Zurück zu Tansania
  • Artikel
  • |
  • Celina
  • |
  • 08.04.2020

Meine Auslandsfamulatur in Tanzania, Machame

Du hast Lust, eine Famulatur in Tanzania zu machen? Celina hat hier alles Wichtige zusammengefasst und erzählt von ihren Erfahrungen.

Meine Motivation oder „Warum Tanzania?“

Bei meinen bisherigen Praktika war mir wichtig, möglichst vielseitige Erfahrungen zu sammeln, das heißt verschiedene Fachbereiche, verschiedene Krankenhäuser, verschiedene Städte in Deutschland. Was mir bisher aber fehlte, ist ein Praktikum außerhalb von Deutschland. Gerade das wird mir aber möglichst vielseitige und neue Erfahrungen bringen. Sowohl in medizinischen Fragestellungen als auch in kulturellen Aspekten. Deshalb habe ich mich entschlossen, einen weiteren Monat meiner Famulatur im Ausland zu verbringen. Genauer gesagt in Afrika, Tanzania. Seitdem ich einmal als Touristin in Tanzania war, fasziniert mich dieses Land mit seiner Natur und seiner Kultur. Zudem reizt mich insbesondere Afrika für ein medizinisches Praktikum als ein Kontinent, der auch in medizinischen Belangen noch hinter Europa zurück steht bzw. einen anderen Umgang mit der Medizin hat als wir hier in den Industrieländern. Ich erhoffe mir viele interessante, lehrreiche, spannende und vor allem neue Erfahrungen von meiner Famulatur in Tanzania – und die sollte ich bekommen.

Wahl der Institution oder „Warum das Machame Hospital?“

Ich habe mir das Krankenhaus für meine Famulatur privat organisiert. Deshalb habe ich nach Erfahrungsberichten von Medizinstudierenden über Krankenhäuser in Tanzania gesucht. So kamen letztlich einige Krankenhäuser zusammen, von denen mehrere gute Erfahrungsberichte vorlagen, unter anderem auch aktuelle. Anschließend habe ich mich genauer über die Krankenhäuser informiert. Am besten gefiel mir hierbei das Machame Lutheran Hospital in der Gegend von Moshi. Es klingt nach einem kleinen „Buschkrankenhaus“ mit ca. 150 Betten und den klassischen Bereichen (Innere, Chirurgie, Orthopädie, Pädiatrie, Gynäkologie, Notaufnahme). Da mir noch eine Famulatur in der Notaufnahme fehlte, wollte ich diese dort machen. Hierbei gefiel mir auch gut, dass das Personal vom Krankenhaus auch regelmäßig in umliegenden Dörfern eine ambulante Notaufnahme anbietet. Die nächste größere Stadt in der Gegend des Krankenhauses ist Moshi. Diese Stadt ist wiederum nicht so weit weg vom internationalen Flughafen Kilimanjaro Airport – also auch perfekte Anreiseoptionen. Dennoch ist das Krankenhaus klein und nicht direkt in einer großen Stadt, was mir ebenfalls wichtig war. Gerade die großen Krankenhäuser mit teils vielen hundert oder auch mal mehreren tausend Betten sind doch noch etwas näher dran an „unserer Medizin“ in Deutschland. Ebenfalls gut am Machame Hospital fand ich, dass es auf dem Internetauftritt eine eigene Seite für „foreign student electives“ gibt, mit einigen kleinen Infos zum Praktikum und der Unterkunft, ebenso wie eine Mailadresse für interessierte Studenten Machamestudents@yahoo.com. Aus diesen ganzen Gründen habe ich ich entschieden, mich im Machame Hospital zu bewerben. Gesagt getan. Eine kleine informelle Bewerbungsmail mit einer allgemeinen Anfrage und möglichem Datum reichte, und schon bekam ich eine Zusage zurück vom dortigen Ansprechpartner Bob Kasworm (ein Amerikaner, der vor vielen Jahren dorthin ausgewandert war). Ich musste nur eine englische Bescheinigung einreichen, dass ich Medizin studiere und in welchem Semester. Diese konnte ich problemlos an der Uni beantragen. Allgemein war der Mailverkehr mit Bob sehr angenehm. Er wirkt sympathisch und hat gerne alle meine Fragen beantwortet. Auch hat er mir einige Wochen vor meinem Abflug ein Dokument zugesendet mit wichtigen Informationen zu Unterkunft, Visum und Verkehrsanbindungen und Hinweise zu Geld, Gefahren, Kriminalität, Kleidung, und und und.

 

 

Organisatorisches oder „Lästiger, aber notwendiger Papierkram“

  1. Auf deren Internetseite ist alles Wichtige zusammengefasst, was man für seinen Aufenthalt in Tanzania wissen/organisieren muss.
  2. Es gibt die Möglichkeit einer „Elektronischen Erfassung von Deutschen im Ausland“ (elefand), um in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes von Deutschland eingetragen zu werden. Ich habe mich dort einfach mal angemeldet, schaden kann es nicht. Nachtrag: gerade in der aktuellen Zeit mit der Corona-Krise hat es sich als sehr sehr sinnvoll erwiesen! Ich wurde automatisch von der deutschen Botschaft in Tanzania mit den neuesten wichtigen Infos zu Corona und ggf. notwendiger Rückreise informiert (per Mail). Insofern: man weiß nie, in welche Krise man reingerät. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Weitere Vorbereitungen oder „Was man noch so alles bedenken muss“

Situation vor Ort (Teil 1) oder „Wie sieht ein typischer Tag am Machame Hospital aus?“

Hierbei konnte man sich recht frei entscheiden, in welchem Fachbereich man den Tag verbringt. Man war überall herzlich willkommen, die Ärzte dort planen so etwas nicht wirklich. Insofern war ich meistens in der Ambulanz, da dies ja mein offizieller Famulaturplatz war. Besser gesagt, in den Ambulanzen. Es gab eine „normale“ Ambulanz (am ehesten vergleichbar mit der deutschen Notaufnahme, geht meist aber eher in Richtung Hausarzt – niedergelassene Ärzte gibt es in Tanzania nämlich nicht), eine HIV-Ambulanz, eine orthopädische Ambulanz, eine Kinderambulanz und eine zahnärztliche Ambulanz. Zudem noch eine mobile Ambulanz, die in umliegende Dörfer fährt („Outreach“ genannt). Abgesehen von der normalen Ambulanz („Outpatient“ genannt) haben die anderen Ambulanzen meist nur an 1 oder 2 Tagen in der Woche auf. Man muss sich also immer informieren, wann man wohin gehen kann. Zusätzlich zu meiner Zeit in den Ambulanzen habe ich aber auch die Chance genutzt, in die anderen Fachbereiche reinzugucken und dort mitzuarbeiten. So war ich mal in der Gynäkologie und konnte eine Geburt miterleben. Auch war ich einige Male im OP („theater“ genannt; es gibt ein minor-theater und mehrere major-theater) und habe den Anästhesisten unterstützt und den Orthopäden/Chirurgen zugesehen. Einen Tag habe ich auch im hauseigenen Labor verbracht und mitgeholfen. So ist es mir gelungen, einen möglichst großen Einblick in das tansanische Gesundheitssystem zu erlangen und viel Verschiedenes zu erleben bzw. zu erlernen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass man meist eher zuguckt, als selbst Dinge durchzuführen. Dies liegt zum einen daran, dass die Ärzte vor Ort selbst nicht viel machen (zu wenig zur Verfügung stehende Mittel, aber auch manchmal zu wenig Wissen), zum anderen sind es die Ärzte gewohnt, dass man als Student nicht so viel mithilft/mithelfen darf (das machen die tansanischen Studenten nämlich nicht so viel). Und zu guter Letzt ist die Sprachbarriere zu den Patienten für Anamnesegespräche und Co natürlich auch nicht grade förderlich. Aber dennoch habe ich viel dort mitgenommen. Auch durfte ich mehr an Praxis machen als vorher erwartet: ich habe einige Patienten auskultiert, Testungen im Labor gemacht, einen suprapubischen Blasenkatheter gewechselt, kleine Arztberichte in der orthopädischen Ambulanz geschrieben, bei einer Geburt der Frau die Hand gedrückt und beruhigend zugesprochen und im OP bei den Anästhesisten viel mitgewirkt. Dort durfte ich bei der Narkoseeinleitung viel assistieren und auch die Patienten beatmen bzw. die Maske dichthalten (da die Narkose meist über Gas erfolgt). Als Tipp: Nutzt die Chance und guckt man in jeden Fachbereich rein!

 

Situation vor Ort (Teil 2) oder „Wie habe ich gewohnt und meine Freizeit verbracht?“

 

Situation vor Ort (Teil 3) oder „Ein paar Tipps“

 

Situation nach Rückkehr oder „Mein persönliches Fazit“

Eigentlich sollte ich den ganzen März 2020 über dort sein (plus einige Tage vorher und nachher zum Rumreisen). Leider kam im März 2020 die große Corona-Krise. Nach ca. der Hälfte meines Aufenthalts im Krankenhaus kam von der deutschen Botschaft in Tanzania (in Dar es Salaam) mittels „elefand“ (siehe oben unter Organisatorisches) der Hinweis, dass wir uns besser nach Rückflügen umgucken sollte. Denn voraussichtlich wird es diese einige Tage später nicht mehr geben aufgrund der Corona-Situation. So war ich nur knapp 4 anstatt von geplanten knapp 6 Wochen in Tanzania. Ich war und bin sehr enttäuscht über den verfrühten Aufbruch. Es gäbe noch so vieles dort zu erleben und zu lernen! Aber dennoch war die Entscheidung, früher abzureisen, im Kontext von der Corona-Krise die richtige. Nur wenige Tage nach meinem Abflug gab es annähernd keine Rückflüge mehr.

Als ich nach Tanzania aufgebrochen bin, sagte meine Mutter zu mir: „Wenn du wiederkommst, ist hier kein Winter mehr, sondern Frühling. Das wird bestimmt komisch für dich, plötzlich in einer anderen Jahreszeit hier anzukommen“. Tja, letztlich war es dann noch komischer. Als ich abgereist bin, war Deutschland noch normal. Bei meiner Ankunft war Deutschland nicht mehr das Deutschland, das ich kannte. Ich wurde von einer Kontaktsperre begrüßt. In Tanzania hingegen merkte man noch nicht viele Einschränkungen/Änderungen durch Corona.

Aber mal unabhängig von Corona: es war eine grandiose Zeit dort! Ich habe tolle Einblicke in die Kultur und das medizinische System erhalten, wie ich es mir auch erhofft hatte. Rein medizinisch habe ich im Krankenhaus eher weniger gelernt. Aber was ich gelernt habe, ist, dankbar über unsere medizinische Versorgung in Deutschland zu sein! Und zu wissen, wie ich später als Arzt nicht sein und handeln möchte. Aber andererseits habe ich mir auch etwas im Umgang der Ärzte mit den Patienten abgeguckt. Manche Sachen ziehen wir hier in Deutschland viel zu groß auf und machen geradezu ein Drama daraus. Dort wird vieles einfach nüchterner betrachtet, was manchmal meiner Meinung nach auch mal eine gute Alternative ist. Ich freue mich jetzt darauf, wieder in einem deutschen Krankenhaus tätig zu sein. Um mir nochmal bewusst über die Unterschiede zu werden. Mit meiner eigenen veränderten Haltung zu manchen Dingen.

Vom Leben dort werde ich einiges vermissen. Zum Beispiel die offene Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Tansanier. Davon können wir Deutschen uns definitiv eine Scheibe abschneiden! Aber auch die wunderschöne Natur, die Tierwelt, die frischen Lebensmittel und das Klima. Die Lebendigkeit und Lebenslust, die dort immer und überall auf allen Straßen zu spüren ist! Sogar die Dala-Dalas oder die Stromausfälle werde ich etwas vermissen.

 

Eines kann ich sagen: Ich werde diese Zeit dort nie vergessen! Und kann jedem nur wärmstens empfehlen, auch so eine tolle Auslandserfahrung zu machen. Sie prägt einen sehr!

Mehr zum Thema

Artikel: Habari Sumbawanga – irgendwo zwischen DR Kongo, Sambia und Tansania

Bericht: PJ-Tertial Gynäkologie in Moshi

Schlagworte