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  • Alisha Qamar
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  • 04.02.2021

Chancen für Nicht-Akademikerkinder Medizin zu studieren

Nicht-Akademikerkinder sind an deutschen Unis in der Minderheit. Dabei gibt es Unterstützung für alle, die eine Hochschule besuchen möchten. Alisha erzählt, wie sie es an die Uni geschafft und welche Angebote sie genutzt hat.

 

In der 9.Klasse hörte ich das erste Mal, dass nur 25% der Nicht-Akademikerkinder die Universität besuchen, während 70% der Studierenden aus einem Akademiker Haushalt stammen. Als Nicht-Akademikerkind gingen mir diese Zahlen nicht mehr aus dem Kopf und haben in der Vergangenheit für Zweifel gesorgt. Bei meiner Einschreibung sorgte das Wort „Immatrikulation“ für ein riesiges Fragezeichen, jedoch habe ich mir durch die nötigen Ressourcen weiterhelfen können.


Mittlerweile studiere ich an der Universität Bochum Medizin und bin Teil der 25%. Meiner Meinung nach sollten sich mehr Nicht-Akademikerkinder trauen, ein Studium anzutreten und Ängste sowie Sorgen überwinden. Hier gebe ich dir einige Ratschläge, um als Nicht-Akademikerkind bestmöglich im Studium unterstützt zu werden.

Es geht nicht darum, dass alle Nicht-Akademikerkinder studieren müssen und keine Ausbildung machen sollen, sondern eher darum, dass man Nicht-Akademikerkindern, die eine Karriere anstreben, für die ein akademischer Abschluss notwendig ist, fördern und sie in ihrem Vorhaben bestärken soll.

 

Wieso studieren nur 25% der Nicht-Akademikerkinder?


Ein Großteil der Akademikerfamilien haben die nötigen Ressourcen, oftmals auch finanzieller Natur, um ihren Kindern den Zugang zu einer Hochschule oder Universität zu ermöglichen. Sei es Nachhilfe oder zusätzliche Lernmaterialien – all dies führt dazu, dass es Akademikerkinder leichter haben auf ein Gymnasium zu kommen und somit das Abitur als Zugangsvoraussetzung für einen Großteil der Studiengänge erlangen. Schüler*innen aus Nicht-Akademikerfamilien besuchen häufig die Oberstufe an berufsbildenden Gymnasien, während Kinder aus Akademikerfamilien die gymnasiale Oberstufe durchlaufen. Außerdem wird das Studium oftmals gar nicht als eine Option wahrgenommen, da nötige Vorbilder im nahen Umfeld fehlen.

Auch finanzielle Beweggründe führen dazu, dass ein Studium nicht angetreten wird oder früh abgebrochen wird. Zudem wird oftmals die finanzielle Last, die ein Studium mit sich bringt, häufig überschätzt und die Chance einer guten Ausbildung unterschätzt. Des Weiteren mangelt es möglicherweise auch an der richtigen Förderung sowie Mentoren und Vorbilder, die für Fragen da sind und dich unterstützen.


Fehlende Mentoren, Vorbilder und Förderung


Es gibt zahlreiche Mentorprogramme sowie Stipendien, explizit für Nicht-Akademikerkinder, Schwarze und People of Color und Frauen.


Solltest du die Schule besuchen, ist das „START Stipendium“ eine gute Option für dich, um ein Netzwerk zu schaffen und bereits früh unterstützt zu werden. Voraussetzung ist, dass du nach Deutschland zugewandert bist oder Kind eines zugewanderten Elternteils bist. Außerdem musst du mindestens die 9. Klasse besuchen. Das START Stipendium bietet dir zahlreiche Workshops und Veranstaltungen zu relevanten Thematiken. Außerdem erhältst du finanzielle Unterstützung, die sich auf 1000€ pro Schuljahr belaufen. Damit kannst du dir Nachhilfe, Lernmaterialien, einen Laptop oder Internetgebühren bezahlen.


Um deinen Horizont zu erweitern und Mentoren für deine Studienzeit zu bekommen, empfehle ich dir, dich für ein Stipendium zu bewerben. Neben finanzieller Unterstützung erhältst du eine wunderbare ideelle Unterstützung in Form von Workshops und Veranstaltungen. Solltest du dich bereits im Studium befinden, rate ich dir, dich gut über die 13 größten Studienförderungswerke zu informieren. Jedes der Förderwerke vertritt eigene Werte und mit denen solltest du dich identifizieren können. So gibt es z.B politische Stiftungen wie die Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP-nah) oder die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah), gewerkschaftsnahe Stiftungen wie die Hans-Böckler Stiftung oder muslimische Stiftungen wie die Avicenna Stiftung.


Stipendienberatung der Ruhr Universität


Es gibt zahlreiche Stipendien für künftige Studierende. Die Ruhr Universität bietet eine Stipendienberatung an, um einen besseren Überblick über die vielen Stiftungen zu erhalten. Ein Stipendium ermöglicht dir, dich voll auf dein Studium fokussieren zu können und ehrenamtliches Engagement weiterzuführen. Solltest du Sorgen haben, dir ein Studium nicht leisten zu können, ist ein Stipendium eine gute Möglichkeit für dich.

Bestnoten sind für ein Stipendium wichtig und notwendig, jedoch zählen neben den Noten auch weitere Aspekte wie dein Engagement und deine Motivation. Durch ein Stipendium wirst du großartige Weiterbildungsmöglichkeiten erhalten (Workshops, Seminare, Auslandserfahrungen) und ein gutes Netzwerk aufbauen. Die Ruhr-Universität Bochum bietet eine individuelle Stipendienberatung an, die du unter stipendienberatung@rub.de erreichen kannst.

 

Connections!

Ich identifiziere mich als Person of Color, da ich nicht weiß bin. Mir hat es geholfen, mich mit gleichgesinnten Studierenden zu vernetzen. Du kannst zum Beispiel auf Facebook nach Gruppen suchen, mit denen du dich identifizierst. So gibt es z.B „Black in Medicine“, die „Deutsch Tamilische Studierende“ Gruppe oder auch muslimische Hochschulgruppen. Einige dieser Gruppen sind nicht spezifisch für dein Studienfach, daher wirst du neue Leute kennenlernen, die auch etwas anderes studieren und so Einblicke in neue Themenfelder erhalten. Außerdem macht man ähnliche Erfahrungen, kann sich austauschen und fühlt sich weniger allein. Auch durch universitätsinterne Ehrenämter lernst du neue Leute kennen, die einen ähnlichen Hintergrund haben wie du oder die dir bei der ein oder anderen Frage weiterhelfen und dich ermutigen können!


Talentscouting der RUB


Für Schüler*innen aus Nicht-Akademikerfamilien, die vorhaben an der Ruhr Universität zu studieren, empfehle ich die Teilnahme an dem Talentscouting der RUB. Dieses Programm ermöglicht zukünftigen Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien einen Einblick in den Hochschulalltag zu bekommen und Fragen zu klären. Die Talentscouts bieten regelmäßige Workshops und Veranstaltungen an, nehmen künftigen Studierenden die Angst und ermutigen sie. Im Rahmen des Talentscoutings werden deine Talente gestärkt und gefördert, außerdem kannst du dich mit weiteren Talenten zu vernetzen.

Zentrale Studienberatung der RUB


Nach dem Abitur wird man von allen Seiten gefragt, was man denn nun vorhat, was man studieren möchte und wohin die Reise gehen soll. Viele verschiedene Studienfächer, Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterprogrammen oder Staatsexamina Studienfächer erschweren oftmals den Überblick. Um eine bedachte und strukturierte Entscheidung über das künftige Studienfach zu treffen, bietet die Ruhr Universität Bochum die zentrale Studienberatung an. Bedingt durch die Corona Pandemie ist es nicht möglich, sich vor Ort zu treffen, jedoch kannst du um eine Beratung per Mail oder Skype bitten. Dafür schreibst du an zsb@rub.de.


Du wirst es schaffen!


Man gehört als Nicht-Akademikerkind zu den 25% und möglicherweise fühlt man sich fremd und allein. Doch durch die korrekten Netzwerke und die zahlreichen Unterstützungsangebote der Universität, wirst auch du es schaffen erfolgreich zu studieren! Wichtig ist es, dass auch du während deines Studiums künftigen Studierenden deine Hilfe anbietest und sie in ihrem Vorhaben unterstützt, damit zukünftig mehr als 25% sich trauen und den Schritt an die Uni wagen.

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