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  • Alisha Qamar
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  • 18.03.2021

Nie wieder vergessen – Tipps für deine Anki Karten

Seit meinem ersten Semester nutze ich das Online Karteikartenprogramm Anki, das das Auswendiglernen erleichtern soll. Durch die sehr detaillierten Karten, wenige Bilder und wenig Struktur fiel mir die Arbeit mit Anki zunächst nicht leicht. Mit der Zeit habe ich aber viel dazugelernt und möchte dir hier zeigen, wie auch du optimal mit Anki arbeiten kannst.

 

 

Was ist Anki?

Anki ist ein online Karteikartenprogramm, das dir dabei helfen soll, leichter auswendigzu lernen. Du kannst dir eigene Karteikarten erstellen, Bilder und sogar Tonaufnahmen einfügen oder bereits vorhandene Stapel aus dem Internet herunterladen und nutzen. Deine Karten kannst du thematisch sortieren, um einen guten Überblick zu behalten. Das Programm ist besonders bekannt in den USA und Großbritannien, findet aber mittlerweile auch seinen Weg nach Deutschland und wird von einigen Medizinstudierenden bereits ab dem 1. Semester genutzt.

Spaced Repetition & Active Recall

Die Prinzipien „Spaced Repetition“ sowie „Active Recall“ sollen dafür sorgen, dass du Informationen durch regelmäßige Wiederholung in angemessenen Abständen nie wieder vergisst. Dafür enthält Anki zahlreiche und zielführende Funktionen. Bei jeder bearbeiteten Karteikarte kannst du entscheiden, wann du sie wiederholen möchtest. Ich habe mir die Abstände für neue Karten wie folgt eingestellt: Sollte ich die Antwort der Karte nicht wissen, kann ich sie nach einer Minute nochmal wiederholen. Habe ich die Karte als schwer empfunden, kann ich sie nach 5,5 Minuten wiederholen. Fiel sie mir leicht, wiederhole ich sie nach 10 Minuten und habe ich sie als besonders einfach empfunden, werde ich sie in 4 Tagen nochmal sehen und beantworten.

So kannst du deinen eigenen Wissensstand reflektieren und ehrlich einschätzen. Außerdem festigt sich dein Wissen besser, wenn du die Karten nach mehreren Minuten und nach Tagen wiederholst. Meiner Meinung nach hilft Anki dabei, einen guten Überblick über all die Themenfelder und Unterthemen zu behalten, ohne dass man Karten verliert oder verlegt. Spaced Repetition funktioniert aber nur, wenn du mitmachst. Um aktiv viel Information im Gedächtnis zu behalten, setzt die Methode des Spaced Repetition voraus, dass du deine Karteikarten regelmäßig durchgehst und wiederholst. Das klingt zunächst abschreckend, jedoch wird die Anzahl der Karten nach langer Zeit immer weniger, da du durch regelmäßige Wiederholung die Karten zunehmend als einfacher empfindest und erst nach mehreren Tagen wiederholen musst.

Der Begriff „Active Recall“ bezieht sich darauf, dass du dein Gehirn aktiv dazu anregen musst von Themenfeld A zu Themenfeld B zu springen. In meinem Anki Account habe ich einen Stapel für Biochemie, der alle Themen, Unterthemen und Details zu dem Fach enthält. Die erste Karteikarte könnte eine Frage zum Citratzyklus sein und die nächste Karte könnte sich inhaltlich mit Chylomikronen beschäftigen. So kannst du Themen, die du im 1. Semester gelernt hast auch im 3. Semester noch abrufen und vermeidest, dass große Lücken entstehen.

Organisiere deine Karten

Ich habe viel mit Anki gearbeitet und fand es am einfachsten und effektivsten, wenn alle Karteikarten, die zur Biochemie gehören, auch zusammen in einem Stapel sind. Die Alternative wäre, mehrere Stapel zu erstellen, die nach Unterthemen sortiert sind. Das heißt ein Stapel zum Citratzyklus, ein weiterer zur Glykolyse etc. Meiner Meinung nach kann ein solches System schnell überfordernd wirken, da man zahlreiche Stapel zu bearbeiten hat und so schnell den Fokus verliert. Außerdem kostet es wertvolle Zeit, die du anderweitig nutzen kannst. Es hilft dir dabei, alle Themen regelmäßig zu wiederholen und dein Wissen zu stärken.

Ich empfehle dir, deine Stapel so einfach wie möglich zu halten, damit du im Hinblick auf große Prüfungen wie das M1 oder M2 alle Themen beisammen hast. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich gerne zu viel auf eine Karte schreibe und bloß nichts vergessen will. Das führt dazu, dass eine einfache, kurze Frage als Antwort fünf verschiedene Unterpunkte erwartet und extra Details auflistet. Das ist leider nicht zielführend. Ich empfehle dir, lieber kurze Fragen auf Karten zu schreiben und sie so zu formulieren, dass du genau weißt, was als Antwort gewünscht ist. Sei so spezifisch wie möglich bei der Fragestellung, um Frustration und zu viele Details zu vermeiden. Gestalte deine Karten nicht zu verwirrend und mit vielen Unterthemen. Wenn ein Thema mit mehreren Themen verknüpft ist, erstelle lieber mehrere, einfachere und kürzere Karten, um mehr Informationen behalten zu können. Zu detaillierte Karten führen dazu, dass du die die Karte eher überspringst, dich nur an ein Detail erinnerst oder dir nichts merken kannst.

 

Beispiel für eine fertiggestellte Anki Karte. © Anki/Alisha Qamar

 

Meine Anki Stapel im Studium

Biochemie

Ich habe meine Stapel nicht thematisch sortiert, sondern alle Themen der Biochemie in einen Stapel geordnet. In der Biochemie sind Fragen nach Enzymen, Hemmstoffen, Klinischen Beispielen sowie Zyklen naheliegend. Detailfragen würde ich spezifisch formulieren, damit du weißt, worauf sie abzielen. Wenn es um Strukturformeln geht, habe ich als Frage „Zeichne die Strukturformel von XY“ formuliert. Als Antwort habe ich dann das Bild der Strukturformel eingefügt, um mich selbst kontrollieren zu können. Das habe ich als hilfreich empfunden, da man aktiv lernt, die Formel zu zeichnen und sie sich durch das Bild auch einzuprägen. Weitere Fragen, die du für diesen Stapel nutzen kannst, wären „Wo findet der Stoffwechsel XY statt?“. Um „Active Recall“ zu betreiben, schreibe Fragen auf wie „Wenn XY blockiert ist, was passiert dann?“. So kannst du dein Wissen der einzelnen Stoffwechselwege abrufen und um die Ecke denken. Es wird außerdem deutlich, ob du das Thema verstanden oder nur auswendig gelernt hast.

Anatomie

Für Anatomie ist Anki besonders hilfreich. Die Knochen, Muskeln, Gelenke und Bänder sind Themen, die man gerne vergisst. Durch aktive Übung mit Anki passiert dir das nicht. Hier kannst du Fragen stellen wie „Welcher Nerv innerviert den Muskel XY?“ oder „Welches Gelenk ist das XY?“. Auch für die mikroskopische Anatomie kannst du mit Anki viel lernen und behalten. Als Frage habe ich oft ein histologisches Bild eingefügt und als Antwortmöglichkeit den Namen des Präparates sowie ein bis zwei zusätzliche Informationen. Für die Embryologie kannst du Fragen wie „Woraus entwickelt sich XY?“ nutzen und ebenfalls mit vielen Bildern arbeiten.

Physiologie

Meiner Meinung nach ist Physiologie ein Fach, das man verstehen muss und nicht bloß auswendig lernen kann und soll. Hier ist „Active Recall“ ein gutes Tool, um dein Wissen zu überprüfen und zu festigen. Grundlegende Fragen wie „Welche Transporter gibt es in der Niere?“ oder „Wie läuft die Signaltransduktion von XY ab?“ werden dir weiterhelfen. Um Themen wirklich zu verstehen, ist es wichtig, verschiedene Szenarien durchzuspielen. So kannst du Fragen wie „Was passiert, wenn XY blockiert ist?“ stellen und auf deinem Grundlagenwissen aufbauen. Im Fach Physiologie kann es häufig passieren, dass eine Karte viele Details erhält. Um das zu vermeiden, erstelle hier lieber mehrere kurze Karten, als dich in Details zu verlieren. 

 

Fazit

Wichtig ist es, dass du nicht sofort anfängst, deine Anki Karten zu erstellen und sie regelmäßig wiederholst. Schritt 1 ist, den Stoff zu verstehen. Nur so kannst du effizient mit Anki arbeiten und Informationen wirklich behalten. Wenn du den Stoff nicht verstehst und nicht anwenden kannst, ist eine Arbeit mit Anki nicht zielführend. Deshalb empfehle ich dir, die Themen erst zu lesen, verstehen und zu verinnerlichen, um dann mit Anki die vielen Informationen zu festigen.

Häufig habe ich mitbekommen, wie Kommiliton:innen der Meinung waren, das Anki Zeitverschwendung sei. Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Die Zahl der Wiederholungen vermindert sich im Laufe der Zeit, da du viele Informationen besser behalten wirst. Auch für große Prüfungen vermeidest du durch die Wiederholung aller Themenbereiche große Lücken. Ich empfehle dir, Anki unbedingt auszuprobieren und der Plattform eine Chance zu geben. Wenn du meine Tipps nutzt, kannst du wirklich das Beste aus Anki rausholen!

 

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