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  • Alisha Qamar
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  • 05.05.2021

Antimuslimischer Rassismus in der Medizin

Ein kurzer Blick in die Medien macht deutlich, dass antimuslimischer Rassismus immer wieder Thema ist. Kopftuchverbote, Hetze und Vorurteile gegen Muslime werden immer häufiger – leider auch im Gesundheitswesen. Alisha nimmt dieses wichtige Thema genauer unter die Lupe und befragt zwei Betroffene.

 

 

Unter den Term „Antimuslimischer Rassismus“ fallen zahlreiche Denkmuster und abwertende Handlungen, die sich explizit gegen Menschen richten, die sich dem Islam zugehörig fühlen und sich damit als muslimisch identifizieren. Er lässt sich prinzipiell als die Zuschreibung negativer Attribute auf alle muslimisch und muslimisch gelesene Menschen definieren. Wenn wir von antimuslimischem Rassismus sprechen, ist es auch notwendig das sogenannten „Othering“ zu erwähnen. Unter „Othering“ oder zu Deutsch „Anderen“ versteht man folgendes: Durch die Abwertung der „Anderen“ und durch die Zuschreibung pauschaler negativer Eigenschaften wird die eigene Gruppe als positiv dargestellt. Es geht konkret um Vorurteile und Ausgrenzung.  Muslime und Muslimas werden hierbei als „die Anderen“ gesehen. Dieser Vorgang nennt sich Rassifizierung. Frau Prof. Dr. Iman Attia ist Sozialpädagogin und beschreibt, dass Rassismus nach einem „Dreiklang“ funktioniert.

  1.  „Sie müssen alle so sein, weil ihre Religion/Kultur/Biologie ihnen das vorschreibt“     (Essentialisierung)
  2. „Sie sind alle gleich“ (Homogenisierung)
  3. „Sie sind anders als wir (Dichotomisierung). Und meist bedeutet „anders“ eben auch „weniger gebildet, fortschrittlich, zivilisiert.“

Mythen wie „Frauen mit Kopftuch sind unterdrückt“ und „Der Islam bedeutet Terror“ kursieren bereits seit Jahren und werden von Medien weiterhin propagiert. Während Täter*innen, die als „ausländisch“, „nicht deutsch“ oder „muslimisch“ gesehen werden, ständig mit ihrer Nationalität und ihrem religiösen Hintergrund beschrieben werden, sind weiße Täter*innen lediglich psychisch krank.

Diejenigen, die Terror verüben, sind keine Muslime, sondern Extremisten und diejenigen, die ein Kopftuch tragen, sind selbstbestimmter denn je. Besonders in westlichen Ländern wird oft geglaubt, das Kopftuch stehe für die Unterdrückung der Frau, denn niemand würde ein Kopftuch freiwillig tragen wollen. Das Kopftuchverbot repräsentiere damit sogar die „Befreiung von der Unterdrückung“.

Häufig werden solche Verbote allerdings von Menschen verabschiedet, die mit dem Islam kaum etwas zu tun haben und nur einseitiger Berichterstattung folgen. Denn wie kann ein Gesetz, dass muslimische Frauen dazu bringen soll, ihr Kopftuch abzulegen, befreiend sein? Das Kopftuch legen Millionen von Frauen weltweit freiwillig an und tragen es ihr Leben lang. Selbstbestimmung muss in beide Richtungen gehen. Frauen muss es möglich sein, sich so offen, aber auch so verhüllt zu zeigen, wie sie möchten.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, seine Kultur und Denkweise nicht auf andere Menschen übertragen zu wollen. Denn das ist schlichtweg unmöglich. Es muss verstanden werden, dass „westlich“ nicht immer auch „richtig“ bedeutet. Nur durch aktiven Austausch und durch den Willen, den Gegenüber zu verstehen, ist Fortschritt möglich.

In Artikel 4 des deutschen Grundgesetzes heißt es:

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet

Meiner Meinung nach gibt es klare Verstöße gegen diesen Grundsatz, so auch im Gesundheitswesen.  Natürlich gibt es auch dort zahlreiche Frauen, die ihre Religionszugehörigkeit durch einen Hijab (Kopftuch) nach außen tragen. Auch sie haben häufig mit Diskriminierung und Anfeindung zu kämpfen.

 

Krankenhäuser und Kliniken bemühen sich

Viele Krankenhäuser bemühen sich und setzen ein Zeichen für muslimische Patientinnen und Patienten sowie auch muslimisches Personal, indem sie Gebetsräume zur Verfügung stellen und diese mit Gebetsteppichen und dem Koran ausstatten. Das ist ein großer Schritt in eine positive Entwicklung, denn auch muslimische  Angestellte im Gesundheitswesen benötigen einen Rückzugsort bzw. einen Ort, an dem sie kurzzeitig Ruhe finden können im hektischen Krankenhausalltag. Auch das Anbieten von Speisen, die halal sind, d.h die den Regeln des Koran entsprechen, zeigt Solidarität. Zahlreiche Krankenhäuser überwinden Sprachbarrieren und haben Dolmetscher eingestellt, die ein großes Sprachenspektrum erfüllen, um eine gelungene Kommunikation sicherzustellen. Eine Münchner Klinik  bietet neben muslimischen Gebetsräumen auch rituelle Waschungen sowie Sprechstunden und Selbsthilfegruppen in Sprachen wie beispielweise Türkisch an. Auch interreligiöse Gedenkfeiern für Verstorbene werden angeboten und das Personal wird durch interkulturelle Schulungen für die Thematik sensibilisiert und aufgeklärt.

 

Antimuslimischer Rassismus ist überall

Jedoch gibt es auch Schattenseiten und viele Hindernisse, denen Muslime begegnen. Das wird bereits während, wenn nicht schon vor dem Studien- oder Ausbildungsbeginn deutlich. Den Begriff „Kopftuchverbot“ hast du in den letzten Monaten bestimmt häufiger gehört.

Vor kurzem beschloss der französische Senat, den Hijab (Kopftuch) für Musliminnen unter 18 Jahren zu verbieten. Auch Moscheen sollen schneller geschlossen werden. Erwachsenen Frauen mit einem Hijab ist es nicht mehr gestattet , ihre Kinder zu Schulausflügen zu begleiten, auch einen Burkini darf man in öffentlichen Bädern nicht mehr tragen. Kopftuchtragende Studierende dürfen keine Universität besuchen. All diese Verbote fallen unter den sogenannten „Separatism Bill“ oder zu Deutsch „Separatismusgesetz“. Noch sind die Vorschläge des Senats nicht endgültig, die Nationalversammlung muss erst zustimmen, damit die Verbote in Kraft treten. Ein Burkaverbot gibt es in Frankreich bereits seit 2010, gut zehn Jahre später folgen nun die geschilderten Regeln und Verbote bezüglich des Kopftuches.

Auch in Deutschland gibt es seit diesem Jahr ein Kopftuchverbot. Am 25.02.2021 beschloss der europäische Gerichtshof ein sogenanntes „Kopftuchverbot am Arbeitsplatz“. Arbeitergeber*innen ist es seither zulässig, ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz anzuordnen und Frauen mit Hijab zu entlassen, wenn sie dem Verbot nicht nachkommen. Man argumentiert, dass es eine gewisse Neutralität, gerade im religiösen Kontext, geben soll. Das Argument ist jedoch schnell widerlegt, denn alle anderen religiösen Symbole sind gestattet – mit Ausnahme der muslimischen, explizit des Hijabs. Schau dir die zahlreichen öffentlichen Institutionen an, die mit einem Kreuz geschmückt sind, du wirst dem Begriff „Neutralität“ nicht begegnen – dieser fällt lediglich in Zusammenhang mit dem Islam. Es handelt sich also ganz klar um antimuslimischen Rassismus.

Auch die Selbstbestimmung der Frau ist mit solchen Regelungen gefährdet. Eine Beobachtung, die man über die Jahre verfolgen kann, ist schockierend: In Zeiten als  kopftuchtragende Frauen noch als Putzhilfe tätig waren, war das Tragen des Hijabs nie ein Problem und wurde selten thematisiert. Erst seitdem Hijabis Universitäten besuchen und sich als Ärztinnen ausbilden lassen, werden Stimmen dagegen lauter. Ich empfinde dies als schade, denn meiner Meinung nach sollte ein Kopftuch kein Hinderniss sein und unserem Gesundheitssystem dadurch keine hervorragenden Ärztinnen verwehren. Wie du also siehst, ist antimuslimischer Rassismus nicht neu und in Europa immer häufiger anzutreffen.

Auch in deutschen Krankenhäusern gibt es zahlreiche Fälle von antimuslimischem Rassismus. Bereits seit mehreren Jahren werden Hijabis laut und berichten über ihre Erfahrungen mit Rassismus in der Medizin. Häufig werden ihnen aufgrund ihres Hijabes der Famulaturplatz, das Praktikum sowie die Berufswahl trotz herausragender Leistungen verweigert.

In einem Artikel aus dem letzten Jahr wird berichtet, wie eine muslimische Krankenschwester aufgrund ihres Hijabs gekündigt wurde. Sie arbeitete mehrere Jahre ohne Kopftuch und legte es nach 25 Jahren aus überzeugtem Glauben wieder an. Das evangelisches Krankenhaus kündigte ihr daraufhin und begründete die Entscheidung mit einem „Verstoß gegen christliche Werte“. Ich finde das sehr schade, denn besonders im Krankenhaus, einem Ort an dem man tagtäglich schwierigen Lebenssituationen begegnet, berufen sich zahlreiche religiöse Gruppen auf ihren Glauben und finden Ruhe in diesem.


Medizinisch gesehen gibt es keinen nachweisbaren Grund, der dagegen spricht, im Krankenhaus einen Hijab zu tragen. Für strikt sterile Orte wie den OP gibt es die sogenannte „Astronautenkappe“, die ebenfalls die Haare sowie den Nacken gut bedeckt. Hier findest du ein Video dazu, wie sich Frauen mit Hijab im OP vorbereiten. Zu oft werden Ärztinnen, die einen Hijab tragen, nicht als Ärztin erkannt, wahrgenommen und akzeptiert. Welche Vorurteile und Stereotypen Hijabis begegnen, findest du in diesem Video.

 

Ich persönlich trage keinen Hijab und kann daher nichts dazu erzählen, wie es ist, als Hijabi diskriminiert zu werden. Daher habe ich zwei Medizinstudentinnen mit einem Hijab gefragt, ob sie mir von ihren Diskriminierungserfahrungen berichten würden.

Anonym:

Ich bin Medizinstudentin und lebe seit 5 Jahren in Deutschland. Ich habe mein Pflegepraktikum in einem Krankenhaus gemacht. Damals konnte ich noch nicht fehlerfrei Deutsch sprechen. Besonders die medizinischen Begriffe, die man im Rahmen eines Deutschkurses nicht lernt, waren mir neu. Aber ich habe mich sehr bemüht, mich gut auszudrücken und alles zu verstehen. Das Personal hat mich häufig unterschätzt und gedacht, dass ich selbst einfachere Aufgaben nicht erledigen könne. Anfangs habe ich oft nach den Bedeutungen von Fachbegriffen gefragt. Als Gegenreaktion wurde ich gefragt, ob ich denn überhaupt die Zahlen kann oder nicht. Das war mir sehr unangenehm. Einmal starb auf der Station ein Patient. Die Situation überforderte mich sehr und schockierte mich auch, da ich so etwas seit dem Verlassen meiner Heimat nicht mehr erlebt hatte. Statt empathisch zu reagieren, wurde mir vorgeworfen, ich solle helfen und mit anpacken, da ich ja Ärztin werden wolle und dies zu meinem Beruf gehöre. Auch das war mir sehr unangenehm.

Auf einer weiteren Station kam es an einem Tag zu einem Diebstahl. Eine Patientin versicherte dem Personal, dass ich es nicht gewesen sei. Trotzdem kam der Krankenpfleger auf mich zu und warf mir vor, dass ich es war und sie sich die Kameraaufnahmen anschauen werden. Trotz mehrfacher Bestätigung seitens der Patientin ließ der Krankenpfleger nicht locker und sagte mir, dass die Polizei dazugeschaltet wird und wir „dann mal gucken würden“. Ich empfand die Situation sehr unfair und sie machte mich traurig. Noch heute frage ich mich, ob es an meinem Kopftuch lag oder daran, dass ich Ausländerin bin. Ich fühlte mich so fremd und unwohl.  Während des Pflegepraktikums habe ich so viele schlechte Erfahrungen gesammelt. Mir wurde vom Pflegepersonal verboten, mit den Ärztinnen und Ärzten zu sprechen, ich solle nur mit dem Pflegepersonal sprechen.

Am Ende des Praktikums habe ich mich für eine Stelle als studentische Hilfskraft beworben und einen Arbeitsantrag gestellt. Als ich auf der Station arbeitete, wurde mir plötzlich vorgeworfen, ich sei nicht bis zum Ende dageblieben. Dabei schloss sich das gesamte Personal zusammen und behauptete, ich sei etwa eine Stunde später gekommen und anderthalb Stunden eher gegangen. Diese Stundenzahl zogen sie schlussendlich ab. In einem weiteren Krankenhaus habe ich während meiner Famulatur ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein Arzt kam zu mir und fragte mich, ob ich ihn denn verstehe, wenn er auf deutsch spricht. Er wusste, dass ich seit längerem in dem Krankenhaus tätig bin. Ich habe nicht verstanden, wieso er so mit mir spricht und mich so etwas gefragt hat. Eine Patientin glaubte mir nicht, dass ich Medizinstudentin bin. Sie bat mich, sie zu pflegen und auch auf mehrere Hinweise, dass ich Famulantin bin, glaubte sie mir nicht.

Natürlich habe ich auch schöne Erfahrungen gemacht. Es gab viele freundliche Kolleginnen und Kollegen, die begeistert von mir und meinen Leistungen waren, davon wie schnell ich Deutsch gelernt habe und dass ich Medizin studiere.

 

Maria

Auch Maria ist Medizinstudentin und trägt den Hijab. Hier spricht sie über ihre Erlebnisse:

“Wissen Sie, dass ist ja keine Diskriminierung, wir behandeln nämlich alle Menschen hier gleich. Wir stellen aber keine Kopftuchträgerinnen ein und auch als Medizinstudentin dürfen Sie das Kopftuch bei uns nicht tragen.”

Ich nickte verständnisvoll und widersprach der in sich widersprechenden Aussage nicht. Schob erstmal meine Empörung, meine Frustration und meinen Schock zur Seite. Ich wollte in dem Moment nur wissen, wie es mit meinem Blockpraktikum weitergeht, weil ich die “höfliche” Bitte zu Beginn des Gesprächs, mein Kopftuch während des zweiwöchigen Blockpraktikums auszuziehen, abgelehnt hatte.

“Das sollte ich mit der Geschäftsführung und mit dem Dekanat klären. Ich melde mich. Sie sind ja anscheinend eine gebildete Frau, vielleicht können wir für Sie eine Ausnahme machen, aber ich kann es nicht versprechen.”

Am nächsten Tag erschien ich auf Station, mit meinem Kopftuch und ging meiner Arbeit nach. Alle halbe Stunde habe ich auf mein Handy geschaut, ob eine Antwort auf meine Mail an das Dekanat gekommen ist. Jede Sekunde könnte jemand kommen und sagen, ich darf hier nicht sein. Auf meine E-Mail erhielt ich nie eine Antwort.

In dieser Angst und Ungewissheit gingen die zwei Wochen irgendwann rum. Auf die Frage der Fachschaft nach einer Stellungnahme über den Vorfall, antwortete das Dekanat, dass die Studentin das Blockpraktikum ja bereits abgeschlossen hatte und was jetzt das Problem sei?

Nein, ich übertreibe nicht. Genau so war es.

Mittlerweile ist das fast drei Jahre her und so etwas habe ich bislang nicht wieder erleben müssen. Leider jedoch viele andere Vorfälle ähnlicher Art.

“Woher kommen Sie? Woher kommen Ihre Eltern?” Alle Antworten, in denen ein deutscher Ort genannt wird, sind inakzeptabel.

“Ach SIE sind Medizinstudentin? Ach ja, das ist ja was”

“Wie heißen Sie? Maria? Ok, das fängt dann ja gut an”, “Das kann ich mir wenigstens merken”

“Warum darf die Pflege bei mir eine Nadel legen?”

In einer Gruppe von Studierenden werde ich als einzige mit dem Hinweis angesprochen: “Die Eintragsliste für die Pflege ist da hinten.”

“Von Ihnen will ich auf gar keinen Fall untersucht werden.”

“Eine 40-jährige Patientin mit Kopftuch und Kinderwunsch?” Da lacht die Krankenschwester spöttisch “Ja, bestimmt eine Karrierefrau”. Danach erinnert sie sich, dass ich mit im Raum war.

Alle diese Erlebnisse haben was gemeinsam, sie werden nicht als problematisch anerkannt. Im letzten Jahr habe ich mehrere Online Vorträge und Panel Diskussionen über die Themen Diversität und Diskriminierung im Gesundheitswesen mitbekommen. Das ist sehr gut und längst überfällig. Der einzige Ort, an dem ich so eine offene Diskussion nicht erlebt habe, war in den Einrichtungen des Gesundheitswesens selbst.

“Wir befinden uns in einer Pandemie und wir haben andere Probleme.” bekam ich oft zu hören. Aber die Tatsache, dass eine Pandemie die strukturelle Benachteiligung der Minderheiten auf allen Ebenen und in allen Sektoren der Gesellschaft zuspitzt, das wird ignoriert.

Manchmal halte ich im Krankenhaus kurz inne und denke, hat diese Person das eben gesagt weil:

  1. Ich eine Frau bin (Hello Sexism, my old friend!)
  2. Ich eine Kopftuchträgerin und somit erkennbar Muslima bin
  3. Ich für die Person dem Bild der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht entspreche
  4. Die Kombination von allen oben erwähnten Punkten (#Intersektionalität)

Natürlich ist keine von diesen Antwortmöglichkeiten die Richtige. Angeblich sind die Fragen/Aussagen/Witze nie so gemeint und ich sollte nicht so viel reininterpretieren.

Momentan bereite ich meine Bewerbungen für eine Assistenzarztstelle vor. Eine Studie von 2016 des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit zeigt, dass muslimische Frauen mit Kopftuch mehr als viermal so viele Bewerbungen verschicken müssen wie Bewerberinnen mit identischer Qualifikation, um eine Einladung zum Bewerbungsgespräch zu erhalten. Bei höher qualifizierten Stellen steigt der Grad der Diskriminierung noch weiter an. Es gibt aktuell keine spezifischen Daten darüber, wie es im Gesundheitswesen aussieht. Nichtsdestotrotz habe ich die anhaltende Sorge, trotz meiner Qualifikationen keine gute Stelle zu finden und das nur aufgrund des einen charakterischten Merkmals - meines Kopftuchs.

 

#HandsOffMyHijab und was WIR tun können 

Social Media begleitet uns seit Jahren und ist das größte, wichtigste und effizienteste Mittel, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Nachdem Frankreich den Separatism Bill diskutiert hat, bildete sich unter dem Hashtag #HandsOffMyHijab eine große Community, die sich gegen die Verbote stark machen und ein Zeichen setzen will. Die Aktion #HandsOffMyHijab findest du auf Facebook, Twitter und Instagram. Es ist notwendig, dass sich jede*r einzelne von uns stark macht, denn die Situation ist nicht nur ein Angriff auf Musliminnen, sondern auch auf die Selbstbestimmung aller Frauen.

Alle, die Teil des künftigen Gesundheitssystems sind, müssen sich fortbilden. Krankenhäuser müssen Fortbildungen über Rassismus und Islamophobie anbieten und stetig auf die Thematik aufmerksam machen. Und jede*r einzelne von uns hat die Pflicht, gegen antimuslimischen Rassismus vorzugehen. Als angehende Ärztinnen und Ärzte behandeln wir Patientinnen und Patienten mit verschiedensten kulturellen, aber auch religiösen Hintergründen. Gerade in dieser Profession ist es notwendig, eine gewisse Sensibilität für alle Hintergründe mitzubringen und Menschen dementsprechend zu behandeln. Das ist nur durch Weiterbildungen und aktive, regelmäßige Auseinandersetzung mit solchen Thematiken möglich.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, ganz nach dem Vorbild der Münchner Klinik, einen „safe space“ für Musliminnen und Mulime zu schaffen, Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus zu erkennen und einzugreifen. Denn ein Kopftuch darf kein Hindernis bei der Selbstbestimmung darstellen und soll keine Hijabi in ihrer Berufswahl einschränken.

 

Quellen:

https://www.multikulti-forum.de/de/thema/antimuslimischer-rassismus

https://www.ikud.de/glossar/othering-definition.html

https://www.islamiq.de/2020/08/08/krankenschwester-wegen-ihrem-kopftuch-gekuendigt/

https://www.youtube.com/watch?v=7xSUpGC3FuA.

https://www.muenchen-klinik.de/unternehmen/berufswelt-stellenmarkt/arbeitsplatz-krankenhaus/gegen-rassismus-stkm/

https://www.youtube.com/watch?v=uTfb86whDoY

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