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  • Ines Elsenhans
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  • 23.04.2009

Medizinstudium in Luxemburg

Medizin studieren trotz eines „schlechten“ Abis und ohne Wartesemester? Viele Abiturienten stehen auch in diesem Jahr wieder vor dem Problem, von der ZVS abgelehnt zu werden, doch was dann? Wie wärs denn mit einfach anfangen? Luxemburg machts möglich.

 

Eingang zu den Naturwissenschaften - alle Fotos: N. Manzke

Ohne super Abi und ohne reichen Papi kann man in Luxemburg die ersten beiden Semester der Vorklinik ablegen und dabei Scheine erwerben, die einem anschließend den Studienortswechsel nach Deutchland ermöglichen. Das Tolle dabei ist, dass einem kein Wartesemester verloren geht, da dies nur bei einer Einschreibung an einer deutschen Uni passieren würde.

Ich selbst habe diese Chance für mich genutzt und möchte nun allen diesjährigen ZVS-Opfern meine Erfahrungen schildern.

Die Uni liegt direkt in der Landeshauptstadt und ist wie das Land selbst: sehr klein und luxuriös. Hörsäle und Praktikumsräume sind wirklich vom Feinsten! Gespart wird hier nirgends und: Das Studium ist auch für ausländische Studenten kostenlos.

die Homepage der Uni

Die erste Amtssprache in Luxemburg ist Französisch. Alle echten Luxemburger sprechen aber neben der kautzig klingenden Landessprache, dem Luxemburgisch, auch Deutsch und Englisch. Eine Verständigung im Notfall ist also immer möglich. Trotzdem sollte man die Sprachbarriere nicht unterschätzen. Alle Vorlesungen, abgesehen von denen, die speziell für die Deutschen abgehalten werden, finden auf Französisch statt. Alle Klausurfragen werden auf Französisch gestellt. Einige Klausuren, z.B. Biologie können auf Deutsch geschrieben werden. Zudem sollte man in der Lage sein, im Rahmen der Praktika längere Texte auf Französisch anzufertigen. Zwischenfragen auf Deutsch werden zwar belächelt, aber auch beantwortet.

Wer früher Französisch-LK hatte, braucht sich keine Sorgen zu machen. Alle anderen sollten vor Beginn ihr Sprachverständnis schulen und eventuell einige naturwissenschaftliche Vokabeln pauken. Um die Sprachkenntnisse der ausländischen Studenten zu verbessern, sponsort die Uni einen Sprachkurs an einem Luxemburgischen Institut. Dieser Kurs wurde jedoch von den meisten Kursbesuchern als wenig nützlich beschrieben.

Auch von naturwissenschaftlicher Seite werden in Luxemburg einige Anforderungen gestellt. Ich selbst hatte außer Bio keine Naturwissenschaft bis zum Abi und habe dies bitterlich bereut. Ich hatte weder in Physik noch in Chemie den Ansatz einer Chance.

Welche Scheine können gemacht werden?

Da währen zunächst die so genannten großen Scheine, anhand derer die Hochstufung durch deutsche Landesprüfungsämter in höhere Fachsemester erfolgt.

Chemie und Biochemie können allerdings nur als Doppelpack absolviert werden. Eine Aufsplittung ist nicht möglich.

Hinzu kommen noch die kleinen Scheine, die in Deutschland auch als Sitzscheine bezeichnet werden.

Nähere Informationen zu den einzelnen Fächern, den Eigenarten ihrer Profs und einige hilfreiche Tipps und Tricks finden Sie unter: "Die Fächer, die Profs und wie man alles übersteht" etwas weiter unten.

Das Studium

Das Studienjahr in Luxemburg beginnt Ende September und endet Mitte Juni mit dem Examen final. Das Jahr wird gegliedert in zwei Semester, die sich durch einige Vorlesungen voneinander unterscheiden. Während dieser 9 Monaten hat man praktisch keine Ferien. Nur zur Vorbereitung der zwei Examen partiell (Januar/April) und des Examens final (Juni) werden einem durchschnittlich zwei Wochen Vorbereitungszeit eingeräumt. Zu jedem der fünf Hauptfächer werden wöchentlich 2-5 Stunden Vorlesungen abgehalten, deren Teilnahme selbstverständlich jedem freigestellt ist. Zudem gibt es die so genannten traveaux pratiques (Praktika) deren Teilnahme verpflichtend ist. Die Anwesenheit wird hier peinlichst kontrolliert und ein Fehlen kann nur durch ein ärztliches Attest entschuldigt werden. Das Stundenvolumen beträgt hier zwei Stunden pro Fach, wobei Biochemie im zweiten Semester die Chemie ablöst. Die Praktika werden in Gruppen von ca. 20 Studenten abgehalten. Da hier häufig in Zweiergruppen gearbeitet wird, empfiehlt es sich, sich frühzeitig mit netten und fachlich kompetenten Kommilitonen anzufreunden.

Das Punktesystem in Luxemburg reicht von 0 bis 20, wobei 20 sehr gut ist. Für das Bestehen der Praktika ist eine Durchschnittsnote von mindestens 12,1 notwendig. Es ist tatsächlich schon vorgekommen, dass Studenten mit 12,0 durchgefallen sind. Das Bestehen der Praktika ist die zweite Komponente zur Anerkennung eines Scheins in Deutschland. Der wichtigste Teil ist selbstverständlich die Klausur. Um einen Schein in Deutschland anerkannt zu bekommen, genügt in den Klausuren eine Durchschnittsnote von 10,0. Die drei Klausuren werden unterschiedlich gewichtet. Die ersten beiden Partiells zählen jeweils 15%. Das abschließende Examen final zählt 70%. Wer in der Endnote nach dem Examen final unter 12 aber über 7 Punkte erreicht hat, bekommt durch eine mündliche Prüfung die Chance zu bestehen. Allerdings kann sich die Note hier auch verschlechtern. In die mündliche Prüfung kommt aber nur der, der maximal drei Klausuren nicht auf Anhieb besteht. Bei mehr als drei nicht bestandenen Klausuren entfällt diese Möglichkeit. Im September nach dem Examen final kommt dann ein zweiter Prüfungsblock, bei dem man die Chance hat, alle Prüfungen zu wiederholen, die man bis dahin nicht geschafft hat. Im September zählt dann auch nur diese eine Klausur. Die Vornoten der beiden Partiells werden nicht miteinbezogen.

Leben in Luxemburg

Luxemburg ist ein kleines Land, das im westlichen Teil von Rheinland-Pfalz an Deutschland stößt. Zudem ist es noch von Belgien und Frankreich umgeben. Seine Vielsprachlichkeit liegt vermutlich in seiner Geschichte begründet und trägt viel zu seinem multinationalen Selbstverständnis bei. Zahlreiche europäische Institutionen haben ihren Amtssitz in Luxemburg. Daneben ist Luxemburg natürlich als Stadt der Banken bekannt, was wohl auch seinen enormen Wohlstand begründet.

 

Beliebter Treffpunkt: die Nana

 

Das Leben in Luxemburg ist wirklich teuer. Es ist wohl vergleichbar mit einigen deutschen Großstädten wie Köln, Berlin oder München. Günstiger Wohnraum ist so gut wie nicht vorhanden. Aus diesem Grund gibt es in Luxemburg Stadt zahlreiche Studentenwohnheime. Diese sind meist schöne alte Häuser in denen 4 – 30 Studenten zusammenleben. Trotz Subventionierung liegen hier die Mietkosten zwischen 250 und 400 Euro. Verwaltet wird das Ganze von M. Carbon, der die Studenten auf Häuser aufteilt und seine Putzkolonnen durch die Häuser schickt. Um in ein solche Haus einzuziehen, muss eine schriftliche Bewerbung mit einem Motivationsschreiben fristgerecht eingeschickt werden.

Wunnraum fir Studenten
21, route de Thionville
L 2611 Luxembourg
Tel.: 00352-26480424
Fax : 00352-2648042

Um sich in Luxemburg fortzubewegen, ist der Verkehr mit Bus und Bahn vollkommen ausreichend. Das Busticket wird übrigens auch von der Uni gesponsort. Wer seine Fahrkarte allerdings erst nach einem bestimmten Termin abstempeln lässt, muss alle Kosten selber tragen.

Wer die Chance hat, sich ein Fahrrad mitzubringen, sollte dies auf jeden Fall tun. Rund um Luxemburg gibt es herrliche Fahrradwege. Eine weitere Möglichkeit der preiswerten sportlichen Betätigung bietet der Hochschulsport. Gegen einen Jahresbeitrag und ein Passfoto kann man hier ein- bis zweimal die Woche am Badminton-, Volleyball- und Korfballtraining teilnehmen.

Die Abendgestaltung in Luxemburg ist kein Problem. Es gibt zahlreiche Bars, Cafes und Discos. Die meisten befinden sich auf der Vergnügungsmeile „Rue de Hollerich“. Wer es sich leisten kann, kann hier ordentlich abfeiern.

Die Fächer, die Profs und wie man alles überlebt

Biologie

Die Vorlesungen in Biolgie werden in Biologie und Genetik unterteilt. Im ersten Semester gibt es jede Woche eine zweistündige Biologievorlesung. Genetik kommt dann im zweiten Semester mit zwei weiteren Stunden hinzu. Das Praktikum besteht aus einer Doppelstunde pro Woche

Die Vorlesung

Der Prof. in Biologie heißt Dr. Heuschling und ist ein relativ junger, netter, aber auch strenger Lehrer. Seine Vorlesung besteht im Wesentlichen aus einem Powerpoint-gestützen Vortrag, bei dem er Bilder an die Wand projiziert und anhand deren die Themen abarbeitet. Diese im Internet verfügbaren Bilder, sollte man sich ausdrucken und zu den Vorlesungen mitbringen, um sich Notizen zu machen. Zum anderen folgt sein Vortrag ziemlich genau der Kapitelreihenfolge des Biologiebuches „l‘essentiel de la biologie cellulaire“. Dieses Buch sollte man sich auf jeden Fall zulegen. Glücklicherweise ist es auf deutsch übersetzt worden (hier „Molekulare Zellbiologie“) und in den meisten deutschen Universitätsbüchereien vorhanden. Ein toller Geheimtipp ist es, sich die Anschaffungskosten für das französische Biologiebuch von rund 70 € zu sparen und es sich in regelmäßigen Abständen in Deutschland auszuleihen. Es ist kein Problem, für Biologie auf Deutsch zu lernen, da die Klausur auf Deutsch geschrieben werden kann.

Für die Klausuren sind die während der Vorlesungen gezeigten Bilder sehr wichtig. Die Aufgaben sind häufig so gestellt, dass man entweder ein Schema beschriften und erklären oder einen Sachverhalt mittels einer selbst angefertigten Zeichnung darstellen soll.

Im zweiten Semester kommen zwei Stunden Genetik hinzu, die jeweils einzelstündig von zwei verschiedenen Lehrern unterrichtet werden. Leider hat jeder dieser Profs sein eigenes Skript und der Stoff ist nicht untereinander abgestimmt.

Ab der zweiten Klausur gehört Genetik dann auch zum Prüfungsstoff. Beide Profs stellen ihre eigene Klausur. Der eine (M. Pauli) hat immer einen Lückentext und der andere (M. ...) immer drei Fragen, die auch anhand der Zeichnung von Schemen erklärt werden müssen. Die Ergebnisse der Genetikklausuren werden dann zur Note der Biologieklausur hinzuaddiert und ergeben eine Gesamtnote. Im zweiten Partiell zählt der Genetikteil...% und im Examen finale....%

Wen die Versuchung küsst, Genetik schleifen zu lassen und sich auf Biologie zu konzentrieren, sollte sich dies gut überlegen. Denn in Biologie die volle Punktzahl zu bekommen und somit auch ohne Genetik die Klausur zu bestehen, ist fast unmöglich.

Das Praktikum

Tja, das Praktikum... wer die erste Stunde schweißgebadet hinter sich gebracht hat, wird verstehen, wenn ich sage, dass ich in meiner ganzen Schulzeit nie so etwas erlebt habe. Das Praktikum wird von einer Lehrerin und einem Lehrer gleichzeitig unterrichtet. Während sie redet, schwingt er die Peitsche... oder anders herum. Böse Zungen haben behauptet, dass die beiden auf den Geruch von Angstschweiß stehen. So ganz unbegründet ist dieser Verdacht zugegebenermaßen nicht. Hier gelten Regeln, die man höchstens aus Omas Erzählungen kennt.

Man sollte versuchen, das Ganze nicht so ernst zu nehmen, denn bei den beiden steckt nichts dahinter. Wer es schafft, sich an einige Regeln zu halten und ein wenig Bauernschläue an den Tag legt, bekommt keine Probleme.

Die erste Regel lautet: Vermeide, unangenehm aufzufallen. Dies tut man, indem man unpünktlich ist, seine Sachen nicht dabei hat oder unordentlich arbeitet und lacht. Bitte ernst bleiben, denn diese beiden Lehrer sind "Respektpersonen"! Alle zwei Wochen werden Tests geschrieben, die ziemlich streng benotet werden. Ein Geheimtipp ist hier, dass jedes Jahr die gleichen Fragen gestellt werden. Zwar hat jede Praktikumsgruppe einen anderen Test. Es ist jedoch einfacher, vier Tests zu lernen als das, was sie sonst alles fragen könnten. Studienanfänger sollten sich also möglichst schnell umhören, wer im Besitz dieser alten Tests ist und sie ihm dann wenn möglich abkaufen. Auch wenn hierfür echtes Geld verlangt wird, kann ich nur zum Kauf anraten, denn in diesem Praktikum kann man durchaus durchfallen. Außerdem empfiehlt es sich, bei der Wahl der Praktikumsgruppe nicht eine auszuwählen, in der schon sehr viele Deutsche sind. Ich will nicht behaupten, dass Mme ... deutschfeindlich eingestellt ist. Fakt ist aber, dass sie in der ziemlich deutschlastigen Stunde am Freitag immer besonders genervt war und hier auch einige durchgefallen sind.

Chemie

 

Ansicht eines Hörsals von unten

 

Der Chemiekurs setzt sich aus der anorganischen Chemie und der Biochemie zusammen. Wer also am Ende die Klausur besteht, kann sich über zwei Scheine freuen. Einen alleine zu bestehen, ist dagegen leider nicht möglich.

Die Vorlesung

Der Prof. für Chemie heißt M. Pierre Seck. Da er nebenbei auch für viele organisatorische Dinge zuständig ist, kommt es schon mal vor, dass die Stunden mit administrativem Prozedere dahinrinnen. Dies ist eigentlich auch der einzige Grund, seine Vorlesung zu besuchen. Inhaltlich bringt sie einen nicht viel weiter. Sein 900 Seiten starkes Skript besteht aus einer Ansammlung kopierter Chemielehrbücher. Leider hat er dabei das Inhaltsverzeichnis vergessen, so dass eine Orientierung unmöglich ist. Mein Ratschlag lautet hier, das Skript nach einer Themenreihenfolge zu untersuchen und sich dann zuhause damit zu beschäftigen. Zudem wird eine Regel und Formelsammlung, genannt „die grünen Blätter“, angeboten deren Studium sich unbedingt empfiehlt. Sie wird einem während aller Chemieklausuren von der Uni gestellt und einige Klausuraufgaben können gut mit ihrer Hilfe gelöst werden.

Geheimtipp

Schlau ist es, eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden, die den regelmäßigen Besuch der Chemiestunden unter sich aufteilt. So bleiben einem die vielen unnützen Stunden erspart und man sitzt nicht auf dem Trockenen, wenn in der Klausur Fragen gestellt werden, die sich direkt auf den Unterricht beziehen. M. Secks Klausuren bestehen meist aus einem Teil Multiple-Choice Fragen und zum anderen aus offenen Fragen. Die Klausuren sind sehr anspruchsvoll, weil er das Themengebiet fast nicht einschränkt.

Das Praktikum

Im ersten Semester wird ein reines anorganisches Chemiepraktikum unterrichtet. Im zweiten wird dies durch das Biochemiepraktikum abgelöst. Die Lehrer sind je Semester und auch Praktikumsgruppe verschieden. Ich, die zu Beginn vom Umgang mit Chemikalien und den verschiedenen Reaktionen keine Ahnung hatte, fühlte mich ins kalte Wasser gestoßen. Glücklicherweise wird im Chemiepraktikum in Zweiergruppen gearbeitet und auch der Gedankenaustausch zwischen verschiedenen Gruppen wird geduldet. Nach jeder Praktikumsstunde muss ein Rapport angefertigt werden, der entweder am Ende der Stunde in Kurzform oder zur nächsten Stunde in Hochglanz angefertigt werden soll. Diese Rapports werden dann benotet und bilden zusammen mit einem halbjährlichen Test, der ca. 20% zählt die TP-Note. Das Chemiepraktikum ist eine anstrengende und aufgrund der Rapports eine zeitraubende Angelegenheit. Doch wer sich ausreichend Mühe gibt, braucht nicht zu befürchten, dass er durchfällt.

Geheimtipp

Schlechte Ergebnisse und unsachliche Erklärungen drücken die Note des Rapports. Dagegen fällt es kaum auf, wenn Leute unterschiedlicher Gruppen zu ähnlichen Schlüssen kommen. Was richtig ist, ist eben richtig. Deshalb ist es auch hier sinnvoll, eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden, die untereinander ihre Ergebnisse austauscht oder diskutiert. So können schlechte Noten durch grobe Schnitzer vermieden werden.

Histologie

Die Vorlesung

Die hauptverantwortliche Professorin für Histologie ist Mme Many. Sie unterrichtet eigentlich in Belgien an der katholischen Universität von Louvrain und kommt einmal die Woche für drei Stunden nach Luxemburg. Ob man diese Dame mag oder nicht, ist natürlich Geschmackssache, zu bewundern ist sie allemal. Während sie alles was sie erzählt, simultan auf einen Overhead-Projektor schreibt und malt, hat sie ihre Studenten wie ein Luchs im Auge. Andere Aktivitäten als das konzentrierte Zuhören und Mitschreiben sind aufgrund ihres Tempos und ihrer Aufmerksamkeit kaum möglich. Man sollte es tunlichst vermeiden, negativ aufzufallen, da sie schon nach kürzester Zeit viele Namen kennt und sich Gesichter einprägt. Studenten, die zum wiederholten Male ermahnt werden, müssen mit einer zynischen Bemerkung oder einer peinlichen Frage rechnen. Mit Fortschreiten des Kurses kommt dann noch eine weitere Professorin, Mme Neu hinzu. Sie ist genauso zierlich, aber wesentlich weniger resolut als Mme Many. Sie bringt ihre vorgefertigten Folien meist schon mit und die Zeit, diese abzuschreiben während sie sie vorliest, ist mehr als knapp. Es ist daher ratsam sie zu bitten, die Folien zum Kopieren herauszugeben, so dass man sich während der Vorlesung aufs Zuhören konzentrieren kann. Die Klausuren sind sehr offen gehalten und die Themengebiete werden nur wenig eingeschränkt. Die Fragen sind immer nach dem Motto gestellt: Schreib alles, was du weißt. Und das sollte man dann auch tun und zwar bis ins kleinste Detail, sonst hat man keine Chance. Auch kann diese Klausur nur auf Französisch geschrieben werden. Zu jeder Klausur gehört auch die Diagnostizierung von ca. 10 Dias, die sie an die Wand projiziert. Einige davon zeigt sie häufig in den letzten Stunden vor der Klausur. Ganz gewitzte Studenten bringen hier ihre Digitalkamera mit, um sich die Bilder während der Ferien einzuprägen. Allerdings ist das Fotographieren hier natürlich verboten. Andere Bilder finden sich auf den CD-Roms, die Mme Many in regelmäßigen Abständen zum Kauf anbietet. Diese kosten zwischen 15 und 20 Euro und sind mit einem Kopierschutz belegt. Doch auch im kommenden Jahr sind sicher wieder pfiffige Leute dabei, die die CD für wesentlich weniger anbieten werden.

Das Praktikum

Im Praktikum lernt man die histologischen Stukturen menschlicher Organe und Gewebetypen anhand echter Präparate. Zu Beginn jeder Stunde steht eine kurze Erklärung durch den Lehrer. Darauf folgt die Betrachtung und Zeichnung der zu erkennenden Strukturen. Die einzelnen Stunden werden nicht bewertet, sondern jedes Semester wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Hier werden einem zwei Präparate vorgelegt, die nach mikroskopischer Betrachtung erkannt und detaiiert beschrieben werden sollen. Das Problem ist, dass im zweiten Semester auch Präparate des ersten Semesters abgefragt werden können oder sogar solche, die man noch nie gesehen hat. Diese sollen dann aufgrund bekannter Strukturen zuordnen werden. Ich hatte beispielsweise den Anus. Mein Lehrer war Herr Dr. Knolle. Ein Deutscher, von dem man allerdings keinen Heimvorteil zu erwarten braucht, da er mit Unverständnis auf Sprachprobleme reagiert. Eine gute Taktik in diesem Praktikum ist es, möglichst viele Fragen zu stellen und somit sein Interesse zu bekunden. Für die Prüfung schnappt man sich dann ein gutes Buch, diese sind in der Bibliothek zu finden, und lernt die wichtigsten Details der Präparate auswendig. Für die Wahl des Lehrers oder des Praktikumskurses kann ich leider keine Tipps geben, da wir bei Herrn Knolle Studenten hatten, die aufgrund persönlicher Differenzen mit ihrem eigentlichen Lehrer den Kurs gewechselt haben. Zu sagen bleibt, dass nur bei Herrn Dr. Knolle einige Studenten durchfallen sind.

 

Wer schlau ist, fotografiert

Geheimtipp

Mein Geheimtipp für diese Praktikum ist es, sich eine Digitalkamera mitzunehmen und alles zu fotographieren. So macht man sich zwar beim Lehrer keineswegs beliebter, hat aber dafür die Möglichkeit, sich alles in Ruhe anzuschauen und auch im zweiten Semester die Bilder des ersten zu betrachten. Herr Dr. Knolle fand mich gelinde gesagt exotisch, als ich damit anfing, doch er konnte es mir nicht verbieten und hatte auch kein einleuchtendes Argument dagegen.

 

Physik

Die Vorlesung

Der für Physik zuständige Prof heißt M. Kies. Er ist ein grundguter Mensch, der voll und ganz dem Klischee des zerstreuten Professors gerecht wird. Er beschreibt die Tafel von rechts nach links, schiebt ein, streicht durch und macht so die Verwirrung komplett. Bei der Überlegung, ob Physik mit Elan verfolgt wird oder nicht, sollte beachtet werden, dass der Schein meiner Meinung nach in Deutschland wesentlich leichter zu schaffen ist. In Luxemburg hingegen ist die Physik das stundenintensivste Fach. Allerdings gilt der Schein an einigen deutschen Unis als Eingangsvoraussetzung beim Studienortswechsel.

Das Praktikum

Das Praktikum wird von M. Kies, zwei seiner Kollegen und seiner Frau durchgeführt. Die Schwierigkeitsgrade differieren sehr stark von Lehrer zu Lehrer. Am Ende jeder Stunde muss ein ziemlich umfangreicher Rapport abgegeben werden , der benotet wird. Anders als bei allen anderen Praktika wird hier keine Semesterzwischenprüfung geschrieben. Ausschlaggebend für das Bestehen dieses Praktikums ist es, entweder einen fähigen Praktikumspartner zu haben oder sich kräftezehrend anzustrengen. Es ist also wirklich anstrengend, durchgefallen ist aber im letzten Jahr meines Wissens niemand. Da sich die Aufgaben von Jahr zu Jahr kaum unterscheiden, ist es hilfreich, alte Raports als Hilfestellung zu benutzen.

 

Terminologie

Terminologie ist eines der vier Fächer, die speziell für die deutschen Studenten angeboten werden. Der Prof heißt Dr. Axel Karrenberg und reist extra aus Köln an. Deshalb gibt es auch nur relativ wenige Termine, die dann immer mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Der Kurs findet hauptsächlich im ersten Semester statt. Im zweiten gibt es dann noch einige Termine zur Auffrischung. In diesem Fach werden nur zwei Klausuren geschrieben. Die erste zum ersten Partiel und die zweite zum Examen final. Die Klausuren sind anspruchsvoll, obwohl der Prüfungsstoff recht genau angegeben wird. Man kommt nicht drumherum, das gesamte Skript auswendig zu lernen. Gemeinereweise werden auch Fragen zu dem nur mündlich besprochenen Stoff gestellt, der nicht im Skript zu finden ist. Der Besuch der Vorlesungen ist also obligatorisch, nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheitsliste.

 

Einführung in die klinische Medizin

Für die beiden kleinsten Scheine, „Einführung in die klinische Medizin“ und „Berufsfelderkundung“, hat die Universität zwei luxemburgische Ärzte engagiert. Beide Fächer finden erst ab dem zweiten Semester statt. Für die Einführung in die klinische Medizin ist M. Dr. Pull zuständig. Sein Unterricht ist recht interessant. Er läd zu jedem Termin einen anderen Arzt der verschiedensten Fachgebiete ein und diese erzählen dann aus ihrem Alltag. Aus diesen geballten Memoiren ergibt sich dann der Prüfungsstoff. Die Prüfung ist dennoch sehr einfach und es ist mir nicht bekannt, dass hier je einer nicht bestanden hätte. Auch in diesem Fach verfügt der Lehrer über eine Anwesenheitsliste, die im Zweifelsfalle über die Note entscheidet.

 

Berufsfelderkundung

Hier hat die Universität den luxemburgischen Geriater Dr. Lenners engagiert. Er lässt sich seine Studenten mit dem Bus von der Uni zu seinem Arbeitsplatz kutschieren, um ihnen dort einen mehr als trockenen Theorieunterricht angedeihen zu lassen. Die Exkursionen in verschiedene medizinische Einrichtungen sind dagegen meist spannend. Einziges Problem ist, dass die Ausflüge immer viel Zeit in Anspruch nehmen und man die Klausuen eigentlich auch ohne ihre Teilnahme bestehen könnte. Zum zweiten Partiel müssen zwei schlichte Hausarbeiten angefertigt werden und im Examen final werden drei kleine Fragen gestellt. Durchfallen unmöglich!

 

Anatomie

Speziell für die deutschen Studenten wird von dem saarländischen Prof. Pedro Maestres ein abgespeckter Anatomiekurs durchgeführt, der einem die Grundbegriffe der Anatomie verständlich machen soll. Der Schein wird in Deutschland nicht anerkannt, da kein Präp-Kurs durchgeführt werden kann. Um seine Studenten dennoch ein wenig für seinen Kurs zu motivieren, organisiert er einige Ausflüge zu seiner Heimatuni in Homburg. Dort konnten wir das anatomische Institut besichtigen und die erste Gänsehaut beim Anblick einer Leiche überwinden lernen. Auch wenn es hier keinen Schein zu ergattern gibt, lohnt es sich, seinen Kurs zu besuchen. Prof. Maestres besticht einfach durch seinen unvergleichlichen spanischen Charme!

 

Bücherempfehlungen

 

Fazit

Das Studium in Luxemburg ist eine interessante Möglichkeit trotz ZVS sein Medizinstudium aufzunehmen. Es wird einem die Chance geboten seine Wartezeit nicht einfach zu vertrödeln und man kann direkt nach dem Abi testen ob einem das Medizinstudium denn wirklich liegt. Doch so toll das alles auf den ersten Blick scheinen mag, es gibt einige Dinge, die auch dagegen sprechen.

Luxemburg ist wohl als das Nadelöhr zu begreifen, durch dass man sich mit aller Kraft hindurch zwängen muss. Wer auf der anderen Seite landet, kann sich auf die Schulter klopfen. Ich selbst habe das Jahr nicht geschafft und bewerbe mich nun das letzte Mal über die ZVS für Medizin. Ich habe gemerkt, dass das Medizinstudium tatsächlich zu annähernd 100% aus Auswendiglernen besteht. Wer mit dem Gedanken spielt sich in Luxemburg zu bewerben, sollte sich auf ein wirklich hartes Jahr einstellen, in dem er nicht viel anderes macht, als zu lernen. Doch selbst wer es schafft einige Scheine zu bestehen, hat den Platz in Deutschland noch längst nicht sicher. Die bestandenen Scheine müssen zunächst vom Landesprüfungsamt anerkannt werden. Mit dieser Bescheinigung kann man sich dann bei allen Unis bewerben, die das Medizinstudium zum Wintersemester anbieten.

Hierbei ist immer die Frage ob man nun als Studienortswechsler gilt oder als Quereinsteiger. Das mag sich nach Haarspalterei anhören, ist aber extrem wichtig. Studienortswechsler werden nämlich bei der Vergabe der wenigen Studienplätze vor den Quereinsteigern berücksichtigt. Der Bewerbungsschluss bei den Unis liegt meist zwischen dem 15. und 17 Juli. Da die Zeugnisse in Luxemburg aber gegen den 8. Juli ausgegeben werden, ist das Prozedere mit den Landesprüfungsämtern kaum rechtzeitig zu schaffen. Die meisten Unis begnügen sich jedoch mit einer eidesstattlichen Versicherung, dass die genannten Scheine tatsächlich bestanden wurden. Die Scheine können dann bis zu einem bestimmten Datum nachgereicht werden.

Im Anhang und dafür können Sie mir wirklich dankbar sein, habe ich die meisten Links aufgelistet, die direkt zu den Bewerbungsformularen der einzelnen Unis führen. Jede Uni hat ihr eigenes Bewerbungsformular und häufig sind unterschiedliche Dinge beizufügen. Hier muss man sich ganz viel Mühe geben, denn ein falsch ausgefülltes Formular oder unvollständige Belege, führen meist ohne Benachrichtigung zum Ausschluss.

 

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