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  • Bericht
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  • Florian Bieling
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  • 22.07.2013

Famulatur unter Palmen

Florian famulierte im März 2013 im Bangkok Hospital Samui. Zwar durfte er dort praktisch nicht viel machen, aber dank der hilfsbereiten Ärzte, die immer bereit waren ihm etwas zu erklären, hatte er trotzdem eine spannende Zeit.

Motivation

Um einmal über den deutschen, medizinischen Horizont zu schauen, stand für mich recht früh im Studium fest, dass ich eine Auslandsfamulatur machen möchte. Nach dem Physikum las ich Erfahrungsberichte durch, wodurch meine Begeisterung für ein solches Unternehmen immer größer wurde. Meine Kriterien für die Wahl des Landes waren lediglich Äquatornähe, schöne Strände und englischsprechendes Personal im Krankenhaus. Während eines Thailandurlaub 2011 sah ich zufällig das Bangkok Samui Hospital auf Koh Samui und las im Anschluss einige Erfahrungsberichte zu diesem Krankenhaus. Meine Wahl stand fest. Ganz formlos stellte ich eine Anfrage bei dem dortigen Studienkoordinator.

 

Bewerbung

Im ersten Emailkontakt hat mir Dr. Antika Klein (Antika@bsh.co.th), die zurzeit für die Studentenbetreuung verantwortlich ist, die zu besorgenden Unterlagen genannt und so habe ich Ende 2011, also eineinhalb Jahre vor dem geplanten Beginn, angefangen alles zu sammeln und via Email dorthin zu schicken. Auf Englisch benötigt wurde:

Das Krankenhaus nimmt immer nur zwei Studenten gleichzeitig. Wer sich zuerst bewirbt, wird auch zuerst genommen. Aufgrund der Nähe zu den Tropen sind die Wintermonate die beste Reisezeit für Thailand und die Famulaturplätze oft schon ein Jahr im Voraus vergeben. Der Emailverkehr war sehr nett und zuverlässig und ich hatte oft schon nach zwei Tagen eine Antwort. Einen Monat nach meiner Bewerbung habe ich die Zusage bekommen. Anbei waren auch eine Hotelempfehlung und eine Informationsliste mit nützlichen Tipps, z.B. was man anziehen sollte, wann es zu Essen gibt etc.

 

Visum

In Thailand darf man für 30 Tage mit einem Touristenvisum bleiben, das einfach direkt bei der Ankunft in den Pass gestempelt wird. Da ich allerdings eine Woche vor Famulaturbeginn ankam und im Anschluss drei Wochen Urlaub mit meiner Verlobten auf den Inseln machen wollte, habe ich mich beim thailändischen Konsulat in Frankfurt (www.thaigeneralkonsulat.de) nach anderen Möglichkeiten erkundigt. Dort wurde mir das „Non-Immigrant Visum for students“ empfohlen. Es berechtigt zu 90 Tagen Aufenthalt und muss drei Monate vor Einreise beantragt werden. Es kostet 55 Euro, sowie viel Zeit, Nerven und einen unangemessenen Aufwand an Formalitäten, um es zu bekommen. Ich habe gehört, dass es in anderen Konsulaten (z.B. München) einfacher ist.

 

Weitere Vorbereitung

Zehn Monate vor Beginn habe ich einen Flug mit Ethiad für ca. 800 Euro gebucht. Er ging von Frankfurt über Abu Dhabi und Bangkok nach Samui. Sehr zu empfehlen ist auch einen Flug nur bis Bangkok zu buchen und mit Bus und Fähre nach Samui weiterzureisen. Tickets für die weitere Tour gibt es in Bangkok günstig an jeder Ecke und es ist dort wirklich sehr einfach zu reisen. So kann man vor der Famulatur schon mal das Land erkunden und erste Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Vor allem Bangkok ist ein paar Tage wert.

Außer den normalen Impfungen sind Hepatitis A und B, Tollwut und Typhus empfohlen. Meine Tollwutimpfung wurde von der Krankenkasse übernommen. Offiziell ist Koh Samui malariafrei. Wer aber im Rahmen der Reise auch in den Norden oder Osten des Landes will, sollte sich eine Stand-by Prophylaxe mitnehmen. Vor der Famulatur habe ich mich beim Marburger Bund angemeldet. Man kann so umsonst eine Auslandskrankenversicherung (wichtig ist mit „medizinisch indiziertem Rücktransport“), sowie Privat- und Berufshaftpflichtversicherung bekommen.

Alle Nachweise sollte man für alle Fälle in Englisch mitnehmen. Zur sprachlichen Vorbereitung habe ich an der Uni im Semester vor der Famulatur noch einen „medical english“ - Kurs belegt, was rückblickend sehr lohnend gewesen ist.

Im Informationsschreiben des Krankenhauses wird das Hotel „Joy Residence“ für den Aufenthalt empfohlen. Nach einer kleinen Onlinerecherche mit Holidaycheck, Tripadvisor und Google Earth habe ich mich auch dafür entschieden und per Email eine Anfrage für den entsprechenden Zeitraum gestellt (www.joyresidencesamui.com). Man sollte in der Anfrage betonen, dass man eine Famulatur in Bangkok Hospital macht. So kostet es im Monat nur 14000 Baht (ca. 350 Euro).

 

Finanzen

Das Leben auf Samui ist zwar teurer als in anderen Gegenden Thailands, aber für westliche Verhältnisse noch sehr günstig. Es empfiehlt sich einiges an Bargeld mitzunehmen und je nach Kurs an einem der vielen Wechselstuben zu tauschen. Eine Kreditkarte ist auch gut für Hotelreservierungen und ähnliches, aber nicht unbedingt nötig.

 

Endlich geht es los

Am Abend direkt nach der letzten Pflichtveranstaltung des Semesters ging es endlich los. Von Gießen bis nach Samui habe ich ca. 26 Stunden gebraucht. Leider hatte Ethiad genau an dem Wochenende das Check-in-System am Frankfurter Flughafen umgestellt, was zu einer dreistündigen Verspätung der Flüge führte. Den dritten Flug von Bangkok nach Samui habe ich so nur mit einem schnellen Sprint einmal lang durch den riesigen Flughafen in Bangkok so eben noch geschafft. Die Gepäckabfertigung war natürlich nicht so schnell.

Auf dem schönsten mir bekannten Flughafen Samui angekommen, wird man zuerst von der enormen Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit begrüßt. Die Luft riecht tropisch süßlich und wohin man auch schaut, stehen riesige Palmen und dazwischen kleine, offene bungalowartige Gebäude, die den Flughafen darstellen. Nur mit meinem kleinen Rucksack, dem Abholschein des verspäteten Rucksacks und dem Versprechen, er würde am nächsten Tag aus Bangkok kommen, habe ich mich dann mit einem gleich am Flughafenempfang zu buchenden Gruppentaxi (2,50 Euro bis Chaweng) auf dem Weg zum Hotel gemacht. Die Hotelmanagerin hat mich schon erwartet. Leider konnte ich wegen Überbelegung mein gebuchtes Zimmer noch nicht beziehen und wurde die ersten beiden Nächte in einem der größeren Familienzimmer untergebracht.

 

Hotel

Das Joy Residence ist eine gute Wahl. Es ist ein für thailändische Verhältnisse gutes drei Sterne Hotel mit vielen Annehmlichkeiten, wie einem riesigen Pool mit Whirlpool, ein günstiges Restaurant und einem kleinen Fitnessraum. Die Zimmer werden einmal wöchentlich gereinigt und man bekommt frische Bettwäsche und Handtücher. Die Zimmer haben ein großes bequemes Bett, eine Klimaanlage wie im Kühlhaus, einen Wasserkocher, Kühlschrank, Kleiderschrank, Safe und ein ausreichend großes Badezimmer.

Das Hotel liegt an einer Nebengasse der großen Ringstraße von Samui und man ist mit dem Roller in einer Minute am Krankenhaus und in fünf Minuten am Strand und der Touristenmeile. Ein kleiner 24h-Supermarkt, sowie die allgegenwärtigen Garküchen sind gleich an der Ecke zur Ringstraße. Den Roller habe ich mir bei der Hotelmanagerin gemietet. Er kostete gerademal 70 Euro für einen Monat. Eine Versicherung gibt es allerdings nicht und Helme nur auf Nachfrage.

 

Die Famulatur

Nach einer Woche Eingewöhnung, Inselerkundung und Strandurlaub habe ich mich, wie abgesprochen um 9 Uhr morgens am Empfang des Krankenhauses gemeldet. Mir wurde gesagt, dass Dr. Antika, meine offizielle Ansprechpartnerin, für die nächsten Tage krank sei und ich einfach mal in den Emergency Room gehen solle. Ich habe mich dort den Schwestern vorgestellt und wurde sehr freundlich empfangen. Man hat mir kurz die Notaufnahme gezeigt und einen viel zu kleinen Kittel gegeben. Am nächsten Tag habe ich meinen eigenen genommen. Die in anderen Berichten genannte Führung durchs Krankenhaus und Vorstellung bei allen Ärzten entfiel somit. Als die ersten Patienten ankamen, habe ich mich einfach dem dazugerufenen Arzt vorgestellt und wurde auch gleich mitgenommen und bezüglich meiner Herkunft, Dauer der Famulatur, Studiensemester und zum Krankheitsbild des Patienten ausgefragt.

Die Krankenhaustour habe ich selbst gemacht und mich überall vorgestellt. Alle waren sehr aufgeschlossen, haben mich teilweise gleich mit zu Patienten genommen und mir angeboten jederzeit in ihren jeweiligen Abteilungen vorbeizuschauen. Die Kinderärztin Dr. Donya hat mich dann mit zum Mittagessen genommen, welches für Studenten kostenlos ist und mittags und abends angeboten wird. Es ist typisch thailändisch und die Schärfe oft nur mit sehr viel Reis als Beilage zu ertragen. An Garküchen oder im Supermarkt gleich auf der anderen Straßenseite kann man sich aber auch gut und sehr günstig selbst eindecken.

Das Krankenhaus (www.samuihospital.com) ist das größte von fünf privaten Krankenhäusern auf der Insel (ca. 50 Betten). Es gleicht eher einem Hotel und hat annährend westlichen Standard. Die meiste Zeit habe ich in der Notaufnahme verbracht und bin mit den Ärzten mitgegangen. Praktisch gibt es für Studenten außer gelegentlichem Verbandwechseln, körperlichen Untersuchungen und mal beim Umlagern mitanpacken nichts zu tun, da eine Heerschar von Schwestern alle in Deutschland üblichen „Famulantentätigkeiten“ ausführen. Von den Ärzten wird man aber immer sehr gut miteingebunden und wenn man möchte, wird einem alles erklärt. Sie haben sich meist viel Zeit genommen, um mit mir die Krankheitsbilder zu besprechen, Röntgenbilder und CT´s zu befunden und meine Fragen zu beantworten. Vor allem Dr. Apirat (Neurochirurgie) hat mich häufig mit auf die Intensivstation und in den OP genommen. Dr. Worranat (general practitioner) habe ich oft im Rettungswagen begleitet, wenn ich beim Notruf rechtzeitig in der Notaufnahme war. Gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass trotz Warnlicht und Sirene kein thailändisches Auto zur Seite fährt und so eine fünf Kilometer weite Fahrt zu einem akuten Herzinfarkt auch mal 45 Minuten gedauert hat.

 

Die meisten Patienten sind Touristen mit Motorradunfällen, welche von kleinen Hautabschürfungen bis zum tödlichen Unfall alles erleiden, was man sich unfallchirurgisch vorstellen kann. Koh Samui ist mit über 400 Verkehrstoten pro Jahr wirklich nicht der Ort, um Rollerfahren zu lernen. Der desolate Straßenzustand, der Mangel an Verkehrsregeln und die Unbedachtheit der Touristen bezüglich Alkohol und Helmpflicht im Verkehr, machen den ohnehin chaotischen Fahrstil noch gefährlicher.  Mittags kommen von den Nachbarinseln die kritisch Kranken per Fähre mit Krankenschwestern als Begleitung. Oft waren es junge Backpacker auf der Durchreise mit Denguefieber, welches zurzeit endemisch auf den Inseln ist.

 

Offiziell soll man fünf Tage die Woche für sechs Stunden am Tag im Krankenhaus sein. Die Zeit kann man sich selber aussuchen und wird auch nicht kontrolliert. Wie immer hieß es: „Everything is up to you. When you are here, we will teach you!“. Man kann auch am Ende ein paar Tage frei bekommen oder ein verlängertes Wochenende auf einer Nachbarinsel verbringen. Hierzu sollten theoretisch Überstunden gesammelt werden, was aber nie kontrolliert wurde und auch scheinbar keinen interessiert hat. Mir wurde angeboten in einem staatlichen Krankenhaus eine Woche im Austausch zu famulieren, wo ich die Möglichkeit gehabt hätte, viel praktisch zu arbeiten (“if you want to get to know the real thai medicine“). Allerdings befand sich das Krankenhaus auf der anderen Seite der Insel in Nathon und da ich nicht umziehen oder jeden Morgen 25 Kilometer fahren wollte, habe ich darauf verzichtet.

 

Sprache

Die Ärzte und ein Großteil der Schwestern sprechen gut Englisch mit einem interessanten Akzent. Nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt und die Kommunikation hat meist gut geklappt. Schulenglisch ist ausreichend, aber ein „medical english“- Kurs zahlt sich doch aus.

 

Freizeit

Da man sich auf einer tropischen Urlaubsinsel befindet, gibt es je nach Vorliebe viel zu erleben. Nach Feierabend bin ich oft an den Strand gefahren oder habe den Nachbarorten einen Besuch abgestattet. Eine Inselumrundung schafft man mit dem Roller in zwei Stunden. Ganze Tagestouren mit vielen Zwischenstopps sind natürlich lohnender. Das Inselinnere mit regenwaldbewachsenen Bergen und vielen Wasserfällen lädt auch zu Erkundungstouren ein. An den Wochenenden bin ich mehrfach mit der Fähre (www.lomprayah.com) zu den Nachbarinseln Koh Phangan und Koh Tao gefahren.  Eine Tagestour beginnt morgens um acht und man ist um sechs Uhr abends wieder zurück.

Vor allem Koh Tao lockt mit vielen Tauchschulen, schönen Stränden und einer sehr gelassenen Lebensart, der fast ausschließlich jungen Touristen. Zu empfehlen ist die deutschsprachige, renommierte Tauchschule Dive Point direkt am Pier in Mae Haad (www.divepoint-kohtao.com). Auf Koh Tao sollte man aber auch mal eine Nacht verbringen und sich in einem der kleinen Hostel ein Zimmer nehmen (z.B.: www.intouchresort.com). Alles ist hier gut zu Fuß zu erreichen. Eine Tagestour zum Ang Thong Marine Park, wo der Film „The Beach“ gespielt hat, habe ich auch unternommen. Dabei kann man mit dem Kajak durch kleine Buchten fahren, schnorcheln und einen Berg mit einer atemberaubenden Aussicht erklimmen.

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