden Tag lernst, werden diese Inhalte beim Lernen besser behalten.

Am Abend habe ich dann das zu wiederholende Thema erst gekreuzt und dann geschaut, wo meine Schwächen sind und diese gezielt wiederholt. Außerdem habe ich mir eine Liste mit meinen falsch gelösten Fragen angelegt und diese wenn Zeit war wiederholt.

 

Freizeit nicht vergessen

Pro Woche sollte ein freier Tag eingeplant werden. Dieser Tag ist extrem wichtig, sei es zum erholen, weil man krank ist oder weil etwas dazwischen kommt. Diesen Tag kann man ruhig flexibel gestalten oder z.B. auf zwei Tage aufteilen, nur ganz streichen sollte man ihn nicht, das rächt sich meist.

Zusätzlich sollten ein bis zwei Wochen zum Wiederholen und Generalprobe-kreuzen eingeplant werden.
Generell sollte der Lernplan als Wegweiser und nicht als Diktator gesehen werden. Läuft es an einem Tag gut, kannst du dich freuen und etwas Schönes machen oder schon mit dem nächsten Tag beginnen. Läuft es mal gar nicht, ist Bücher zuklappen und den freien Tag vorziehen oft sinnvoller als sich durch den Tag zu quälen.
Last but not least ganz wichtig: Suche dir einen Sport. Am besten so einen richtig „Hirn aus Power raus“-Sport. Egal ob ihr joggen geht, Gewichte stämmt oder Sandsäcke verprügelt, auch wenn man gefühlt keine Zeit für sowas hat, es ist wichtig einen Ausgleich zuhaben, sonst kann man sich spätesten zum Mündlichen in die Klapse einweisen lassen.

 

Die Generalprobe nutzen

In Bonn seid ihr in der glücklichen Lage, an einer Simulation der mündlichen Prüfung teilnehmen zu können. Hierbei simulieren Klinik-Studenten mit dir die Prüfung, dass heißt ihr werdet zu dritt oder viert jeweils 20 Minuten in den großen Fächern geprüft. Dabei wird großen Wert darauf gelegt, dass auch die Situation und das Umfeld möglichst prüfungsecht ist. So sollen Ängste und Unsicherheiten abgebaut werden. Hinterher gibt es keine Note, aber ein ausführliches Feedback was du bezüglich Auftreten und taktischem Vorgehen besser machen kannst. Da es leider nicht genug Termine für alle gibt, empfiehlt es sich, sich rechtzeitig anzumelden. Keine Angst falls du deinen Wunschtermin nicht bekommst und schon vor dem Schriftlichen zur Simulation gehen musst, es geht nicht ums fachliche Wissen, sondern um Auftreten und um das Kennenlernen der Prüfungssituation.

 

Bereit für den Wahnsinn

Mit diesen Tipps kannst du dich nun in die Achterbahn des Physikums setzen. Du wirst vieles zum ersten Mal verstehen und einiges immer noch nicht begreifen, du wirst verzweifeln und über dich hinauswachsen, du wirst an deinem Verstand und dem des IMPPs zweifeln und du wirst lernen. Viel lernen. Dinge, die du noch nicht wusstest und auch nie brauchen wirst, Dinge die niemanden außer das IMPP interessieren, Dinge, die einmal sehr hilfreich sein werden. Und nicht zuletzt wirst du viel über dich selbst lernen. Du wirst bis dato noch nie erlebte Gefühle und Gefühlsschwankungen kennenlernen und erleben wozu du in der Lage bist. Und wenn alles vorbei ist, wirst du dich nicht wie ein Halbgott in Weiß fühlen, sondern wie ein Gott. Das Physikum ist schlimm, viel schlimmer als man es sich vorstellt, aber man schafft es und das Gefühl danach ist einfach unbeschreiblich. Und überhaupt: in der Klinik wird alles besser.

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