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  • Bericht
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  • Marek Hanhoff
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  • 03.01.2014

Orthopädie-Tertial am Kantonsspital Aarau

Marek hatte nur Gutes über die Arbeit in der Schweiz gehört. Deshalb entschied er sich ein PJ-Tertial in Aarau zu verbringen. Hier berichtet er von seinen Erlebnissen.

Persönliche Motivation

In Vorbereitung auf das Praktische Jahr stand für mich schnell fest, dass ich mein erstes Tertial, vom Spätsommer in den Winter hineinreichend, in der Schweiz verbringen wollte. Sei es über den Erfahrungsaustausch mit Kommilitonen oder in Online-Berichten, ich hatte vorab viel Positives über das Arbeiten in der Schweiz gehört und kann retrospektiv betrachtet vieles davon bestätigen. Die Möglichkeit des selbstständigen Arbeitens, die Aussicht auf aktives Assistieren im Operationssaal, flache Hierarchien, sehr gute Verdienstmöglichkeiten und der Wegfall des täglichen Blutabnehmens – im Regelfall Aufgabe der Pflegekräfte in der Schweiz – waren für mich ausschlaggebende Punkte für meine Bewerbung. Zudem bietet das Land mit seiner unglaublichen Naturvielfalt und Nähe zu den Bergen tolle Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung, die ich im Sommer wie im Winter ausprobieren und nutzen wollte.

 

Bewerbung

Vorbereitung und Bewerbung haben nicht übermäßig viel Zeit und Aufwand beansprucht. Generell muss man wissen: Es gibt beliebte Zeiten und beliebte Spitäler für ein PJ-Tertial in der Schweiz unter den Studenten. Begehrt sind vor allem die Wintermonate in unmittelbarer Nähe von Skigebieten, so dass sich eine frühzeitige Bewerbung anderthalb bis zwei Jahre im Voraus an bestimmten Orten durchaus auszahlt. Hat man zunächst eine Absage seines Wunschspitals für einen bestimmten Zeitraum erhalten, so lohnt es sich trotzdem dranzubleiben und sich nochmals wenige Monate vorher nach einer freien Stelle zu erkundigen, da Studenten regelmäßig kurz vor knapp noch abspringen. Unter www.pj-ranking.de habe ich mir zunächst herausgesucht, an welchen Spitälern ich mein Wahlfach-Tertial Orthopädie absolvieren kann und wie gut die Standorte bisher bewertet wurden. Darauf basierend habe ich meine eigene Vorauswahl getroffen und mithilfe der Internetseiten der Spitäler die E-Mail-Adressen der Sekretariate ausfindig gemacht. Häufig findet man dort auch PDF-Dateien mit kurzen Tätigkeitsbeschreibungen für Unterassistenten. Rund 8 Monate vor Beginn des Tertials verschickte ich E-Mails mit einer kurzen Vorstellung, meinem Lebenslauf und der Angabe des gewünschten Zeitraumes an etwa zehn Spitäler. Von den allermeisten Standorten bekommt man innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen eine positive oder negative Rückmeldung, in ersterem Fall meist noch weitere Formulare zur Vervollständigung der Bewerbung. Nach mehreren Zusagen habe ich mich schließlich für das Kantonsspital in Aarau entschieden. Der Kontakt mit dem Sekretariat der Orthopädie des KSA verlief dabei sehr unkompliziert, Fragen wurden immer zeitnah und sehr freundlich beantwortet. Ansprechpartnerin vor Ort ist Frau Ilona Märki (ilona.maerki@ksa.ch).

 

Formalitäten

Nach der Zusage via E-Mail bekam ich wenige Wochen später meinen Arbeitsvertrag per Post, den ich unterschrieben zusammen mit ein paar anderen Formularen (Gesuch nach Befreiung von der Krankenversicherungspflicht, Immatrikulationsbescheinigung, Personalbogen vom Spital, Wohnungsunterlagen) zurücksenden sollte. In der Schweiz sind alle Studenten als Unterassistenten angestellt, vertraglich festgelegt waren bei mir zudem 48 – 50 Arbeitsstunden pro Woche. Freundlicherweise kümmert sich das Spital um eine Arbeitserlaubnis, so dass sich der Kontakt mit den Schweizer Behörden in Grenzen hielt. Eine Berufs- und Nichtberufsunfall-Versicherung erfolgt über den Arbeitgeber, eine Auslandskrankenversicherung kann man zusätzlich zum Beispiel über die Deutsche Ärztefinanz für ein Tertial günstig abschließen. In meinem Fall war die Zeit in der Schweiz über die Versicherung abgedeckt, eine kurze Nachfrage bei eurer Versicherung vor Beginn des Tertials ist sicher empfehlenswert. Letztendlich war die Auswahl des geeigneten Spitals am aufwendigsten, wobei www.pj-ranking.de und auch www.bvmd.de gute Hilfestellungen leisten. Natürlich habe ich mich vorab noch etwas mit dem Land beschäftigt und mir überlegt, wohin genau ich möchte, um sowohl schnell in der Natur und als auch in den großen Schweizer Städten zu sein.

 

Studiengebühren und/oder Vergütungen

Für ein PJ-Tertial zahlt man in der Schweiz keine Studiengebühren. Einzig das Erstellen einer Äquivalenzbescheinigung durch eine Schweizer Universität kann etwas Geld kosten (50 Franken, wobei es über die Universität Basel wohl kostenlos geht). Hier empfiehlt es sich, kurz mit dem jeweiligen Landesprüfungsamt der Heimatuniversität zu korrespondieren. Bei mir hat nach Absprache ein Formblatt mit der Unterschrift des Chefarztes ausgereicht, auf dem gekennzeichnet war, dass das KSA ein Lehrkrankenhaus der UZH ist. Die Vergütung in Aarau ist ziemlich gut, man bekommt 1500 Franken in den ersten drei und im vierten Monat 1800 Franken (anteilsmäßiges 13. Monatsgehalt). Davon gingen die Kosten für die Unterkunft sowie ein paar Prozent Steuern ab. Es ist allerdings von Vorteil, ein Schweizer Konto zu besitzen, worauf das Salär am Monatsende eingezahlt werden kann. Eine kostenfreie Möglichkeit bietet dafür die Aargauer Kantonalbank, auch die Postbank bietet ein günstiges Studentenkonto. Alles in allem konnte man mit diesem Verdienst ganz gut leben, wenngleich einen die Kosten zum Beispiel in der Cafeteria zumindest anfänglich etwas abschrecken (gutes Mittagsmenü für 10,20 Franken, Baguette 4,60 Franken).  

 

Anreise, z.B. Flug, verbilligte Zug-/Bustickets für Studenten

Es gibt viele Möglichkeiten, günstig und halbwegs komfortabel in die Schweiz zu reisen, auch wenn man kein eigenes Auto besitzt. Auf meiner Hinreise hatte ich das Glück, von einer Mitfahrgelegenheit quasi von Haustür zu Haustür für etwa 40 Euro gefahren zu werden. Für die Rückfahrt habe ich den Fernbus von Zürich nach Leipzig genutzt. Die Fahrzeit beläuft sich zwar auf etwas mehr als 10 Stunden, allerdings ist der Bus bequem und mit 33 Euro sehr günstig (www.meinfernbus.de). Mit MeinFernbus kann man auch nach Lörrach, direkt an der Grenze in der Nähe von Basel gelegen, fahren und von dort aus weiter mit dem Zug. Wer das Flugzeug bevorzugt, kann mit easyjet nach Basel fliegen. Der Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg ist mit dem Bus nur etwa 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. So kann man zum Beispiel von Dresden oder Hamburg nach Basel fliegen. Letztendlich ist das eigene Auto die bequemste Variante und auch für die Zeit in der Schweiz ist es praktisch, ein Auto zu haben, denn Zugfahrten innerhalb der Schweiz sind mit der SBB relativ teuer (Bsp.: Aarau – Zürich 28 Franken, Aarau – Basel 24 Franken). Meistens findet sich aber immer jemand, der ein Auto für gemeinsame Ausflüge besitzt, da man sehr schnell andere Unterassistenten kennenlernt.

 

Größe und Abteilungen des Krankenhauses

Das KSA ist mit etwas mehr als 600 stationären Patientenbetten das größte Spital im Kanton Aargau. Mit insgesamt etwa 4300 Mitarbeitern ist es zudem einer der größten Arbeitgeber der Region. Im dem großen interdisziplinären Notfallzentrum mit 20 Liegeplätzen und 2 Schockräumen werden Krankheiten und Verletzungen aus allen internistischen, neurologischen und chirurgischen (auch neurochirurgischen) Fachbereichen behandelt. Auch eine Stroke Unit ist vorhanden. Einen Überblick über die im Spital vertretenen Fachdisziplinen bietet die folgende Seite:  

http://www.ksa.ch/1440/1975/2870/4312.asp

Die Orthopädische Klinik bietet Platz für rund 40 Patienten, die je nach Versicherungsstatus (allgemein, halbprivat, privat) in drei verschiedenen Häusern (Haus 1, Haus 2, Haus 4) untergebracht werden. Das Team bestand während meiner Zeit aus einem Chefarzt, zwei leitenden Ärzten, vier Oberärzten sowie sechs Assistenzärzten. Die Orthopädie teilte sich nicht, wie an vielen anderen Spitälern, in einzelne Gelenkteams (Schulter-Team, Knie-Team, Hüft-Team, Fuß-Team, Wirbelsäulen-Team) auf, so dass man über die volle Zeit von allen Erkrankungsbildern etwas gesehen hat. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Allerdings wurde Ende 2013 beschlossen, die Orthopädischen Kliniken der Kantonsspitäler Aarau und Baden zusammenzulegen. Somit wird der gesamte Standort in Zukunft wohl zu einer relativ großen Orthopädie-Adresse in der Schweiz, wobei 2014 auch die oben genannten Gelenkteams gebildet werden sollen.

 

Unterkunftsmöglichkeiten & Kleidung im Krankenhaus

Eine Unterkunft wird durch das spitalinterne Team Wohnen vermittelt. Die Preise für ein Zimmer variieren je nach Größe zwischen 300 und 700 Franken pro Monat. Neben dem Wohnheim (Haus 27, direkt auf dem Spitalgelände) werden auch Zimmer in verschiedenen Personalwohnungen angeboten, in denen man in unmittelbarer Nähe zum Spital mit zwei bis drei anderen Unterassistenten oder Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern untergebracht wird. Leider war das Wohnheim bei meiner Ankunft komplett belegt, so dass ich ein Zimmer in einer 4er-WG etwa sieben Minuten zu Fuß vom Spital entfernt bekam. Wenn ihr also unbedingt ein Zimmer im Wohnheim wünscht, dann würde ich euch empfehlen, vorab beim Team Wohnen (Frau Heidi Bruder, wohnen.sekretariat@ksa.ch) persönlich anzurufen.

Das Wohnheim bietet pro Etage etwa 11 Zimmer, eine kleine Küche, zwei Toiletten, drei Duschen und ein kleines Gemeinschaftszimmer. Die Küchen sind ziemlich klein und sehr spärlich ausgestattet. Pro Etage gibt es einen großen Kühlschrank, zudem bekommt jeder ein abschließbares Fach im Schrank. Besteck, Teller, Töpfe müssen selbst mitgebracht werden. Die sanitären Anlagen waren ganz okay und wurden täglich von den Putzdamen gereinigt. Weiterhin gibt es im Erdgeschoss einen Ruheraum mit Liegestühlen, Decken und Jogamatten, wo wir desöfteren gemeinsam Filme geschaut oder einen Umtrunk veranstaltet haben. Kostenlos waschen kann man im Keller.

Nachdem ich am Vorabend angekommen war, holte ich mir meinen Hausschlüssel mithilfe einer vorab zugeschickten Nummer an der Keybox von Haus 27 ab und lief zu meiner Wohnung, die zwar recht klein, aber praktisch eingerichtet war. Die Zimmergröße betrug etwa 11 Quadratmeter, dafür hatten wir im Gegensatz zum Wohnheim eine relativ große Küche zur Verfügung und teilten uns ein Bad. Insgesamt habe ich dafür 410 Franken pro Monat gezahlt. Vorteil des Wohnheims: Dieses ist durch unterirdische Gänge mit vielen Spitalgebäuden verbunden, so dass man früh am Morgen maximal lange ausschlafen und schlechtes Wetter umgehen kann oder während der Pikettdienste nachts sehr kurze Wege hat. Arbeitskleidung (Polo, Hose und Kittel) wird am ersten Tag gestellt, diese kann man beliebig oft an der Wäscheausgabe wechseln. Zudem bekommt ihr ein eigenes Natel und ein Batch, mit dem ihr in das Spital und Wohnheim kommt und mit dem im Restaurant / Cafeteria bezahlt werden kann.

 

PJ-Alltag

Der Tag begann um 7.30 Uhr mit dem Morgenrapport, wo der Dienstarzt Eintritte (das sind die stationären Aufnahmen in der Schweiz) aus der Nacht präsentierte, OP- oder Verlaufsröntgenbilder besprochen sowie schwierige Patientenverläufe diskutiert wurden, die anstehenden Operationen des Tages nochmal kurz gezeigt und durchgegangen wurden. Alles in allem dauert der Rapport maximal 30 Minuten. An vielen Tagen sind wir anschließend mit den Ärzten in die Cafeteria gegangen, außer man musste direkt in den OPS (so nennt es der Schweizer), dann war dafür keine Zeit. Die Operationen fangen in der Regel zwischen 8 und 8.30 Uhr an. Nach dem Kaffee ist man auf Station gegangen und hat dort geholfen oder bei der täglichen Visite mitgemacht. Ein Assistenzarzt hat immer für einen Monat Stationsdienst, dem kann man schon die ein oder andere Aufgabe abnehmen, worüber die Kollegen immer froh waren (Konsile oder Röntgen anmelden, Sozialdienst einschalten, Anrufe tätigen etc.).

Meist gegen 10 Uhr kamen dann die elektiven Eintritte, pro Tag zwischen ein bis vier Patienten. Der Job von uns Unterassistenten war das Erheben einer kurzen Anamnese, die körperliche Untersuchung (je nach vorhandener Zeit beschränkt auf die zu operierende Extremität), ein Medikamentencheck, das Erstellen der Erstverordnung, die Verlaufsdokumentation sowie die OP-Aufklärung. Im OPS steht man in der Regel fast jeden Tag, abhängig davon, wie viele Unterassistenten gerade da sind. Im Aufenthaltsraum des OP-Traktes gibt es kostenlos Getränke, Brot, Käse etc. für die Belegschaft. Ich habe eine Fülle verschiedener Elektiveingriffe gesehen und als erste oder zweite Assistenz mitgemacht. Die Stimmung hier war meist wirklich gut, auch der Kontakt zu den OTAs war sehr angenehm und witzig, manchmal lief auch Musik.

Im Vordergrund des Operationsspektrums steht die Endoprothetik, so dass man davon viel mitbekommt – vor allem Hüfte- und Knieendoprothetik. Spannend waren für mich vor allem endoprothetische Eingriffe an der Schulter. Eine zweite große Säule bilden Wirbelsäuleneingriffe, vor allem Revisionen und Spinalkanalstenosen. Dort konnte man immer zuschauen, allerdings weniger machen – trotzdem war das immer ziemlich interessant, auch weil hier viel gefragt wurde. Weiterhin habe ich Umstellungsosteotomien, Anbohrungen, Arthroskopien an Schulter, Hüfte, Knie und Sprunggelenk gesehen. Der Oberarzt mit dem Steckenpferd der Fußchirurgie operiert meist freitags, ist ein Supertyp und dort kann man von Achillessehnennähten über Pridie-Bohrungen bis hin zu Sprunggelenksversteifungen auch ein breites Spektrum abgreifen, insofern die Zeit zum Assistieren oder Zuschauen gegeben ist. Kinder werden, wenn auch selten, in der Orthopädie des KSA ebenfalls operiert, so dass ich mehrfach bei Kirschnerdraht-Spickungen bei jungen Epiphysiolysis capitis femoris Patienten assistieren konnte. Einmal im Monat operiert zudem ein sehr netter Kinderorthopäde vom Universitätsspital Basel in Aarau, dessen Operationen waren definitiv Highlights meines Tertials.

Jeden Dienstag übernehmen die Orthopäden den Traumadienst auf dem Notfall, somit sieht man zusätzlich auch unfallchirurgische Erkrankungsbilder. Hier ist ein Unterassistent fest eingeplant und man kann sehr selbstständig arbeiten: Patienten untersuchen, Röntgen und andere Untersuchungen anfordern, Patienten aufnehmen, ambulante Briefe schreiben, nähen. Wenn es sich anbietet, kann man bei schwerwiegenden Verletzungen auch mit in den OP. Ich habe mich trotzdem ein paar Mal nachts anrufen lassen, da es schon gewinnbringend ist, einen Patienten von der Übernahme vom Rettungsdienst bishin zur definitiven Versorgung mitzuverfolgen. Dienstags muss man manchmal schon recht lange arbeiten, wenn viel los ist – dann auch gut und gerne mal in die Nacht hinein, wobei man dann am nächsten Vormittag kompensieren kann. Prinzipiell arbeitet man pro Tag etwa 9-10 Stunden. Sicherlich gab es auch Tage, an denen wir früher gehen konnten, dennoch ist die Orthopädie im KSA für Leute, die pünktlich nach Hause wollen, nicht geeignet. Man ist in der Schweiz in der Regel als Arbeitskraft in den Arbeitsalltag integriert, trotzdem habe ich selten gestresst das Spital verlassen. Pikettdienste, wie man sie aus der Chirurgie kennt, gibt es in der Orthopädie am KSA nicht und die Wochenenden sind frei.

Weitere Aufgaben waren: Patienteneintritte vorbereiten (jeden Donnerstag kommt eine Liste mit den Eintritten für die nächste Woche heraus, die hat man dann vorzubereiten), jeden Mittwoch SDS-Patienten anschauen ("same day surgery", unkomplizierte Patienten mit wenig Nebenerkrankungen kommen am Tag der OP über die Tagesklinik ins Spital und werden direkt operiert, ein paar Tage vorher werden diese von den Unterassistenten noch einmal untersucht, aufgeklärt etc.). Jeden Dienstag kann man die Infiltrationssprechstunde besuchen, aktiv dabei assistieren, zuschauen und lernen beziehungsweise gelegentlich auch selbst infiltrieren. Je länger ich dort war, umso mehr durfte ich schlussendlich auch machen, so dass ich am Ende die großen Gelenke mehrfach infiltriert habe. An den Sprechstunden der Oberärzte konnte man ebenfalls teilnehmen. Allerdings war man hier nicht selbstverständlich eingebunden beziehungsweise eingeteilt, so dass ich während meiner Zeit ziemlich selten dort gewesen bin – leider. Dafür gibt es im Spital eine Menge Fortbildungen. Fast jeden Montag findet eine interne Orthopädie-Fortbildung statt, die waren meist ziemlich gut. Jeden Donnerstag gibt es für die Unterassistenten eine Radiologiefortbildung mit bunt gemischten Themen, die sehr gut waren und jeder ein bis zwei Bilder vor der Runde auswerten musste. Freitags ab 07:15 Uhr gibt es zudem eine Fortbildung für alle Unterassistenten aus den chirurgischen Fächern mit Kaffee und Gipfli, wo man selbst auch mal einen Vortrag halten muss.

Alles in allem konnte ich unter Supervision ganz gut eigenständig arbeiten, nicht zu viel und nicht zu wenig. Allen voran die Assistenzärzte waren durchweg alle bereit, Fragen in ausführlicher Art und Weise zu beantworten. Gelegentlich haben sie uns auch von sich aus Dinge in einer ruhigen Minute erläutert. Schlussendlich durfte ich im OP mehrfach Materialentfernungen selbst durchführen und musste danach den OP-Bericht diktieren. Zudem habe ich in den vier Monaten viel nähen dürfen (subkutan, kutan, intrakutan), so dass ich meine Fertigkeiten dahingehend ziemlich verbessern konnte. Die Stimmung im Team, vor allem unter den Assistenzärzten, mit denen man die meiste Zeit während der Arbeit verbracht hat, war durchweg lustig, fast schon freundschaftlich. Wir haben auf Arbeit wirklich viel miteinander gelacht und regelmäßig auch nach der Arbeit, am Abend oder am Wochenende, mit dem einen oder anderen Assistenten etwas unternommen. Unvergessen bleiben die vielen lustigen Bowling-Abende, wo so manches Bier dran glauben musste. Nicht zuletzt deswegen habe ich Aarau am Ende mit einem weinenden und lachenden Auge verlassen.

 

Finanzierungsmöglichkeiten

In Leipzig ist es über das Akademische Auslandsamt des Studentenwerks möglich, eine Förderung über das Programm des Erasmus-Praktikums zu bekommen.
Mehr Informationen dazu unter:

http://www.zv.uni-leipzig.de/studium/auslandsaufenthalt/praktikum-im-ausland/erasmus-praktikum.html

 

Land, Kultur & Freizeit

Der besondere Reiz der Schweiz liegt in der Vielfalt ihrer Natur. Im Sommer locken die Berge mit einer Fülle an Wander- und Kletterrouten. Innerhalb einer Stunde ist man beispielsweise in Engelberg, wo man tolle Wanderungen machen kann. Die Ruhe und die unglaublichen, sich bietenden Aussichten haben schon einen besonderen Wert. Im Tessin kann man unter Palmen ein mediterranes Klima genießen. Durch Aarau selbst fließt die Aare, ein glasklarer Fluss, in den man im Sommer springen und sich treiben lassen kann, was die Schweizer mit ihren Schwimmsäcken perfektioniert haben. Entlang der Aare stehen überall Grillplätze. Aber auch auf der Dachterrasse des Wohnheims haben wir uns an warmen Abenden oft auf ein paar Bier oder für ein großes Raclette-Essen getroffen. Im Winter lädt die Nähe zu den Bergen zum Skifahren oder zu Skitouren ein – die Möglichkeiten sind der Wahnsinn, man muss es einfach nur machen. Davos hat ein super Skigebiet, dort sind wir in großer Gruppe bereits Anfang Dezember ein paar Tage gefahren. Auch das Spital selbst bietet ein paar Freizeitmöglichkeiten: Jeden Donnerstag ab 20.30 Uhr kann man in einer eigens dafür angemieteten Halle mit anderen Mitarbeitern aus dem KSA Fußball spielen. Zudem gibt es die Möglichkeit, für einmalig 100 Franken im Kraftraum der spitaleigenen Physiotherapie im Aarauer Bahnhof zu trainieren. Mit ein bisschen Glück und dem richtigen Timing kann man auch am alljährlichen Wandertag oder Skitag teilnehmen.  Aarau ist mit etwas mehr als 20.000 Einwohner ein überschaubares Städtchen, allerdings mit einer schicken Altstadt, die abends mit seinen Bars und Clubs doch etwas zu bieten hat. Die größeren Städte sind schnell per Zug oder Auto erreicht – die Schweiz ist klein. Aarau liegt etwa in der Mitte von Zürich, Luzern und Basel, man ist innerhalb einer halben bis dreiviertel Stunde dort. Auch das schöne Bern ist nicht viel weiter entfernt.

 

Fazit

Ich würde definitiv wieder in die Schweiz gehen. Auch wenn nicht immer alles perfekt lief und ich mir manchmal etwas mehr Teaching gewünscht hätte, so ziehe ich ein positives Fazit aus meinem Tertial am KSA. Trotzdem sollte man sich bei allen positiven Aspekten vorab die Mühe machen und sich gut über die Spitäler, die Organisation innerhalb der Abteilung und auch über Operationsspektrum informieren, um am Ende seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Menschen, denen ich begegnet bin, waren durchweg sehr freundlich und hilfsbereit, von Vorurteilen gegenüber Deutschen habe ich kaum etwas mitbekommen, allerdings arbeiten gerade im Gesundheitswesen auch ziemlich viele Deutsche. Sprachlich hört man sich doch relativ schnell rein, obgleich ich den Ur-Schweizer heute noch immer nicht richtig verstehe. Der hohe Freizeitwert bietet zudem einen super Ausgleich zum Arbeitsalltag.

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