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  • Bericht
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  • Irmi Schlosser
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  • 30.03.2007

PJ Chirurgie in Rochester, USA

Wie so viele wollte auch ich ein Tertial im Ausland verbringen. Da ich nicht Chirurgin werden möchte, habe ich mir dazu das Chirurgie-Tertial auserwählt. Dazu später mehr. Ich hatte das Glück, einen Platz im Austauschprogramm mit Rochester zu bekommen.

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Vor der Abreise

Der Austausch wird über die Physiologie und hier über Frau Zumkeller organisiert. Das nimmt einem schon viel Arbeit ab. Trotzdem muss man sich noch um einiges selber kümmern. Deswegen empfiehlt es sich rechtzeitig mit der Planung zu beginnen (mindestens 1 Jahr vorher). Das Visum ist das Aufwendigste an der Sache und leider auch sehr kostenintensiv. Man muss dafür den TOEFL-Test ablegen, den man nur nach vorheriger Anmeldung (ich hab erst nach 3 Monaten einen Termin bekommen) in einem Testzentrum (München, Frankfurt) machen kann. Alles in allem (TOEFL-Test, Fahrte(n) zur Botschaft, Gebühren) sollte man mit 500€ nur für das Visum rechnen.

Vor Ort

Die Unterkunft wird über die Universität organisiert. Die Ansprechpartnerin ist Mary Christian, die sehr nett und hilfsbereit ist. Kurz vor Abreise erhält man eine Mail, in der einem die Unterkunft mitgeteilt wird. Ich war im ALBA House untergebracht. Im ALBA House wohnen bis zu 6 "international students". Es ist mit einer großzügigen Küche, einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattet. Handtücher, Waschmittel, Klopapier und Küchenkrepp werden bereitgestellt. Das Krankenhaus ist von hier gut zu Fuß erreichen. Am Anfang wohnte ich zusammen mit 3 polnisch-amerikanischen Studenten, später kam eine weitere Würzburgerin und dann noch 4 Taiwanesen. Das Zusammenleben war super und wir haben in unserer knapp bemessen Freizeit einiges zusammen unternommen. Die Einkaufsmöglichkeiten, die man zu Fuß erreichen kann, sind spärlich gesät. Aber die Amerikaner sind ein sehr hilfsbereites Volk und man findet meist jemanden, der einen zum Supermarkt mitnehmen kann. Wer im ALBA House wohnt, wird von Beverly, der Haus-Omi, einmal wöchentlich zum Einkaufen gefahren.

Chirurgie in den USA

Die Reaktion von amerikanischen Studenten auf die Tatsache, dass ich beabsichtigte 12 Wochen in chirurgischen Rotationen zu verbringen, reichte von einem fassungslosen Schweigen bis zum einem entgeisterten "Why? Do you want to be a surgeon!?". Bald sollte ich auch feststellen warum: Arbeitbeginn um 5: 30 Uhr zur preround. Arbeitsende meist zwischen 18-20 Uhr, in manchen Rotationen eher später. Am nächsten Tag wieder Beginn um 5:30 Uhr, auch wenn man erst um 10 Uhr nachts nach Hause gekommen ist. Ein 12h Stunden Arbeitstag war ein kurzer Arbeitstag! Es ist offiziell nicht möglich Rotationen in der Allgemeinchirurgie zu belegen, da diese mit den amerikanischen Studenten voll ausgelastet sind. Nachdem ich mich aber interessiert gezeigt hatte, konnte ich auch zu allgemein-chirurgischen Fällen. Die Operationen die man zu sehen bekam waren sehr spannend. So sah ich unter anderem Ösophagektomien, Aortenklappenersatz, Mammarekonstruktion aus Latissmus dorsi und eine Organentnahme.

SICU (surgical intensive care unit)

 

Es hängt immer ein wenig von den aktuellen Residents ab, was man gerade machen kann. Ich hatte Glück und während meinen ersten 2 Wochen waren sehr nette residents da, die mir Ihr Vertrauen geschenkt haben. So konnte ich selber ein paar A-lines legen, Vakuum-Verbände und ZVKs wechseln. Fast jeden Tag gab es eine einstündige Fortbildung zu Themen der Intensivmedizin wie Beatmungsgeräte, Bluttransfusionen etc.

 

Thoracic and Foregut surgery

Lange Arbeitszeiten wie gesagt, aber ein sehr, sehr, sehr gutes Team. Die Operationen, die ich hier zu sehen bekam waren: VATS (Video-assisted thoracotomy), offene Thorakotomien, Pleurektomien, Ösophagektomien, Fundoplicatio nach Nissen, Achalasie-Operationen und andere die ich nicht mehr erinnere. Die Oberärzte sind unglaubliche nette und gute Ärzte, die immer bereit waren etwas zu erklären. Ich wurde prima ins Team einbezogen und konnte immer zweite, manchmal auch erste Assistenz sein.

 

Plastic surgery

Wer hier als erstes an Brustvergrößerungen denkt, wird enttäuscht. Der Großteil der "Schönheitschirugie" wird in privaten Kliniken operiert. Es wird viel Brustaufbau nach Mastektomie gemacht. Daneben gibt es auch viele Brustverkleinerungen, außerdem Maxillofaziale- und Handchirugie. Der OP-Plan war insgesamt nicht so dicht gepackt, und da ich vorher noch recht wenig Chirurgie gemacht hatte, habe ich mir auch einige Allgemeinchirurgie-OPs angeschaut.

Weitere Rotationen die man belegen kann sind Thoraxchirurgie, Herzchirurgie, Gefäßchirugie und Burn/Traumacare.

 

Social relations

Die Freizeit haben wir in erster Linie mit anderen internationalen Studenten verbracht. Die Amerikaner sind sehr nett, offen und zugänglich und immer zu einem Smalltalk im Krankenhaus bereit. Das ein oder andere mal wurden wir auch von Ihnen eingeladen. Allerdings arbeiten sie alle auch unheimlich viel. Viele sind auch schon verheiratet und haben Familie.

Mehrmals sind wir von aus Europa ausgewanderten Oberärzten zum Essen eingeladen worden. Diese freuen sich oft, mal wieder mit anderen Europäern Kontakt zu haben.

Freizeit

 

 

Während der ersten 7 Wochen hatte ich das Glück, dass einer meiner Mitbewohner ein Auto hatte und wir deswegen keine Transportschwierigkeiten hatten.
Eastern Alexander in Downtown Rochester hat einige ganz passable Discotheken zu bieten, unsere Favoriten waren das Vinyl und das SOHO (black music). Etwas ungewohnt für Europäer ist, dass um 2 Uhr die Party endet und man auch ziemlich unverzüglich zum Gehen aufgefordert wird. Sehr angenehm ist, dass nirgends drinnen geraucht werden darf. Nicht verpassen sollte man, einmal im Dinosaur-Bar-B-que echte amerikanische Rippchen zu essen.

Die meiste Zeit über hatten wir richtig viel Schnee und sind am Wochenende zum Schlittenfahren gegangen. Für dieses Vergnügen braucht man allerdings ein Auto.

Den Bus nehmen ist schon ein wenig abenteuerlicher. Die Buslinie 18/19 bringt einen Downtown und auch zur Memorial Art Gallery, die eine interessante Sammlung von allen möglichen Bildern aus allen möglichen Epochen und Stilen in einer ausgesprochen interessanten Anordnung bietet.

Lohnenswert ist ein Besuch des Eastman Theaters füre eines der Konzerte. Sogenannte "rush tickets" kosten $5. Da das Eastman Theater 3000 Plätze hat, muss man sich keine Sorgen machen, dass es ausverkauft sein könnte. Die Qualität der Konzerte ist ausgesprochen gut und die Innenausstattung sehenswert.

Der Greyhound-Bus bringt einen gemütlich nach Toronto wenn man mal wieder Sehnsucht nach öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß zu erreichenden Läden und ähnlichem hat.
Mit dem gleichen Bus kann man auch die Niagara-Fälle erreichen, von denen ich allerdings nicht so richtig beeindruckt war.

Kosten

 

 

Teuer! Für das Visum darf man schon mal 500€ rechnen, dazu kommt dann Flug, ca 600€, Studiengebühren 100$/Woche, Impfungen und Tuberkulintest vor Abreise. Miete belief sich bei mir auf 350$ monatlich, was ich ganz okay fand. Je nachdem wo man untergebracht ist kann es aber auch bis zu 500$ sein. Des weiteren eben Kosten für Lebensmittel (ähnlich wie in Deutschland) und für Reisekosten.

Fazit: Meine Zeit in den USA war ein sehr bereicherndes Erlebnis. Ich kann jedem nur empfehlen sich dafür zu bewerben.

Wer Fragen zum Austausch mit Rochester hat kann der Via online-Redaktion gerne eine Email schreiben. Diese leitet die Mail dann an mich weiter.

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